Albanien - Foto-Location und Inspiration

  • Albanien ist der letzte weiße Fleck auf Europas Landkarte. Eindrücke von unserem Fototermin im Herbst 2016.

    Dieser letzte weiße Fleck auf Europas Landkarte ist ein schönes, wildes, raues, geheimnisvolles, gastfreundliches Land, in dem die Sonne den Sommer bis in den Spätherbst hinein am Leben erhält: Gründe genug, weshalb die Fotoaufnahmen für diesen Katalog in Albanien entstanden sind. Der Kleinstaat an der südlichen Adriaküste hat nur 2,8 Millionen Einwohner und ist mit knapp 29.000 km2 etwa so groß wie das deutsche Bundesland Brandenburg oder die beiden österreichischen Bundesländer Steiermark und Kärnten zusammen.

    Während der kommunistischen Herrschaft des Diktators Enver Hoxha (sprich: Hodscha), der sich abwechselnd mit Sowjets und Chinesen verbündete, und das ganze Land zur Verteidigung gegen äußere Feinde mit 170.000 Betonbunkern übersäte, war Albanien über vier Jahrzehnte hinweg von der Welt abgeschottet. Mangels Massentourismus wurden die Strände nicht mit Hotelanlagen zubetoniert, mangels Großindustrie blieb die Natur weitgehend intakt, mangels privatem Autoverkehr wurde die Landschaft nicht von Autobahnen zerpflügt.
    • Wölfe, Luchse, Bären

      Auch wenn heute der als wichtige Einnahmequelle entdeckte (Individual)Tourismus vor allem in den Küstenregionen ausgebaut wird, gibt es noch viele unberührte Flecken und malerische Buchten zu entdecken. Auch wenn vor allem in städtischen Ballungszentren die Umweltbelastung Probleme bereitet, findet man im abgelegenen gebirgigen Hinterland beeindruckende Naturlandschaften, die einer reichen Flora und Fauna Lebensräume bieten, darunter Wölfe, Luchse, wilde Ziegen, Wildschweine und Braunbären. Gelegentlich fühlt man sich um 100 Jahre zurückversetzt, etwa wenn man einem Wanderschäfer mit seiner Herde begegnet.

      Auch wenn das Land mit Korruption kämpft, ist die Gastfreundschaft der Menschen auch völlig Fremden – wie unserem Fototeam – gegenüber ehrlich und warmherzig. Lord Byron nannte die Bewohner Albaniens, die Skipetaren, vor mehr als 200 Jahren eine „eiserne Rasse, so hart wie der Fels, den sie bewohnen“. Noch heute wird der Nationalheld Skanderbeg, der im 15. Jahrhundert den Osmanen trotzte, als Kämpfer für die albanische Unabhängigkeit verehrt.
    • Albanien ist ein Teil Europas

      Bemerkenswert: Die vier Religionen des Landes – Muslime, Christlich-Orthodoxe, Katholiken und Anhänger des islamisch-alevitischen Bektaschi-Ordens – leben friedlich zusammen, was in Zeiten wie diesen bei Gott/Allah alles andere als selbstverständlich ist. Es gibt in Albanien auch so gut wie keine verschleierten Frauen. Weit fortgeschritten ist die berufliche Gleichstellung von Mann und Frau, so findet man etwa viele Frauen auch in technischen Sparten.

      Überall im Land stößt man auf die kulturellen Spuren der Illyrer (auf die sich das albanische Volk zurückführt), Griechen, Römer, Byzantiner und Venezianer. Albanien war immer ein Knotenpunkt zwischen West und Ost, an dem Kulturen aufeinander trafen.

      „Albanien vereint das beste des Okzidents und des Orients in sich“, sagt Emi, die uns als Tourguide und Dolmetscherin zur Verfügung stand. Die gebürtige Albanerin kam als 14-Jährige allein nach Österreich und studierte hier Klavierpädagogik, hat aber nach wie vor enge Verbindungen zu ihrer alten Heimat. Für sie ist unbestritten: „Albanien ist ein Teil Europas.“
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  • Albanische Impression - Slow Food, junge Köche & alte Rezepte

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    • Orientierte man sich nach dem Zusammenbruch des fast 50 Jahre lang währenden kommunistischen Systems Anfang der 1990er-Jahre in Albanien zunächst stark nach Westen – es gab eine regelrechte Massenauswanderung –, ist heute vor allem bei gebildeten, jungen Albanern eine Besinnung auf die eigenen Wurzeln, auf Sprache, Kultur und Tradition des eigenen Landes zu bemerken.

      Viele Albaner gehen ins westliche Ausland, etwa nach Italien, einige kommen zurück und setzen ihr gelerntes Wissen und ihre Fertigkeiten in der Heimat ein. So entwickelt sich auch eine sehr eigenständige Gastronomie-Szene, die bewusst auf albanische Traditionen, Rezepte und Zutaten zurückgreift.

      Zu spüren ist das etwa im Slow Food Restaurant Mrizi i Zanave in der Nähe des Ortes Fishtë, wo mit frischen, biologisch produzierten Zutaten aus der Region gekocht wird – und wo auch einige Aufnahmen für diesen Katalog entstanden sind.
    • Besinnung auf die eigene kulinarische Tradition

      Junge Köche und Gastronomen stöbern in Archiven nach alten Rezepten bzw. ziehen übers Land, um solche zu sammeln und aufzuschreiben, die bisher teilweise nur mündlich weitergegeben wurden. Glaubte man noch vor einigen Jahren, mehr Touristen anzulocken, wenn man etwa „italienisch“ kochte, wird heute die Internationalisierung der Küche von identitätsbewussten albanischen Gastronomen durchaus kritisch gesehen.

      Äußeres Zeichen einer Rückbesinnung auf die Wurzeln der einheimischen Küche ist etwa, wenn typisch albanische Gerichte, Zutaten, Fleisch- und Fischarten nicht mehr – wie bisher oft üblich – bei ihrem italianisierten, sondern bei ihrem original albanischen Namen genannt werden: Sprache = Identität.