Helfen, wo es Sinn macht

  • Tausende Menschen engagieren sich seit Monaten ehrenamtlich für Flüchtlinge. Auch Grüne Erde hilft nach Kräften mit dringend benötigten Sach- und Geldspenden.
  • Mehrere Anläufe sind notwendig, bis Muhanad das Wort „Verpflichtungserklärung“ etwas holprig über die Lippen kommt: Die komplizierte Behördensprache stellt für den 35-jährigen Iraker noch eine große Hürde dar. Lieber erzählt er während des Deutschunterrichts von seiner Familie in Bagdad, seiner Arbeit als Kameramann und seinen Zukunftsträumen in der neuen Heimat. Seit Februar 2015 lebt er in Österreich und bereitet sich derzeit intensiv auf sein Deutsch-Sprachzertifikat vor.

    Unterstützt wird er dabei zweimal die Woche von Silke Barlian: Jeden Dienstag und Donnerstag fährt die Grüne Erde-Mitarbeiterin nach Dienstschluss zu Muhanad ins Flüchtlingsheim in Scharnstein, um mit ihm Deutsch zu üben und ihm bei Formularen und Übersetzungen zu helfen.
  • “Wir spielen in Dialogen alltägliche Situationen nach, zum Beispiel wie man sich vorstellt. Er ist total motiviert und dankbar, und für mich ist es eine echte Bereicherung, bei der ich viel mehr zurückkriege, als ich gebe.”
    Silke Barlian
      • Helfende Hände

        So wie Silke Barlian haben sich in den vergangenen Monaten Tausende Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert, haben Essen und Kleidung verteilt, Notquartiere betreut, die Sprache vermittelt oder Geld gespendet. Auch die Grüne Erde setzt sich nach Kräften für eine menschenwürdige Unterbringung der Menschen in ihrer neuen Heimat ein, zum Beispiel mit dringend benötigten Sachspenden oder auch Geldbeträgen. „Wir helfen da, wo wir selber sind und wo es Sinn macht“, beschreibt der geschäftsführende Gesellschafter Kuno Haas die Ausrichtung des freiwilligen Engagements.

        Was das konkret bedeutet, sieht man am Beispiel des Flüchtlingsheims in Scharnstein: Keine fünf Gehminuten von der Unternehmenszentrale von Grüne Erde entfernt, wohnen in einem gelben Haus zwischen der ratternden Almtalbahn und dem rauschenden Almfluss seit Februar 2015 knapp 25 Flüchtlinge.
      • “Wir haben hier großteils Einzelpersonen, aber auch zwei Familien. Die Hälfte ist schon seit der Eröffnung im Haus und hat sich dementsprechend gut eingelebt. Nicht einmal die winterlichen Temperaturen machen ihnen was aus!”
        Tanja Riedler
  • Langfristige Unterstützung

    Ein großer Vorteil für die rasche Integration ist sicherlich die überschaubare, ländliche Struktur des Ortes Scharnstein, sagt Riedler: „Die Bevölkerung ist von Anfang an sehr hilfsbereit und offen auf uns zugegangen.“ Auf der Plattform „Scharnstein hilft“ zum Beispiel koordinieren 60 Ehrenamtliche ihr Engagement für die Flüchtlinge in Bereichen wie Bildung, Mobilität oder Freizeitgestaltung. „Dass uns die Menschen so herzlich willkommen geheißen haben, ist für die Integration unglaublich wertvoll“, bedankt sich Riedler für die vielseitige Hilfe.

    Unterstützung kommt dabei auch von der Grünen Erde: Zum einen helfen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Freizeit bei Behördengängen oder in Deutschkursen, zum anderen liefert das Unternehmen selbst regelmäßig Sachspenden, die im Heim dringend benötigt werden. Das können Toilettartikel, Teppiche oder auch Kleinmöbel sein, die zum Teil wegen ihres Alters aus dem Sortiment genommen worden oder aufgrund kleiner Mängel nicht mehr verkäuflich sind. Die Flüchtlinge stört es nicht, wenn mal ein Faden aus einem Teppich lugt oder sich in einem Kästchen ein Astloch versteckt: „Wir haben durch Grüne Erde unser Haus wohliger und heimeliger gestalten können und sind sehr froh über längerfristige Zusammenarbeit“, sagt Flüchtlingsbetreuerin Riedler.

    Besonders glücklich war die Ukrainerin Zoya über gespendete Stoffreste, aus denen sie modische Tragetaschen genäht hat. „Ein Hauptproblem für unsere Leute ist der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten“, erzählt Riedler. Während der Wartezeit auf den Asylbescheid ist der Zugang der Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt gesetzlich stark eingeschränkt. „Da fällt so manchem die Decke auf den Kopf“, beschreibt Riedler das bedrückende Gefühl, in der Luft zu hängen. „Umso wichtiger ist es, den Menschen eine Möglichkeit zu bieten, was Sinnvolles zu tun.“
  • Gemeinsames Gärtnern

    Dieses Problem kennt auch Sarah Kotopulos: Sie ist die Geschäftsführerin des Vereins SOS-Menschenrechte, der sich seit 1993 für den menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen einsetzt und seit 20 Jahren ein Wohnheim in der Rudolfstraße in Linz betreibt. Trotz der stark befahrenen Straße vor der Haustür verbirgt sich auf der Rückseite des Gebäudes ein Ort der Ruhe, wo die derzeit etwa 60 Bewohnerinnen und Bewohner eine sinnvolle, fast schon therapeutische Beschäftigung finden: „Der Gemeinschaftsgarten im Innenhof ist unser Goldstück. Sobald es die Witterung erlaubt, können die Menschen hier gemeinsam garteln oder sich einfach zurückziehen.“

    So angenehm die Stimmung im grünen Hof auch sein mag, das Gebäude selbst ist schwer renovierungsbedürftig. „Das Haus ist 70 Jahre alt und wurde als erstes Frauenhaus der Stadt Linz genutzt. Die Bausubstanz ist gut, aber die Elektro- und Wasserleitungen sowie die Heizung und die Fenster müssen dringend ausgetauscht werden“, sagt Geschäftsführerin Kotopulos.

    Um die benötigten 300.000 Euro für den Baukredit zu sammeln, hat der Verein die Aktion „Dach über dem Kopf“ ins Leben gerufen. „Aus eigener Kraft ist es uns leider nicht möglich, die Bauarbeiten finanziell zu stemmen“, erklärt Kotopulos. Die Grüne Erde unterstützt das Projekt nicht nur mit Geld- und Sachspenden, sondern auch mit unternehmerischen Knowhow von höchster Stelle: Grüne Erde-Geschäftsführer Kuno Haas engagiert sich ehrenamtlich als Kassier des Vereins und garantiert als solcher, „dass 100 Prozent der Spenden bei den Flüchtlingen ankommen“.
  • Zivilbevölkerung leistet Unglaubliches

    Einen Teil der benötigten Summe hat der Verein in den vergangenen Wochen bereits einsammeln können. „Unser Haus ist zum Glück gut integriert. Die Nachbarn überweisen uns Geld, weil sie wollen, dass wir hier bleiben“, freut sich Geschäftsführerin Kotopulos über die vielseitige tatkräftige und finanzielle Unterstützung. Die dramatischen Bilder der ankommenden Flüchtlinge vom vergangenen Sommer haben viele Leute wachgerüttelt. „Die sagen, mir reicht’s, ich will was tun“, beschreibt Kotopulos die Aufbruchsstimmung in der Bevölkerung. „Die Zivilgesellschaft leistet hier wirklich Unglaubliches.“ Für die Helferinnen und Helfer selbst ist die große Hilfsbereitschaft eine Frage der Menschlichkeit. „Ich bin einfach so erzogen worden, dass man Leuten hilft, die Hilfe brauchen“, meint Silke Barlian, deren Großeltern als Donauschwaben nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten. „Denn es kann schnell passieren, dass man sie irgendwann selber mal benötigt.“
  • Organisationen, die wir Ihnen empfehlen können:

    • SOS Menschenrechte
      Unterstützung für Flüchtlinge in Oberösterreich
      IBAN: AT20 5400 0000 0037 1328
      BIC: OBLAAT2L
      Empfänger: SOS Menschenrechte
      www.sos.at
    • Aktion Deutschland hilft
      Plattform von deutschen Hilfsorganisationen
      IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30
      BIC: BFSWDE33XXX
      Empfänger ADH
      Kennwort: „Nothilfe weltweit“
      www.aktion-deutschland-hilft.de
    • Helfen wie wir
      Plattform von ORF und österreichischen Hilfsorganisationen
      IBAN: AT75 20111 40014400111
      BIC: GIBAATWWXXX
      Empfänger: Österreichisches Rotes Kreuz
      Kennwort: "ORF HELFEN. WIE WIR. Flüchtlinge"
      www.helfenwiewir.at
    • Volkshilfe Oberösterreich
      Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung
      IBAN: AT70 5400 0000 0023 2009
      BIC: OBLAAT2L
      www.volkshilfe.at
  • Fotos: SOS Menschenrechte, Grüne Erde
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    • Gabriel Lauchard meint
      meine Meinung

      sehr interessant !!

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