Feldforschung für Umweltspürnasen

  • Mit einfachen Experimenten im blühenden Garten erleben Kinder die bunte Vielfalt der Natur. Das ist der Schlüssel zum Verständnis für Ökologie und Nachhaltigkeit.
  • Konzentriert und neugierig bestaunen die Kinder das weiße Leintuch, das sie unter einer bunten Wildhecke ausgebreitet haben: Innerhalb kürzester Zeit tummelt sich darauf eine Vielzahl an flaumigen Raupen, fleißigen Ameisen und flinken Spinnen. „Es ist eine Safari im eigenen Garten“, meint Ingrid Greisenegger, „die Kinder können Tiere beobachten, die sie sonst nie so deutlich zu Gesicht bekommen“. Solche Experimente sind ohne Aufwand und Kosten durchzuführen und dabei beson- ders spannend für Kinder, weil sie etwas selber machen können und so einen praktischen Bezug zur Natur haben.

    Diese direkte Verbindung zur Umwelt ist das erklärte Ziel der Wiener Autorin und Journalistin: Vor bald 25 Jahren hat sie gemeinsam mit dem Ökologen Werner Katzmann die Bücherserie „Umweltspürnasen“ begründet. Soeben ist eine Neuauflage des Klassikers „Aktivbuch Naturgarten“ erschienen, den sie mit der Gartentherapeutin Karo Katzmann überarbeitet hat. „Das Interesse an einem bewussteren Lebensstil und damit die Auseinandersetzung mit Umwelt, Gärtnern und gesunden Lebensmitteln ist heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Greisenegger. Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder Natur erleben und selber ausprobieren, wie sie „funktioniert“.
  • Natur-Defizit-Syndrom

    Die Zeit dafür scheint mehr als reif: Aktuelle Studien warnen vor dem Natur-Defizit-Syndrom, also einer zunehmenden Entfremdung von der Umwelt, ihren Rhythmen und ihren Regeln. Fernsehserien, Filme und Computerspiele verdrängen das sinnliche Erleben von Flora und Fauna und verfälschen das Bild, das sowohl Kinder als auch Erwachsene von ihnen haben. So glauben zum Beispiel viele Schülerinnen und Schüler, dass eine Kuh genauso lila ist wie in der Werbung und dass Enten immer so gelb sind wie im Zeichentrick.

    Gegen diese verzerrten Vorstellungen hilft laut Ingrid Greisenegger vor allem eines: Raus ins Grüne und rein ins pure (Er)Leben! Darum strotzt ihr Buch nur so vor Experimenten und Bastelanleitungen, welche die Kinder mal alleine, mal mit Unterstützung von Eltern, Großeltern oder in der Schule umsetzen können: Nisthilfen für nützliche Insekten stehen hier neben Ideen für fruchtbare Gemüsemischkulturen und einfachen Kochrezepten, mit denen man die saftigen Früchte und wilden Wiesenkräuter aus dem eigenen Garten in kulinarische Genüsse verwandelt. Umweltwissen erwerben Kinder am besten, indem sie selbst aktiv werden, weiß Greisenegger: „Bei den Versuchen machen die Kinder spannende Erfahrungen in der freien Natur und kennen danach die Zusammenhänge besser als so mancher Erwachsene.“
  • Ökologie begreifen

    Haben die jungen Umweltspürnasen erst einmal die Vielfalt des Lebens mit den eigenen Sinnen beobachtet und erlebt, dann haben sie auch ein viel besseres Verständnis für die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Ökologie, ist Greisenegger überzeugt. In ihrem Buch skizziert sie einen artenreichen Naturgarten, der sich fast von selbst reguliert, weil Nützlinge vielfältige Lebensräume finden und die Schädlinge in Zaum halten. So hausen unter trockenem Reisig Blindschleichen und Igel, alte Bäume dienen Spechten als Brutstätte, und über die bunte Blumenwiese segeln farbenfrohe Schmetterlinge.

    „Mein roter Faden dabei ist die Vermeidung von chemisch-synthetischen Düngern und Pestiziden, weil sie dieses Gleichgewicht empfindlich stören“, sagt Greisenegger. Echte Spürnasen sind als Bio-Gärtnerin oder Bio-Gärtner unterwegs.
  • Jeder Fleck Grün macht Sinn

    Nicht jeder hat genügend Platz oder Freizeit für eine große Gartenanlage, aber das ist auch gar nicht nötig, um Kinder an spielerischen Naturerfahrungen teilhaben zu lassen. „Der kleinste Garten ist ein Topf, da ist Erde drin, da kann ich eine wunderbare Paradeiserpflanze ziehen, dafür brauch ich nicht mal einen Balkon“, sagt Greisenegger.

    Sie selbst gärtnert auf ihrem kleinen Dachgarten in der Wiener Innenstadt konsequenterweise nur mit garantiert torffreier Erde. „Sogar in Bioerde darf jede Menge Torf drin sein, für das Moorlandschaften zerstört werden“, warnt sie. Viel rankendes Grün – Blauregen, Kletterhortensien, Geißblatt, Veitschi – und Blütenpflanzen bestimmen ihre grüne Insel in der Stadt. In Töpfen wachsen Tomaten der Sorte Dattelwein und andere Raritäten, beispielsweise Erdbeerspinat. Es gibt auch ein Insektenhotel, um Vögeln, Schmetterlingen, Hummeln und Bienen den kleinen naturnahen Lebensraum besonders attraktiv zu machen. „Jeder Fleck von Grün macht Sinn“, sagt Greisenegger, „nicht nur, um die Vielfalt zu fördern, sondern auch, weil es für Kinder und ihre Erwachsenen so viel zu beobachten gibt.“
  • Umweltspürnasen – Aktivbuch Naturgarten

    Umweltspürnasen – Aktivbuch Naturgarten Ingrid Greisenegger, Karo Katzmann, Werner Katzmann, Klaus Pitte
    Verlag Orac, Hardcover, 128 Seiten,
    ISBN: 978-3-7015-0574-6
  • Ingrid Greisenegger

    Die Wiener Journalistin und Autorin schreibt seit bald 25 Jahren Bücher über Umweltschutz und ist Mitbegründerin des Umweltspürnasen Clubs.

    www.umweltspuernasen.at
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