Selbstversorgung mit Wildpflanzen

  • image_blog_selbstversorgung_mit_wildpflanzen
  • Sie leben davon, Ihr Wissen über Wildpflanzen weiterzugeben. Wie kommt das?
    Ich bin am Bodensee aufgewachsen, in den Obstgärten der ehemaligen Baumschule, die mein Ur-Opa gegründet hatte. Ich war schon als Kind begeistert von der Gesamtheit der Natur, nicht nur von den Pflanzen alleine. So wusste ich schon als Zehnjähriger, dass ich eines Tages Geographie, Geologie und Biologie studieren würde, was ich dann auch in Heidelberg umsetzen konnte. Nach dem Studium ging ich dennoch für sechs Jahre als Finanzberater in die freie Wirtschaft.
    Das ist eine überraschende Wende. Hat Ihnen diese Zeit gefallen?
    Naja, es ist ein sehr einseitiges Leben. Es geht eigentlich nur um Geld verdienen und es geht sehr viel um Angst. Es herrscht einfach ein großer Druck. Die Natur lebt uns etwas anderes vor: Wir sind hier in Mitteleuropa mit unseren Jahreszeiten und dem vielen Regen gesegnet! Es wächst so viel. 80 Millionen Deutsche und acht Millionen Österreicher könnten gar nicht alle Wildpflanzen aufessen, die bei uns wachsen. Ich habe dann meinen Job gekündigt, bin in den Südharz auf einen Hof gezogen und habe neun Jahre lang als Selbstversorger gelebt.
    Zu der Zeit hatten Sie gar keinen Job zum Geldverdienen?
    Nein, ich hatte ja etwas Erspartes und habe von ganz wenig Geld gelebt. Ich habe Kartoffeln angebaut und Obstbäume geschnitten. Aber ein zu trockener Sommer, ein Käferbefall – und schon war meine Ernte sehr klein. Dagegen sind Wildpflanzen eine sichere Bank. Sie sind immer da, sie wachsen auf ausgeruhten, lebendigen Böden, dadurch haben sie mehr Vitalstoffe als gezüchtetes Gemüse …
    Sie meinen, Selbstversorgung nur mit Wildpflanzen ist möglich?
    (Lacht) Die Menschheit wusste zwei Millionen Jahre lang, wie das geht! Heute bekommen wir an Nahrung gar nicht mehr das, was wir brauchen. Auch in den Böden ist nicht mehr alles drin, weil wir sie so einseitig nutzen. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, das archaische Wissen um unsere essbaren Wildpflanzen in unsere heutige Alltagskultur zu reintegrieren!
    Haben denn Stadtbewohner auch eine Möglichkeit, an Wildpflanzen zu kommen?
    Es gibt in der Stadt mehr zu ernten. Am Land gibt es über weite Strecken landwirtschaftliche Monokulturen. In den Städten findet sich eine große pflanzliche Vielfalt, wie etwa Lindenbäume, Dirndlbüsche, Misteln und Edelkastanien. Und ich muss hier in Stuttgart nur drei Stationen mit der Straßenbahn zum Stadtrand hinausfahren und kann sofort mit dem Ernten beginnen: Gänsedistel, Melde, Brennnessel und Löwenzahn… Ich habe von den Biobauern der Gegend die Erlaubnis, auf ihren Feldern das zu ernten, was für sie unerwünschter Beiwuchs oder Unkraut ist. Der Tisch ist reich gedeckt.
    Warum leben Sie nicht mehr auf dem Land?
    Seit zweieinhalb Jahren lebe ich in Stuttgart. Hier habe ich schnelles Internet, die Nähe zu meinem Verlag und bin auch eine Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt eingegangen, sodass die von mir geleitete Ausbildung zum „Fachberater/-in für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen“ als berufliche Weiterbildung mit einem Hochschulzertifikat abgeschlossen werden kann – ein in Deutschland einzigartiges Angebot. So kann ich etwas dazu tun, um das Thema „Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen“ in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Ich tue das ganz undogmatisch. Was ich anbiete, muss drei Kriterien entsprechen: Es muss gut schmecken, es muss gesund sein und es soll sich leicht im Alltag unterbringen lassen, also bei geringem Aufwand umgesetzt werden.
    Darüber informieren Sie in Ihren Büchern?
    Gerade ist der fünfte Band der Reihe „Natur & Genuss“ erschienen, der sechste kommt in zwei bis drei Jahren. Dann ist die Reihe fertig. Darin werden insgesamt 70 Pflanzen beschrieben. Diese überlegte Auswahl beschränkt sich auf Arten, die fast überall massenhaft wachsen, deren Erntezeiten lang sind und die einen hohen Gehalt an Nährstoffen, wie zum Beispiel Eiweiß sowie Vitalstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente enthalten.
  • Dr. Markus Strauß

    Bücher (erscheinen im Hädecke Verlag):
    • Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen
    • Köstliches von Waldbäumen
    • Köstliches von Hecken und Sträuchern
    • Köstliches aus Sumpf- und Wasserpflanzen
    • Die 12 besten Wildbeeren
    • Ernteplaner
    Nützen Sie den kostenlosen Newsletter von Dr. Strauß. Von März bis Oktober informiert er 2 x monatlich, von November bis Februar ab und an:
    • Welche Pflanzen haben gerade Saison?
    • Dazu passende Rezeptideen
    • Aktuelle Veranstaltungshinweise
      www.dr-strauss.net