"Natur" heißt noch lange nicht natürlich

Der Begriff „Naturkosmetik“ ist – anders als etwa „kontrolliert biologisch“ – im EU-Raum nicht einheitlich definiert bzw. geschützt. Auch gibt es kein europaweit geltendes Gütezeichen für Naturkosmetik.
Österreichische Hersteller wie die Grüne Erde sind per Gesetz den extrem strengen Naturkosmetik-Richtlinien des Österreichischen Lebensmittelcodex unterworfen. Der Codex definiert die Art der Rohstoffe (pflanzlich, tierisch, mineralisch) und der zugelassenen Verarbeitungsmethoden (keine Gentechnik und radioaktive Bestrahlung), listet erlaubte Konservierungsmittel und Emulgatoren auf, verbietet synthetische Duft- und Farbstoffe. Vergleichbar und ähnlich streng ist die privatrechtliche Richtlinie für „kontrollierte Naturkosmetik“ des deutschen Herstellerverbandes BDIH (Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen). Naturkosmetik-Hersteller können sich zertifizieren lassen und dann das BDIH-Prüfsiegel „kontrollierte Naturkosmetik“ verwenden.

Außen hui, innen pfui

Ganz anders die Situation im nichtdeutschsprachigen Raum. Viele namhafte, „trendige“ und „kultige“, meist sehr teure Kosmetikanbieter aus den USA, Großbritannien oder Frankreich nutzen den Mangel anexakten Regelungen und definieren selbst, was Naturkosmetik ist. Das bedeutet in der Praxis: Auch wenn Begriffe wie „natürlich“, „naturnahe“, „auf pflanzlicher Basis“ oder „aus Kräutern“ auf dem Tiegel stehen, heißt das noch lange nicht, dass ausschließlich natürliche Stoffe enthalten sind. Im Gegenteil: Viele dieser Kultmarken verarbeiten zwar tatsächlich auch natürliche Substanzen, verzichten aber dennoch nicht auf bedenkliche Konservierungsmittel,
Duftstoffe od. Mineralöle, die bei „echter“ Naturkosmetik – wie jener von Grüne Erde – absolut tabu sind.

Wie erkennt man echte Naturkosmetik?

Echte Naturkosmetik erkennt man durch einen Blick auf die vollständige Auflistung der Inhaltsstoffe; weiters daran, dass nur nachwachsende, pflanzliche, mineralische Rohstoffe bzw. solche vom lebenden Tier verarbeitet werden, dass die Zutaten vollständig oder überwiegend aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, dass auf Gentechnik, Tierversuche und synthetisch (meist aus Erdöl) hergestellte Paraffine, Silikone, Farb- und Duftstoffe vollständig verzichtet wird.

Beauty-Marken aus dem Chemielabor

Viele Kosmetikartikel enthalten synthetisch – häufig aus Erdöl – hergestellte Substanzen, wie etwa Paraffine, Silikone, Tenside, Konservierungsmittel und Duftstoffe. Nicht wenige dieser Stoffe sind problematisch für die Haut, verbrauchen bei ihrer Produktion viel Energie, gelten als umweltbelastend und biologisch nicht bzw. schwer abbaubar. Bei einer Untersuchung des renommierten Magazins ÖKO-TEST (Ratgeber Kosmetik & Wellness, Nr. 7, Mai 2007) schnitten viele Produkte großer namhafter Kosmetikkonzerne mangelhaft bis „richtig katastrophal“ (ÖKO-TEST) ab, vor allem, weil chemisch-synthetisch erzeugte, ökologisch und humanbiologisch bedenkliche Substanzen gefunden wurden. Fazit: Große Luxusmarken, aufwändige Werbekampagnen, große Versprechungen auf der Verpackung und hohe Preise garantieren noch lange keine hohe Qualität. Erwartungsgemäß am besten bewertet wurden im Test die Produkte von Naturkosmetikherstellern. ÖKO-TEST kommt zum Schluss, dass am ehesten Verlass auf Naturkosmetikfirmen sei, die selbst strenge Anforderungen an ihre Produkte stellen. Im Zweifel helfe am ehesten der Blick auf die
deklarierten Inhaltsstoffe.

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