Zimt - Ute Woltron über die Farben der Natur

  • Ein lebendiges Rotbraun

    Tatsächlich sind wir nie allein, wenn wir in einen Wald gehen, egal in welchen, und eigentlich wissen wir das auch. Denn die Bäume, die uns umgeben, leben, und auch wenn wir Menschen ihre bedächtige Sprache nicht verstehen, so kommunizieren sie doch auf faszinierende Weise miteinander: Über ihre Wurzeln, über das Mycelium der Pilze, das den gesamten Waldboden durchzieht, über Gerüche, und selbst über Geräusche wandern Botschaften von Baum zu Baum und tief hinein in den Forst.
    • Der Echte Zimtbaum stammt im Gegensatz zu all jenen Zimt-Aromapflanzen, die nur so tun als seien sie Zimt, von der tropischen Insel Ceylon. Die uralten Zimtwälder dort bilden ebenfalls solche eingeschworenen, dicht zusammengerückten Gemeinschaften. Am Fuß der Bäume, die auffällig breite Kronen bilden, keimen bereits die Jungbäume. Sie müssen lange warten, bis die Alten in die Jahre, oder besser in die Jahrhunderte kommen und Platz machen. Bis dahin verschränken sie ihre jungen Wurzeln mit jenen der Alten und werden mitversorgt. Die Kleinen bekommen von den Großen also fürsorglich einen Teil der Kraft übertragen, die oben das Sonnenlicht spendet, das sie jedoch noch nicht erreichen können.

      So ein Zimtwald ist ein durch und durch sinnliches Erlebnis. Der Boden ist weich, er ist mit abgefallenen braun-grauen Blättern bedeckt und federt unter den Schritten. Das auffällig dichte Dach aus dunkelgrünen, ledrigen Blättern lässt nur spärlich Licht herab. Es duftet aromatisch, noch nicht zimtig, doch anders gut. Die Rinde der jungen Bäume ist seidig glatt und eher grau als rotbraun, die der älteren Bäume ist knorriger. Die charakteristische rötlich braune Zimtfarbe seines Inneren offenbart der schöne Baum erst, wenn die Rinde abgeschält und der echte Zimt, das ist sozusagen die innere Haut der Rinde, geerntet wird. Dann kommt auch dieser unvergleichliche Duft.

      Wenn etwas so intensiv und gut ist, wie Zimtaroma, muss man aufpassen damit. Dann darf man es nur sparsam einsetzen. Das empfindet Grüne Erde auch für die Farbe Zimt. Sie ist warm und gedeckt, wirkt natürlich und erdig (Sic! Ich würde hier erdig besser finden als erdend, aber das ist nur meine Meinung!), und sie ist zugleich so kräftig, dass man sie nur sparsam und gekonnt einsetzen will – eben dort, wo es besonders behaglich sein soll.
    • Ute Woltron, sowohl Wirtschafts-, Architektur- und Reisejournalistin als auch Kolumnistin, Autorin und Co-Autorin mehrerer Bücher.
  • Biographie - Ute Woltron

    Ute Woltron, geboren in Ternitz in Niederösterreich, Architekturstudium an der Technischen Universität Wien, als Wirtschafts-, Architektur- und Reisejournalistin arbeitete sie u.a. für das Wirtschaftsmagazin Trend, das Nachrichtenmagazin Profil, für die Tageszeitungen Der Standard und Die Presse, für das ORF-Kulturradio Ö1 u.v.m. Sie ist Kolumnistin der Tageszeitung „Die Presse“ sowie Autorin und Co-Autorin mehrerer Bücher. Zuletzt erschienen bei Brandstätter ihre Bücher Menschen sind auch nur Gärtner. Freche Gartengeschichten, 99 Genüsse, die man nicht kaufen kann sowie Warum schmecken Maulbeeren am besten nackt? sowie Elfie Semotan, Eine andere Art von Schönheit. (Co-Autorin) Lebt als Autorin in Ternitz und Wien.

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