Textilfabrik in Bangladesh: Es gibt Alternativen!

  • “Überbordende Shopping-Wut ausbeuterische Textilindustrie”
  • Im Frühling 2013 starben beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch über 1.000 NäherInnen aufgrund der Missachtung von Bauvorschriften und fehlender Sicherheitsvorkehrungen. Seit 2006 sind in diesem Land über 1.500 Menschen bei Bränden und ähnlichen Unfällen in Textilfabriken umgekommen. Und diejenigen, deren Leben nicht in Gefahr gerät, können von ihren Löhnen kaum leben: In manchen Läden bekommt man T-Shirts um 4,99 Euro. Davon erhält die Näherin für ihre Arbeit 15 Cent. An diesem Punkt wird Kleidung zu einer Frage der sozialen Ungleichheit und der Ökologie, denn: Billigangebote wie T-Shirts um 4,99 Euro wären nicht möglich ohne die Ausbeutung Hunderttausender Menschen und die Belastung der Umwelt, etwa durch Agrargifte.

    Im Sommer 2013 haben 31 Textilkonzerne ein Abkommen unterzeichnet, um die Arbeitsbedingungen in Bangladesch zu verbessern. Das maßgeblich von der Clean Clothes Campaign (CCC) – „Kampagne für Saubere Kleidung“ – vorangetriebene Abkommen umfasst unabhängige Sicherheitsinspektionen, verpflichtende Reparaturen und Renovierungen. Weiters die Möglichkeit, Geschäftsbeziehungen mit den Fabriken zu beenden, wenn diese die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen sowie die Involvierung der betroffenen ArbeiterInnen und der Gewerkschaften ablehnen.

  • Skepsis ist weiterhin angesagt

    Das ist ein erfreulicher Schritt, der unter dem Druck der Konsumenten zustande gekommen ist. Darüber darf man aber nicht aus den Augen verlieren, dass solche Sicherheitsabkommen nur die ärgsten Symptome betreffen. Solange in den „reichen“ Ländern der Trend zu billiger Bekleidung anhält, werden Menschen in den ärmsten Ländern der Welt darunter leiden.

    Unter den Unterzeichnern des genannten Abkommens finden sich auch jene großen Textilketten, die die Konsumenten verlocken, alle paar Wochen neue, billige Kleidung zu kaufen und die alte wegzuwerfen. Man denkt, das Tempo könne fast nicht mehr erhöht werden: Mode rotiert inzwischen schon mit bis zu zwölf Kollektionen pro Jahr!

    Doch: Was macht dieser immer schneller herumziehende Modezirkus mit den Konsumenten? Was macht er mit den Menschen, die diese Bekleidung herstellen? Was geschieht mit der Umwelt, wenn Bekleidung mit billigsten Methoden hergestellt wird? Wo bleibt der respekt- und verantwortungsvolle Umgang mit Mensch und Natur?
  • Es gibt Alternativen

    Die Grüne Erde setzt sich für faire Bedingungen in der Textilproduktion ein und lässt ihre Modekollektion Naturmode nicht in „kritischen“ Ländern wie etwa Bangladesch, Pakistan oder China fertigen, um nur einige zu nennen. Statt dessen werden die Teile in als fair zertifizierten Betrieben, bevorzugt in Europa, genäht. Bei aus Asien, Afrika und Lateinamerika bezogenen Rohstoffen wird darauf geachtet, dass die Wertschöpfung im Ursprungsland bleibt. Und: Grüne Erde achtet auf die Einhaltung und Nachvollziehbarkeit strenger ökologischer und sozialer Standards.

    Außerhalb Europas produziert Grüne Erde ihre Mode im Rahmen eigener Projekte, etwa mit dem Schweizer Partner REMEI. Dieser koordiniert rund 50 Projekte, in denen etwa 80.000 bis 100.000 Menschen direkt oder indirekt einen fairen Arbeitsplatz finden – an vorderster Stelle über 8.000 Baumwollfarmer in Indien und Tansania, denen Abnahmegarantien und faire Preise geboten werden. Aber auch soziale Aspekte werden berücksichtigt. Dazu gehören etwa Ausbildungszentren für Biolandbau, mobile Gesundheitszentren, Dorfschulen sowie zinslose Darlehen für Bauern, z. B. für den Bau von Biogasanlagen, Kompostanlagen oder Wasserspeichern. Biologisch, ökologisch, fair, transparent, innovativ Im Rahmen dieser REMEI-Projekte müssen stets folgende Richtlinien eingehalten werden:

    • biologisch: Förderung und Umstellung auf kontrolliert biologischen Anbau und Fruchtfolgewechsel
    • fair: menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Bauernfamilien und Textilarbeiter, keine Kinderarbeit
    • ökologisch: Respekt vor der Natur, kein Einsatz von giftigen Chemikalien
    • transparent: vollständige Rückverfolgbarkeit des Produktes und Kontrolle über alle Prozessstufen
    • innovativ: bewusster Umgang mit den Ressourcen, Reduktion und Kompensation von CO2-Emissionen.
    Grüne Erde vertritt die Ansicht: Jeder Mensch soll von seiner Arbeit und in Würde leben können, niemand darf beim Nähen der Kollektionen ausgebeutet werden. Deshalb wird Organic Fashion unter Einhaltung sozial- und arbeitsrechtlicher Standards, bei fairer Entlohnung und unter Ausschluss von Kinderarbeit produziert – derzeit in entsprechend zertifizierten Betrieben in der Türkei, Litauen, Tschechien, Peru (Alpaka) – und zu einem kleinen Teil auch in Österreich.

    Grüne Erde ist Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF), die 1999 von Branchenverbänden der Textilindustrie, Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) gegründet wurde. Ziel der FWF ist es, Gerechtigkeit für und Gleichberechtigung von ArbeiterInnen in der Textilkonfektionierung weltweit zu fördern. Wer der FWF beitritt, verpflichtet sich, seine Lieferanten zu überprüfen und, wenn nötig, Verbesserungen einzufordern sowie transparent darüber zu berichten. Die Fortschritte werden dann von der FWF verifiziert.

  • Grüne Erde im Gespräch mit Stefanie S. Karl, Fair Wear Foundation

    • 1. Was ist die Aufgabe der Fair Wear Foundation?

      Die Fair Wear Foundation prüft, ob Bekleidungsmarken, die Mitglied in der Fair Wear Foundation sind, in ihren Zulieferketten Menschenrechte achten. Außerdem überprüfen wir auch, ob das interne Managementsystem der Marken zu guten Arbeitsbedingungen beiträgt. Vor Ort kontrollieren wir weltweit die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken, die die Mitgliedsunternehmen mit Ware beliefern. Die FWF betreibt in 15 Ländern Beschwerde-Hotlines für ArbeiterInnen.

      Die besondere Stärke der FWF liegt im Multi-Stakeholder-Ansatz – einer Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmensverbänden, und das sowohl international als auch im lokalen Bereich. Ich arbeite einerseits mit den Geschäftsführern von europäischen Unternehmen oder internationalen Organisationen zusammen, andererseits mit den Gewerkschaften, den Näherinnen und Managern von Textilfabriken vor Ort, wie in meinem Fall zum Beispiel in Indien, was eines meiner Schwerpunktländer ist. Außerdem berichtet die FWF öffentlich darüber, wie Mitglieder den Verhaltenskodex für faire Arbeitsbedingungen umsetzen.

    • 2. Nach dem folgenschweren Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch haben 34 große Textilketten ein Abkommen zur Gebäudesicherheit unterschrieben. Ist das ein echter Fortschritt?

      Die FWF sieht Brandschutz als einen Teil vieler Arbeitsstandards, welche durch die Mitgliedsunternehmen von FWF vor Ort implementiert und von der FWF unabhängig verifiziert werden. Gebäudesicherheit ist definitiv eine der Herausforderungen in der Textilindustrie in Bangladesch. Dazu kommen extrem niedrige Löhne, welche zum Leben in Bangladesch meist nicht ausreichen.

    • 3. Es gibt großen Druck auf die Fabriken – wo liegt die Verantwortung der Unternehmen? Und wo sehen Sie die Verantwortung der KonsumentInnen?

      Prinzipiell müssen alle Parteien mehr Verantwortung für ihre Mitmenschen in der Produktionskette übernehmen. Angefangen beim Unternehmen, dem Management und den Mitarbeitern vor Ort, über die staatlichen Behörden bei der Kontrolle der Einhaltung von Arbeitsrechten, dem Unternehmen, welches die Marken verkauft, bis hin zum Kunden. Bezüglich des Unternehmens: Ob Arbeitsbedingungen vor Ort eingehalten werden, hängt davon ab, ob Preise an Lieferanten gezahlt werden, die einen existenzsichernden Lohn vor Ort ermöglichen und ob Lieferzeiten entsprechend lang sind, damit die Produktion ohne exzessive Überstunden laufen kann. Die Verantwortung, welche der Konsument tragen kann, hängt von der Transparenz der Unternehmen ab. Er kann seine Kaufkraft und seine Konsumentscheidung entsprechend einsetzen – indem er zum Beispiel gezielt bei Unternehmen einkauft, die einer unabhängigen Organisation wie zum Beispiel der FWF beigetreten sind. Der Kunde kann auch kritische Fragen an Verkäufer und Geschäftsführer richten oder auch einfach weniger konsumieren. Das würde dann auch noch der Umwelt zugute kommen.

    • 4. Wie können ModekäuferInnen sicher sein, dass sie wirklich fair kaufen?

      Sicher kann man nicht sein, aber es gibt für Kunden Anhaltspunkte. Beispielsweise die FWF Shopping List. Auf der Website www.fairwear.org kann man nachsehen, welche Unternehmen Mitglied sind und welche Produkte welches Unternehmen anbietet.

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