Das Kapital im 21. Jahrhundert

  • Selten gibt es um ein Buch so viel Rummel wie um dieses. Seit Wochen steht „Das Kapital“ auf Platz eins der Bestsellerlisten.
  • „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty wurde bereits in allen relevanten deutschen Medien besprochen, obwohl die deutsche Ausgabe erst am 17. Oktober erscheint.

    Der Autor ist Wirtschaftswissenschafter und Professor an der „Écoled’ Économie de Paris“. Seine These: Der Kapitalismus macht die Reichen immer reicher. Nur neue Steuern könnten verhindern, dass die Ungleichheit in der Gesellschaft zunimmt und so auf lange Sicht die Demokratie gefährdet. Piketty kommt zu dem Schluss, dass die Konzentration von Vermögen eine Art Naturgesetz des Kapitalismus ist.

    Um diese Theorie zu beweisen, hat er mit seinem Kollegen Emmanuel Saez von der University of California in Berkley in jahrelanger Kleinarbeit eine Menge Daten aus 20 Ländern zusammengetragen. Diese zeigen, dass über die Jahrhunderte hinweg die Vermögen stets erheblich schneller wuchsen als die Wirtschaftsleistung. Da Vermögen meist an die eigenen Kinder weitergegeben werden, setzt sich die entstandene Ungleichheit über Generationen fort. Das bedeutet: Wo Wohlstand ist, da mehrt er sich.

    Dies bestätigen nun laufend Leute aus Politik und Wirtschaft, wie etwa Österreichs größter Bauunternehmer, Hans-Peter Haselsteiner, der sich in einem KURIER-Interview zu Thomas Piketty äußerte:
  • “Sein Buch ist polemisch, aber in dem Fall trifft er einen bedrückenden Punkt. Durch Arbeit kann man heute tatsächlich kaum reich werden.”
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    Zugleich werden kritische Stimmen zu Pikettys Zahlen laut. So bringt er in seinem Buch etwa Zahlen und Grafiken bis zurück zum Jahre 0, die zeigen, dass bis vor hundert Jahren durchgehend die Kapitalrendite weit höher war als das Wirtschaftswachstum. Auf Rückfrage erklärt der Autor, dass er die Kapitalrendite vom Jahre 0 bis 1700 nicht ermittelt hat, sondern sie auf gleichbleibende 4,5 Prozent schätzt. Und das Verblüffende an seinen Zahlen: In den letzten hundert Jahren, in denen er auf gute Daten zurückgreifen konnte, liegt das Wirtschaftswachstum über der Kapitalrendite.

    Für den Autor ist das eine Ausnahme, für die Kritiker ein Auseinanderdriften von Theorie und Zahlen, das nicht einfach so hingenommen werden könne. Außerdem muss sich Piketty den Vorwurf gefallen lassen, dass er bei seiner Beweisführung der immer ungleicher werdenden Einkommensverteilung auf Zahlen zurückgegriffen hat, die Einkommen vor Steuern zeigen. Das heißt, er blendet den umverteilenden Effekt der Steuern hier völlig aus, um gleich darauf nach einem Ausgleich durch Steuern zu rufen (mehr dazu: www.zeit.de/kapitalismus).

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    Wer das genau ergründen will, wird nicht umhin kommen, das Buch selbst zu lesen. Fest steht, dass sozialer Friede mit einem gerecht verteilten Wohlstand nicht nur ein wichtiges, sondern auch ein sehr aktuelles Thema ist, wie der Wirbel um dieses Buch zeigt. So ist es in jedem Fall gut, dass es eine Diskussion lostritt und zu genauem Hinsehen und Hinterfragen einlädt. Ganz bestimmt ist auch hier „alles sehr kompliziert“, wie Österreichs früherer Kanzler Fred Sinowatz einst so offenherzig kundtat. Auch hier muss differenziert und im Detail analysiert werden, um das für uns wesentliche Ziel, eine Wirtschaft, in der Menschen mehr zählen als Gewinnmaximierung, zu erreichen.
  • Verlagstext zum Buch:

    Wie funktioniert die Akkumulation und Distribution von Kapital? Welche dynamischen Faktoren sind dafür entscheidend? Jede politische Ökonomie umkreist die Fragen nach der langfristigen Evolution von Ungleichheit, der Konzentration von Wohlstand und den Chancen für ökonomisches Wachstum.

    Aber befriedigende Antworten gab es bislang kaum, weil geeignete Daten und eine klare Theorie fehlten. In „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ untersucht Thomas Piketty Daten aus 20 Ländern, mit Rückgriffen bis ins 18. Jahrhundert, um die entscheidenden ökonomischen und sozialen Muster freizulegen. Seine Ergebnisse werden die Debatte verändern und setzen die Agenda für eine neue Diskussion über Wohlstand und Ungleichheit in der nächsten Generation.

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