Das Gute liegt so nah

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  • Direkt am belebten Münchner Viktualienmarkt befindet sich Tür an Tür mit dem Shop von Grüne Erde eine Filiale der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Beide Unternehmen verbindet jedoch mehr als diese Nachbarschaft – auch in ihrer Philosophie sind sich die beiden Öko-Pioniere sehr nahe.
  • Schon beim Besuch der „Hofläden in der Stadt“ – so die treffendere Bezeichnung für die Herrmannsdorfer Geschäfte in München – kann man riechen, schmecken und spüren, wie ernst das Versprechen gemeint ist, „Lebens-Mittel zu machen, die sich an den hohen Ansprüchen des Verbrauchers orientieren und seinem Wohlbefinden dienen“. Aber um die ganze Tiefe und Konsequenz hinter den Grundsätzen der Herrmannsdorfer Landwerkstätten zu verstehen, gibt es nichts Besseres als ein Besuch in Herrmannsdorf selbst.

    Das produktive und kulturelle Zentrum des Unternehmens liegt nur 30 Kilometer südöstlich von München – ein idyllisches Gut mit Hofladen, Bäckerei, Brauerei, Kaffeerösterei, Metzgerei und mit einem Wirtshaus mit netten Tischen im Freien, die zum gemütlichen Verweilen einladen. Schweinchen grunzen, Hühner laufen frei herum, in der Ferne sind die Alpen zu sehen.
  • Von der Vision zur Tradition

    Eigentlich mag man an diesem wunderbaren Ort nicht mehr an die größte Fleischfabrik Europas denken, aber sie ist Teil der Geschichte der Herrmannsdorfer Landwerkstätten und so wegweisend und besonders, dass man sie nicht vorenthalten darf. Als Karl Ludwig Schweisfurth, Metzger in dritter Generation, im Alter von 25 Jahren das Unternehmen seiner Eltern und Großeltern übernahm, hatte er noch eine andere Vision. Inspiriert von seinen Erfahrungen in riesigen Schlachthöfen in Chicago, baute er das Familienunternehmen zur modernsten Fleischfabrik Europas aus.

    Mit der Automatisierung Anfang der 80er Jahre erreichten auch seine Zweifel an der industriellen Verarbeitung von Nutztieren ihren Höhepunkt. 1984 verkaufte Karl Ludwig Schweisfurth sein Unternehmen „Herta“ und begann ab 1986 mit dem Aufbau der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Die Massenproduktion wich dem „achtsamen Umgang mit allem Leben und Lebensnotwendigem: mit dem Boden, dem Wasser, der Luft sowie den Pflanzen, den Tieren und den Menschen“.
  • Ökologische Landwirtschaft ist rentabel

    Schon in jungen Jahren hat Karl Schweisfurth, der Sohn von Karl Ludwig Schweisfurth, seinem Vater unumkehrbar versichert, dass er sich nicht an die Spitze von Herta stellen wird. Die Geschäfte von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten dagegen führt der studierte Agrar- Ingenieur und Manager jetzt bereits seit 20 Jahren.

    Im Stall, umringt von quickenden Schweinchen, wirkt er genauso routiniert wie im Gespräch über eine nachhaltige Agrar- und Ernährungskultur oder verantwortungsvollen Fleischkonsum. Dass Karl Schweisfurth ab und zu das Gespräch unterbrechen muss, um eine Frage zu beantworten oder um eine Entscheidung zu fällen, ist bei 180 Mitarbeitern kein Wunder.
  • “So ist das bei uns wir sind eben auch kein soziales Projekt, sondern ein Unternehmen, bei dem am Ende Gewinn erzielt werden soll.”
    Karl Schweisfurth
  • Der wirtschaftliche Erfolg der Herrmannsdorfer Landwerkstätten ist auch deswegen so wichtig, weil er zeigt, dass man mit artgerechter Tierhaltung, ehrlichem Handwerk und ökologisch erzeugten, landwirtschaftlichen Produkten auf dem Markt bestehen kann.
  • Vielfalt statt Masse

    Auch bei den Herrmannsdorfer Landwerkstätten hat es einige Jahre gedauert, bis sich das Konzept durchgesetzt hat. Heute sind die Produkte gefragt, die Geschäfte laufen gut. Dennoch sieht Karl Schweisfurth die Zukunft seines Unternehmens nicht im stetigen Expandieren. „Wir wollen nicht mehr wachsen“, bemerkt er dazu, „zumindest nicht mehr viel.“

    Das passt zu dem, wie er sich die Zukunft der Landwirtschaft vorstellt und wünschen würde. „Kleine, regionale, bäuerliche Strukturen mit großer Vielfalt“, findet Schweisfurth, „sind doch viel sinnvoller als reine Monokulturen und auch mindestens genauso effektiv.“ Sich nicht selbst auszubreiten, sondern die Philosophie zu verbreiten, anderen dabei zu helfen und Konzepte aufzuzeigen, wie man ökologischer und gerechter wirtschaften kann – das sind die Herausforderungen der Zukunft, die Karl Schweisfurth bereits in Angriff genommen hat.
  • Das Bewusstsein für Qualität

    Überzeugungsarbeit ist für die Herrmannsdorfer Landwerkstätten nicht nur im Gespräch mit anderen Bauern und Landwirten zentraler Bestandteil der Arbeit, sondern vor allem auch im Dialog mit dem Verbraucher.
  • “Natürlich kann man immer alles noch besser machen. Man kann die Gehege noch größer machen, den Tieren noch mehr Auslauf geben. Aber dadurch steigen auch die Kosten, und wir müssen darauf achten, was der Kunde bereit ist zu bezahlen.”
    Karl Schweisfurth
  • Nur durch ein zunehmendes Bewusstsein in der Bevölkerung können nachhaltiges Wirtschaften, der respektvolle Umgang mit der Natur, würdevolle Tierhaltung und die Förderung von regionalen, handwerklichen Strukturen bestehen, wachsen und sich weiterentwickeln. Es lohnt sich also, darüber zu sprechen – vielleicht auch einfach mal mit dem Nachbarn.