Big Data - Datensammeln macht mächtig

  • Souveränität des Volkes heißt, dass die Macht vom Volk ausgeht. Was aber, wenn jemand Macht über das Volk hat, weil er es auskundschaftet? Ihm so tief in die Seele hineinschaut, dass er alle Sorgen, Nöte, Träume, Wünsche, Schwächen und Befindlichkeiten kennt? Was, wenn dieser Jemand das Volk nach den eigenen Interessen beeinflussen, prägen und manipulieren kann, bis es letztlich gar nicht mehr souverän im Sinne von unabhängig, eigenständig, selbstbestimmt und besonnen ist?
  • Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten hat die Welt überrascht. Zwar zweifelt wohl heute niemand mehr daran, dass sich das Volk im Rahmen des US-amerikanischen Wahlrechts für ihn entschieden hat, aber gerade weil die Wahl so polarisiert und weil deren Ausgang viele für unmöglich gehalten haben, wird immer wieder die Frage aufgeworfen: Wie konnte das passieren? Auf der Suche nach Antworten stößt man auf so einiges – die Sehnsucht der Menschen nach einfachen Erklärungen, das Von-sich-weisen von Verantwortung, Schuldzuweisungen, das von Skeptikern schon lange erwartete Scheitern der Demokratie, die Russen oder eben einen unfairen Wahlkampf.
  • Wahlkampf mit allen Mitteln

    Es ist nicht seriös, eine einzige Erklärung für Trumps Triumph zu präsentieren. Bei aller Enttäuschung ist es ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte, dass die Gegenkandidatin nicht überzeugen konnte. Es war nicht die Wahl zwischen Gut und Böse, denn auf beiden Seiten gibt es dunkle Flecken in der Vergangenheit. Politikverdrossenheit, Widerstand gegen Eliten, zu oft von Präsidenten und Kandidaten getragene Namen wie Bush und eben Clinton – das alles hat sicherlich eine Rolle gespielt. Und eben auch ein von Trump „besser“ oder schlichtweg schmutziger, technisch ausgereifter und kompromissloser geführter Wahlkampf.

    Ein Thema, das Grüne Erde schon seit langem bewegt, wird im Nachgang dieser Wahl wieder viel diskutiert: die vernetzte Welt und das Thema Datensicherheit. Bei der Suche nach manipulativer Einflussnahme auf die US-Wähler hat sich die Aufmerksamkeit inzwischen etwas von Hackern abgewandt – hin zu niemand geringerem als dem Präsidenten selbst. Eine, auf den ersten Blick merkwürdige Betrachtung – schließlich ist Wahlkampf ja dafür da, Einfluss auf die Wahlentscheidung der Bürger zu nehmen. Prinzipiell ist es auch weder neu noch ungewöhnlich, dass bestimmte Daten über die Bevölkerungsstruktur für die effektive Gestaltung eines Wahlkampfes analysiert werden. Neu hingegen ist die Menge an Daten, die heute über jeden Einzelnen gesammelt werden kann. Bereits mit der bloßen Präsenz in einem sozialen Netzwerk geben wir mehr über uns preis, als uns lieb und bewusst ist.
  • Vernetzt und verraten

    Soziale Netzwerke bieten zwar praktische Werkzeuge, um mit unzähligen Personen in Kontakt zu treten, es wird dort jedoch in zunehmendem Maß jeder Kommentar und jedes Gefällt mir für die Werbewirtschaft ausgewertet und ausgenutzt. Selbst wenn jemand innerhalb eines Netzwerks nicht aktiv postet und kaum Angaben macht – über die mit ihm verlinkten Personen und besuchte Seiten lassen sich viele Rückschlüsse ziehen. Das alte Sprichwort "Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist", gewinnt hier neue Relevanz. Schließlich bewegt sich jeder Mensch in jenen Kreisen, die zu ihm passen. Mit anderen Worten, eine Facebook-Präsenz von Grüne Erde würde selbst bei geringer Aktivität Werbetreibenden helfen Menschen aufzuspüren, die einen ökologischen, nachhaltigen und sozial gerechten Lebensstil pflegen. Schon das lässt sich selbstredend nicht mit unserer Unternehmensphilosophie vereinbaren, die dem Schutz von Kundendaten absolute Priorität einräumt und es grundsätzlich ablehnt, Daten an Dritte weiterzugeben bzw. persönliche Daten anzukaufen.

    Noch viel genauer werden Annahmen über Hobbies, berufliche Laufbahn, Sportverein oder politische Ausrichtung in dem Moment, wo geteilt, geliked und kommentiert wird. Über die gesammelten Daten lassen sich erstaunlich präzise Profile erstellen, die sich die Werbeindustrie oder eben politische Parteien zunutze machen können und, wie Trump gezeigt hat, auch schon zunutze machen. Inhalte in sozialen Medien verbreiten sich nicht nur zufällig oder weil sie besonders oft geklickt werden. Mit entsprechendem Budget kann jeder seine Botschaft – sofern sie den Werberichtlinien des Anbieters entspricht – bewerben. Sie wird dann öfter oder in den Neuigkeiten weiter oben angezeigt, also im Ergebnis häufiger gesehen. Aber nicht nur, wie oft ein Inhalt gezeigt wird, sondern auch wo und wem, kann gesteuert werden. Große Plattformen wie Facebook verfügen damit über eine ungeheure mediale Macht, denn ihr Wissen über ihre Mitglieder ist enorm. Ihre riesigen Datenbanken, die von den Nutzern ständig gefüttert werden, liefern ihnen Unmengen an Information zu Einkommen, Haushaltsgröße, Bildungsstand, Kaufverhalten, politischer Einstellung und vieles mehr. Und genau aus diesem Grund hat sich Grüne Erde entgegen aller Trends bereits vor über zwei Jahren ganz bewusst dafür entschieden, auf Facebook zu verzichten.
  • Im Visier der Wahlkämpfer

    Die zielgerichtete Ansprache von Kunden hat eine neue Dimension erreicht. Werbende oder Wahlkämpfer können über gesammelte Daten nicht nur viel genauer auskundschaften, wen sie gerade ansprechen – sie können auf einzelne Gruppen und sogar Personen auch viel individueller und damit erfolgsversprechender zugehen. Werbung hat so nicht mehr einen nur informativen Charakter, basierend auf der Hoffnung, aus einer großen Gruppe einige Menschen zu erreichen. Es ist vielmehr die Manipulation kleiner, empfänglicher und isolierter Gruppen. Die Eltern merken nicht, womit ihre Kinder konfrontiert werden, der Nachbar wird ganz unauffällig vom IS rekrutiert und wer gerade Angst hat, seinen Job zu verlieren, bekommt von Rechtspopulisten einfache Lösungen vorgegaukelt. Aufgrund der gesammelten Kenntnisse über die jeweiligen Sorgen, Nöte und Hoffnungen werden die jeweils individuell passenden Botschaften und Argumente formuliert. Empfängliche Menschen – Unentschlossene und Nichtwähler – waren auch das Ziel von Trump und seinem Wahlkampfteam.

    Über ihr Verhalten und ihre bewussten oder unbewussten Aussagen in sozialen Netzwerken wurde ermittelt, wer sich potenziell noch überzeugen lässt. Ob und wenn ja, wie stark die US-Wahl durch dieses sogenannte Microtargeting tatsächlich beeinflusst wurde, wird sich vermutlich nicht genau klären lassen. Es spielt aber auch keine Rolle, ob das Überschreiten einer roten Linie Erfolg hatte oder nicht – es bleibt eine rote Linie. Daten wurden erhoben, Menschen analysiert, nach Angriffspunkten sortiert und mit einer für sie passenden Zukunftsversion manipuliert. So wurden viele unterschiedliche Wahrheiten in Umlauf gebracht, die nicht vergleichbar sind, die nicht im politischen Dialog diskutiert und aufgearbeitet werden können, und die letztlich schwer einzufordern sind – eine gefährliche Entwicklung für die politische Kultur und für eine unabhängige Meinungsbildung.
  • Auch in Europa wird gewählt

    Auch in Europa stehen Wahlen an, unter anderem im September der Deutsche Bundestag und im Herbst 2018 der Nationalrat in Österreich. Mehr als drei Millionen Menschen nutzen in Österreich Facebook, in Deutschland sind es 28 Millionen. Die Grundlage für die Erhebung der Daten ist also gegeben, auch wenn die Gesetzgebung hierfür größere Hürden vorsieht als in den USA. Traut man den Parteien selbst ein solches Vorgehen nicht zu, sollte man bedenken, dass auch mächtige Staaten wie Russland und die USA Präferenzen haben, wer in der EU regiert. Natürlich ist das alles schwer vorstellbar – ebenso wie es schwer vorstellbar war, dass das Handy von Kanzlerin Merkel von der NSA abgehört wird, und dass der IS in Europa über Facebook rekrutiert. Aber zurück zu einem optimistischeren Weltbild, in dem unsere Seelen nicht in Datenbanken gespeichert sind und zu manipulativen Zwecken verkauft werden. Denn auch wenn es zu bezweifeln ist, dass Gesetze unsere Daten im Internet jemals zu 100 % schützen, ganz hilflos ist man einem Microtargeting nicht ausgeliefert.

    Auch wenn man der digitalen Welt nicht vollständig entfliehen kann, hat doch jeder Einfluss darauf, wie viele digitale Spuren er hinterlässt und wie viele Informationen über seine Identität er verbreitet. Beim Liken, Posten, Kommentieren sowie bei der Teilnahme an Umfragen und Tests auf Facebook oder ähnlichen Plattformen sollte man Vorsicht walten lassen und sich darüber bewusst sein, was man von sich preisgibt. Wer sichergehen möchte, verzichtet am besten ganz auf Social Media – mit guten Freunden und Familie ist ein Treffen oder ein Gespräch ohnehin am schönsten.
  • Klare Haltung statt fragwürdige Methoden

    Als man sich noch vornehmlich in Printmedien informierte, galt die Weisheit, dass nicht alles wahr ist, was in der Zeitung steht. Für Social Media gilt das noch viel mehr. Wer seine Informationen aus seriösen, glaubwürdigen Quellen bezieht – also aus renommierten Zeitungen, Fernseh- und Radionachrichten oder Magazinen – hat eine bessere, zuverlässigere und vertrauenswürdigere Basis, um sich eine differenzierte Meinung zu bilden. Und wer eine klare Haltung hat, ist letztlich auch für Manipulation im Allgemeinen und für Microtargeting im Besonderen weniger empfänglich. Eine klare Haltung ist auch wünschenswert, wenn es um Datenschutz geht. Es ist eine Frage des Vertrauens, wenn Kunden einem Unternehmen ihre Daten offenlegen – und für Grüne Erde ist es ein grundlegender Bestandteil der Unternehmensphilosophie, dass dieses Vertrauen nicht missbraucht wird – weder durch gezieltes Ausnutzen oder gar Verkaufen der Daten, noch durch das Verkaufen von Informationen an Dritte. Wir von Grüne Erde hoffen, dass immer mehr Firmen, Institutionen und Organisationen ihre Verantwortung wahrnehmen und selbst klare Grenzen zwischen werblicher, zielgruppenoptimierter Kommunikation und gezielter Manipulation ziehen und sich einem System entziehen, das aus anvertrautem Wissen eine Ware macht.

    Für Grüne Erde ist Datenschutz schon seit Jahren viel mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis. Gerade aktuell wurden – zusätzlich zu allen Bereichen, die Daten von Kunden abfragen – auch alle unsere anderen Internetseiten auf https umgestellt, ein Kommunikationsprotokoll, das im Internet zur abhörsicheren Übertragung von Informationen verwendet wird. Damit erfolgt jetzt der gesamte Besuch des Internetauftritts von Grüne Erde über eine gesicherte Verbindung. Das zeigt, dass Datenschutz und faires Marketing mit einem gewissen Aufwand, Ideen und einer konsequenten Einstellung verbunden sind. Aber auch hier leistet Grüne Erde gerne Pionierarbeit, geht andere Wege und setzt auf langfristige, vertrauensvolle, wertschätzende und wertvolle Kundenbeziehungen!

    Foto: Fotolia
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    • Wolfgang Falkner meint
      Die Möglichkeit auch ohne Facebook als Thema beim NaturkosmetikCamp diskutieren?

      Liebes Grüne-Erde-Team, erstmal vielen Dank für diesen tollen Blogpost und den Mut, einen Weg ohne Facebook einzuschlagen. Auch wir selbst und ich glaube viele unsere Teilnehmer des Natur- sowie BiolebensmittelCamps überlegen ähnliche Schritte, da Facebook ganz klar nicht mit nachhaltigen Werten vereinbar ist. Es wäre daher toll, wenn ich den Autor dieses tollen Artikels, dafür gewinnen könnte, beim nächsten NaturkosmetikCamp im Allgäu dabei zu sein - mit dem Thema: "Geht Marketing noch ohne Facebook und wenn ja, wie?" Es wäre so toll, wenn das klappt. Alle Infos zum NaturkosmetikCamp findet ihr auf www.naturkosmetikcamp.com/event. Ich stehe natürlich auch persönlich für Fragen zur Verfügung. Liebe Grüße und weiter so! Wolfgang Falkner, Veranstalter

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      Grüne Erde antwortet

      Lieber Herr Falkner, wir bedanken uns für Ihre netten Worte und den Hinweis zum NaturkosmetikCamp 2017. Wir haben diese Veranstaltungsinfo bereits dem Produktmanagement mitgeteilt. Leider können wir Ihnen bezüglich Ihrer Anfrage jedoch keine positive Antwort übermitteln. Aus personellen und zeitlichen Ressourcengründen ist es uns bedauerlicherweise nicht möglich als Vortragende teilzunehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen Ihnen viel Erfolg mit dem Event. Liebe Grüße, das Grüne Erde-Team

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    • Verena Hadinger meint
      Datensammeln in Österr. mittels neuer Stromzähler

      Vielen Dank für Ihren spannenden Artikel zum Thema Big Data. Auch in Österreich wird in Kürze über die Einführung der neuen Strohmzähler (Smart Meter) die mit allen modernen Haushaltsgeräten kommunzieren eine Datensammlung in massiven Ausmaß umgesetzt. Leider gibt es bisher dazu nur wenig öffentliche Diskussion und das obwohl das Thema seit Jahren immer wieder in den Medien aufgetaucht ist. In meinem privaten Umfeld, wussten nur sehr wenige Menschen darüber Bescheid. Abgesehen vom möglichen Missbrauch der gesammelten Daten, sind leider auch zunehmende Kosten im Gesundheitsbereich zu erwarten, denn die extrem starke Strahlung der Smart Meter ist speziell für Kleinkinder, ältere und bereits kranke Menschen sehr bedenklich. Darauf hat zwar die Ärztekammer bereits im Vorfeld hingewiesen, jedoch mit wenig Erfolg. Es wäre schön, wenn über die (Zwangs-)Einführung der Smart Meter eine gewisse öffentliche Diskussion stattfindet. Vielleicht könnten Sie auch ein wenig dazu beitragen. Unter diesem Link sind diverse Stellungnahmen öffentlicher Vereinigungen zu dem Thema zu finden: http://members.aon.at/emarsale/deutsch/smart.html

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      Grüne Erde antwortet

      Liebe Frau Hadinger, besten Dank für Ihre Nachricht und diesen interessanten Input inklusive Links. Freundliche Grüße, das Grüne Erde-Team

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