tausendgrün

  • Es war einmal ein Kind,
    das Kind wanderte über die Erde,
    und die Erde wanderte durch das Kind,
    nach vielen Wegen,
    mit kleinen und großen Schritten,
    traf das Kind auf eine Tür,
    die Tür öffnete sich dem Kind,
    hinter der Tür fand es einen Garten,
    das Kind trat in den Garten,
    gleich einem grünen Herz öffnete sich der Garten dem Kind, der Garten zeigte dem Kind sein Geheimnis,
    in dem Licht des Gartens sah das Kind Bäume, Steine, Pflanzen, Tiere und Früchte,
    plötzlich hörte es eine Stimme,
    eine Stimme welche sich über alles legte,
    eine Stimme, welche alles durchdrang,
    es war die Stimme des Gartens,
    die Stimme richtete sich an das Kind,
    und brachte dem Kind auf den Zweigen des Windes Worte, es waren zehn Worte,
    überlege dir genau, was du tust und was du lässt,
    das Kind lauschte der Stimme,
    das Kind setzte sich in den Garten,
    und ließ die Worte in sich wirken,
    überlege dir genau, was du tust und was du lässt,
    die Zeit stand still,
    die Zeit hatte im Garten ihre Sandkörner verloren,
    das Licht färbte sich rosa,
    als das Kind dem Garten den Rücken kehrte,
    es verschwand durch die Tür,
    die Tür verschloss sich,
    das Kind ahnte nun, was es zu tun
    und was es zu lassen hatte,
    der Garten hatte sich mit den Worten in das Kind gepflanzt, im Herzen des Kindes Wurzeln geschlagen,
    seither atmet das Kind grün,
    seine Liebe und sein Leben fächert sich tausendgrün,
    und unter jedem Schritt des Kindes wird fortan auch das Herz der Erde grüner und grüner

    Dieser Text stammt von unserer Kundin Andrea Nehring aus Kassel.
  • “Die Geschichte von dem Kind tausendgrün fand mich, als ich bei der Dichterin Rose Ausländer das Wort ‚tausendgrün‘ aufspürte. Ich sehe einen Faden, der sich aus dieser Geschichte zu Ihnen spannt, einen grünen Faden, der viele Traditionen und Herzen miteinander verbindet.”
  • Wir danken Frau Nehring für ihre bezaubernde Geschichte!