Bleib auf Kurs, Arche Noah!

  • Artenreichtum in der Pflanzenwelt kann den Menschen vor Hungersnöten bewahren. Er sorgt für eine gesunde Lebensgrundlage und für Geschmacksvielfalt. Aber wer passt eigentlich in Zeiten von Industrialisierung und Kommerzialisierung der Landwirtschaft auf unsere Kulturpflanzen auf?
  • Die biblische Geschichte von der Arche Noah erzählt, wie die Menschheit und die Tiere vor dem Aussterben bewahrt wurden. Demnach wurde der Patriarch Noah von Gott vor einer großen Flut gewarnt und beauftragt, ein Schiff – die Arche – zu bauen. Die Arche nahm Noah und seine Familie sowie die Landtiere an Bord und rettete sie so vor der Sintflut.

    Seit über 25 Jahren gibt es auch für die Pflanzen eine Arche Noah. Wie die biblische Arche Noah den Erhalt von Mensch und Tier sicherte, so setzt sich der Verein Arche Noah für den Erhalt der Vielfalt unserer Kulturpflanzen ein. Mit Erfolg! Eine Rückschau anlässlich des Jubiläums zeigt: Es gibt einige Gründe, zu feiern! Und es gibt noch mehr Gründe dafür, dass die wertvolle Arbeit von Arche Noah fortgesetzt wird.
      • Gemeinsam gegen das Verschwinden

        Arche Noah wurde 1990 als Zusammenschluss von zwei Vereinen gegründet. Die Initiative ging von besorgten Gärtnerinnen und Gärtnern, Bäuerinnen und Bauern in der Steiermark aus, denen aufgefallen war, dass mehr und mehr alte oder heimische Kräuter, Obst-, Gemüse- und Getreidesorten aus den Läden und von den Märkten verschwinden. Schätzungen zufolge ist die Zahl unserer Kulturpflanzen in den letzten 100 Jahren um etwa 75 % zurückgegangen. Dagegen wollten die Gründer von Arche Noah etwas unternehmen. Heute ist der Verein mit über 6000 Pflanzensorten eine der größten Erhaltungsorganisationen in Europa. Und nicht nur das! Die Aufgaben und das Engagement von Arche Noah sind noch vielseitiger geworden.
      • Gut für die Natur. Noch besser für den Menschen!

        Biokulturelle Vielfalt ist nicht nur ein idealistischer Anspruch, sondern vor allem die Grundlage für weltweite Ernährung. Je mehr Sorten es gibt, desto weniger ist die Nahrungskette für Schädlinge, Umweltkatastrophen und den Klimawandel anfällig. Ernteausfälle können durch Pflanzenvielfalt abgeschwächt oder gar verhindert werden, da sich die verschiedenen Sorten als unterschiedlich robust oder resistent gegen externe Einflüsse erweisen. Davon zeugt zum Beispiel die Kartoffelsorte Paterson‘s Victoria aus Irland. Im 19. Jahrhundert verursachte die Braunfäule schwerwiegende Missernten in Europa, die zu einer Hungersnot führten. Paterson‘s Victoria war eine der ersten Sorten, die in der Folgezeit auf Krautfäule-Resistenz selektiert wurden.

        Deswegen ist es so wichtig, dass wir die Kulturpflanzen als ein wertvolles Geschenk der Natur verstehen. Es begleitet uns und steht uns zur Seite, aber es benötigt auch unsere Achtung und unseren Schutz. Nur so erhalten wir uns durch die vielen Sorten einen Geschmacksreichtum und eine gesunde Lebensgrundlage.
      • Mitmachen erwünscht!

        Arche Noah ist beständig gewachsen und verfügt inzwischen über ein Netzwerk von über 15.000 Mitgliedern und Förderern, die entscheidend bei der Umsetzung der ehrgeizigen Ziele mitwirken. Als Obstbaumpate, als ehrenamtlicher Mentor, als biologischer Landwirtschaftsbetrieb, der sich bewusst für die Sortenvielfalt entscheidet, als Hobbygärtner oder einfach als Konsument von seltenem Erntegut unterstützen viele Menschen den Verein und seine Arbeit. Das Motto der Arche Noah lautet: „Aufessen, was wir retten wollen!“ Nur wenn die alten, traditionellen und raren Kulturpflanzen wieder in die Gärten, auf die Balkone und auf die Teller kommen, kann das Ziel erreicht werden.
      • Vielfalt vermehren, Wissen vermitteln

        Jedes Jahr entdeckt Arche Noah etwa 40 Obstsorten wieder, die sehr selten geworden oder sogar schon ganz vergessen sind. Auf den Wiesen des Vereins werden diese Sorten erhalten und im Archiv dokumentiert und beschrieben. Dabei sollen die Pflanzen keine Raritäten bleiben, denn Arche Noah versteht sich nicht als Museum. Vielmehr möchte der Verein, dass die seltenen Sorten wieder in die heimischen Gärten und auf die Felder zurückkehren. Deshalb können über Arche Noah auch Jungpflanzen und Saatgut erworben werden.

        Die verschiedenen Sorten kennen, sie pflegen und respektieren – damit können wir sie vor dem Verschwinden bewahren, so die Überzeugung von Arche Noah. Deshalb teilt der Verein sein Wissen gerne mit allen Interessierten, indem er Lehrgänge anbietet, Bücher herausgibt und Informationen auf seiner Homepage zur Verfügung stellt.
      • Verantwortung übernehmen: Petitionen gegen Patente

        Die Industrialisierung der letzten 100 Jahre führte zu einer Reduktion der Artenvielfalt in den Gärten, auf den Feldern und Obstwiesen. Außerdem werden 75 % des weltweiten Saatguts heute von nur zehn Konzernen kontrolliert. Zwischen 2013 und 2014 hat sich Arche Noah gemeinsam mit anderen Organisationen wie Global 2000 gegen eine geplante EU-Verordnung engagiert, die große Konzerne und den Handel mit Industriepflanzen weiter begünstigt hätte. Mit der Petition „Freiheit für die Vielfalt“ haben sie in Österreich über 400.000 Unterschriften gesammelt und so wesentlich dazu beigetragen, dass die Verordnung letztlich abgelehnt wurde. Ein großer und wichtiger Erfolg für die Pflanzenvielfalt!
  • Die Biodiversität wird besonders davon bedroht, dass große Handelskonzerne sich zunehmend das Recht an herkömmlichen Pflanzen und Saatgut sichern möchten. Arche Noah hat zusammen mit Bio Austria und der Gewerkschaft PRO-GE eine weitere Petition initiiert, die sich gegen die Patentierung von Pflanzen und Tieren richtet. „Kein Patent auf Leben“ wird von zahlreichen NGOs, Unternehmen und Privatpersonen unterstützt. Bisher haben über 120.000 Personen die Petition unterzeichnet. Auch Grüne Erde unterstützt dieses Ansinnen.

    Im Mai 2016 reichte Arche Noah gemeinsam mit anderen Organisationen einen Sammeleinspruch beim Europäischen Patentamt in München ein. Mit dem sogenannten „Tomatenpatent“ hatte sich der Konzern Syngenta 2015 die Rechte auf bestimmte Tomatensorten gesichert, die einen hohen Gehalt an Flavonolen aufweisen und deshalb als besonders gesund gelten. Wie Arche Noah feststellte, ist das Patent in mehrerlei Hinsicht unzulässig. Zunächst hat Syngenta nichts „erfunden“, sondern lediglich vorhandene Sorten gekreuzt. Außerdem wurde keine Gentechnik verwendet, die aber Voraussetzung für eine Patentierung von Pflanzen ist. Kein Wunder also, dass etwa 65.000 Menschen aus 59 Ländern Widerspruch einlegten – der größte Sammeleinspruch gegen ein Pflanzenpatent, den es jemals in Europa gegeben hat!
  • Feiern, schmecken, lernen

    Wasabi-Rauke, Stachelgurke, Surinamspinat – beim traditionellen Gartenfest der Vielfalt, das jedes Jahr im August in Niederösterreich, im Schaugarten der Arche Noah in Schiltern stattfindet, können sich Besucher selbst von der Schönheit und dem guten Geschmack der vielen Sorten überzeugen, die Arche Noah am Leben erhält. Es gibt zahlreiche Stände, an denen nicht nur informiert und diskutiert werden soll. Probieren ist erlaubt und erwünscht! Musik und stündliche Führungen zu verschiedenen Themen durch den Schaugarten bilden feste Programmpunkte. Für kleine und große Kinder werden spannende Workshops angeboten.

    25 Jahre Arche Noah! Das bedeutet: 25 Jahre Einsatz für Mensch und Natur, 25 Jahre Verantwortung für den Erhalt unserer Natur und Kulturlandschaft, und 25 Jahre säen für die Zukunft. Dank Arche Noah sind bereits viele Sorten davor bewahrt worden, in der Flut genmanipulierter Industriepflanzen unterzugehen.

    Grüne Erde wünscht auch für die Zukunft viel Erfolg, Tatkraft und Ausdauer im Engagement für die Vielfalt – bleib auf Kurs, Arche Noah!
  • Gartenfest der Vielfalt am 21. August 2016 in Niederösterreich - Lesen Sie mehr zu Arche Noah unter www.arche-noah.at
  • Fotos: Arche Noah