Veganismus in aller Munde

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  • Viele Menschen verzichten aus moralischen Gründen bei ihrer Ernährung auf tierische Produkte. Das hilft auch der Gesundheit und der Umwelt – allerdings nicht immer.

    Verführerisch brutzelt das saftige Burgerlaibchen auf dem glühend heißen Grill. „Das ist 100 Prozent rein pflanzliches Sojagranulat“, erklärt Bernhard Falkner, der Ende 2014 mitten in der historischen Altstadt von Linz sein veganes Fastfood-Restaurant namens Frontfood eröffnet hat. Gegen Mittag stehen die Leute Schlange von der Theke bis zum schmalen Gässchen vor dem Lokal – darunter viele, die ansonsten gerne auch mal einen fleischhaltigen Burger verdrücken. Warum sie hier aber zu Schnitzlinger (einer Semmel mit paniertem Tofulaibchen), Chiiesy (mit pflanzlichem Käse) und Pirateburger (mit Soja-Fischfilet) greifen, ist für Falkner klar:

  • “Ich komme nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern biete den Leuten etwas, das sie kennen und annehmen – nämlich Burger!”
  • Allein ist er mit dieser Idee nicht: Die Supermärkte packen ihre Kühlregale voll mit veganer Bratwurst, pflanzlichem Frischkäse und Schnitzel „ganz ohne Fleisch“, Fernseh-Kochshows, Lifestyle-Magazine und Ratgeberbücher versprechen Genuss, Gesundheit und Fitness mit rein pflanzlicher Ernährung, selbst in den Schönheitsboutiquen wird mit Naturkosmetik ohne tierische Inhaltsstoffe geworben. Veganismus steht derzeit ganz hoch im Kurs – dabei lebt nach großzügigen Schätzungen gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung hierzulande wirklich streng vegan.
  • Gute Gründe für vegane Lebensweise

    Eine davon ist Franziska Ströbl: Die 17-jährige Schülerin aus Gmunden ernährt sich seit drei Jahren ohne tierische Lebensmittel. Zudem backt sie neben dem Unterricht süße Torten, fruchtige Kuchen und cremige Cupcakes, die sie über ihre Homepage „Vegane Schlemmereien“ verkauft.
  • “„Ich habe schon als Kind gerne mit meiner Oma gebacken, und als ich Veganerin wurde, ist die Lust natürlich nicht verflogen.“”
  • Dem aktuellen Medienrummel um Veganismus steht sie dennoch mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Ich freue mich natürlich, dass jetzt immer mehr Lokale vegane Gerichte servieren. Aber man kann alles übertreiben.“ Dabei gibt es viele gute Gründe für vegane Ernährung: Allein schon die Bilder aus modernen Mastbetrieben und Schlachthöfen können einem nachhaltig den Appetit auf den Sonntagsbraten verderben. Auch für Milch und Eier fristen Tiere ein Leben in Gefangenschaft – ein Umstand, der für einige nicht mit ihrem Respekt vor der Natur vereinbar ist.

    Abseits der moralischen Überzeugung, dass Tiere Rechte genießen und ein Leben in Freiheit verdienen, gibt es auch ökologische Argumente für einen Verzicht auf Fleisch, Milch und Eier: So braucht man je nach Tierart zwischen fünf und 30 pflanzliche Kalorien, um eine tierische Kalorie zu erzeugen. Vereinfacht bedeutet das, dass die bestehenden Agrarflächen ein Vielfaches der derzeitigen Weltbevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen könnten.

  • Chemie statt tierischer Produkte?

    Darüber hinaus verheißt vegane Ernährung gesundheitliche Vorzüge: Cholesterin im Schweinefleisch, Laktose in Milchprodukten, Quecksiber im Fisch – all das erspart man seinem Körper, wenn man nur Gemüse, Obst und Getreide isst. Problematisch aber wird es, wenn man die tierischen durch synthetisch erzeugte Produkte ersetzt. „In den Geschäften findet man zum Beispiel Ei-Ersatzpulver, aber da verzichte ich lieber darauf, weil es chemische Zusatzstoffe enthält“, erklärt Franziska Ströbl. „Ich will nämlich so natürlich wie möglich leben.“

    Soll nicht nur die Ernährung, sondern auch die Kosmetik und die Bekleidung vegan sein, dann wird’s mitunter ganz schön knifflig: Petrochemisch erzeugte Synthetikstoffe sind – aus ökologischer Sicht – ein schlechter Tausch gegen Bio-Schurwolle, Merino oder Leder aus regionaler Herstellung. Auch bei der Hautpflege muss man sich überlegen, ob der Verzicht auf pflegende Stutenmilch und Bienenhonig in Verhältnis steht zur Rodung von Regenwäldern, die Platz machen für riesige Palmölplantagen.

    Wie auch bei einer vegetarischen, flexitarischen oder „konventionellen“ Lebensweise muss man sich auch als Veganer genau anschauen, welche Produkte man konsumiert, wo sie herkommen und wie sie hergestellt werden, findet Franziska Ströbl:
  • “Nur weil sich wer vegan ernährt, heißt das noch nicht, dass er ein besserer Mensch ist.”
  • Wichtig ist, in möglichst vielen Punkten auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen – so wie Bernhard Falkner: Die Verpackung für seine veganen Burger besteht zur Gänze aus Bioplastik und ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar, erklärt er. „Das ist schon eine ziemlich einzigartige Geschichte.“
  • Franziska Ströbl

    Die 17-jährige Schülerin aus Gmunden lebt seit drei Jahren vegan und verkauft über ihre Homepage süße Torten, fruchtige Kuchen und cremige Cupcakes ganz ohne tierische Inhaltsstoffe.

    http://www.vegane-schlemmerei.jimdo.com
  • Vegane Produkte bei Grüne Erde

    Wenn Sie aufmerksam einen Grüne Erde-Store durchstöbern oder unsere Homepage erkunden, werden Sie mit Sicherheit einige vegane Produkte entdecken. Allein bei unserer Kosmetik sind 75 Prozent unserer Artikel vegan. Für die restlichen 25 Prozent verwenden wir tierische Inhaltsstoffe, die in der Naturkosmetik zugelassen sind, zum Beispiel Bienenwachs, Lanolin (das Wollfett vom Schaf ) oder Ziegenmilch aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.

    Selbstverständlich verzichten wir bei all unserer Naturkosmetik auf Tierversuche, weil dies nicht mit unserer Philosophie vereinbar ist. Immer wieder diskutieren wir, ob wir unsere rein pflanzlichen Produkte zertifizieren lassen und dieses Sortiment ausweiten. Wichtiger aber als Veganismus sind für uns die ökologischen und sozialen Standards: Für all unsere Produkten verwenden wir natürliche, nachwachsende, möglichst regionale Rohstoffe, die unter fairen Arbeitsbedingungen zu hochwertigen, sinnlichen Unikaten verarbeitet werden.

    Alle unsere veganen Naturkosmetik-Produkte sind mit diesem Label als "vegan" gekennzeichnet. vegane Produkte
  • Foto: Fotolia
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    • Heidi L. Von Holleben meint
      Ernährung

      Ich finde diesen Trend gut, da wieder mehr über die Qualität von Essen nachgedacht und diskutiert wird. Ich selbst versuche mich gesund zu ernähren, hauptsächlich mit saisonalen und regionalen Produkten. Fleisch esse ich nur wenig und wenn aus artgerechter Tierhaltung. Es gäbe noch einiges zu verbessern, meine Überlegungen sind angelaufen. Es it erschreckend was immer wieder geschieht. Bei uns im Faum Rastatt, wurde letztes Jahr Klärschlamm, ausPapiermüll auf die Felder gebracht, der Boden und teilweise auch das Grundwasser ist verseucht. Und durch die Gülle steigt der Ammoniak Gehalt. Was können wir nur dagegen tun. Bio Produkte mit dem 6 -Eck versehen, sind denke ich, noch am sichersten. Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen ökologisch bewusst denken und sich dafür einsetzen. Vielen Dank dem 'Grünen Erde' Team ! Heidi L.v.H.

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    • Nadine meint

      Hallo, ich finde diesen Artikel super. Ich lebe allerdings nicht vegan, vegetarisch etc pp ... Meiner Ansicht nach glauben wir Europäer dass das Fleisch vom Himmel fällt und alle Güter immer und zu jeder Zeit zur Verfügung stehen. Dass dies unglaublicher Luxus ist, verdrängen wir nur zu gerne. Meiner Ansicht nach sollten wir nur ethisch sauberes Fleisch, aus sogenannter Humanschlachtung, essen und das einmal in der Woche. Dazu Tiere, Tiere sein lassen und keine rastlosen Maschinen, die nur am Leben sind um uns zu dienen. Und letztlich gutes sauberes Gemüse (regional & saisonal) keine Hybride bzw genmanipulierter Schrott.... Es wär so einfach wenn nicht die Gier und der Wahn uns Menschen besiedeln würde... LG Nadine

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    • Moml meint

      Hallo, ich finde diesen Artikel super. Ich lebe allerdings nicht vegan, vegetarisch etc pp ... Meiner Ansicht nach glauben wir Europäer dass das Fleisch vom Himmel fällt und alle Güter immer und zu jeder Zeit zur Verfügung stehen. Dass dies unglaublicher Luxus ist, verdrängen wir nur zu gerne. Meiner Ansicht nach sollten wir nur ethisch sauberes Fleisch, aus sogenannter Humanschlachtung, essen und das einmal in der Woche. Dazu Tiere, Tiere sein lassen und keine rastlosen Maschinen, die nur am Leben sind um uns zu dienen. Und letztlich gutes sauberes Gemüse (regional & saisonal) keine Hybride bzw genmanipulierter Schrott.... Es wär so einfach wenn nicht die Gier und der Wahn uns Menschen besiedeln würde... LG Nadine

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    • Jessica Leygraaf meint
      Veganismus

      Danke für die super Denkanstöße! Ich lebe seit einiger Zeit fast vegan. Eier von glücklichen Hühnern sind bei mir das einzig tierische, auf das ich noch nicht verzichten möchte. Je länger ich so lebe um so mehr "sagt" mir mein Körper, wenn Produkte nicht gut tun. Das habe ich bei einigen Ersatzprodukten schon gespürt. Liebe Grüße

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    • Eveline Haider meint
      Wirklich fairer?

      Ich bin froh, dass "Grüne Erde" in ihrem Artikel Ökologie und Fair Trade hinterfragt. Ohne Kaschmir, Schurwolle, Seide .. wäre es nicht so schön.

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    • Pamela Marley meint
      Veganismus

      Toller Artikel! Da ich als Veganerin sehr gerne bei Grüne Erde einkaufe, würde ich mich freuen wenn es mehr vegane Alternativen gäbe wie z.B.: Lederfreie Schuhe und Taschen aus recycelten Materialien, Kork, Leinen, Canvas, etc. und Daunen und Woll-freie Mäntel etc. Es gibt immerhin schon echt tolle ökologische Alternativen zu den tierischen Produkten :) Liebe Grüße

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    • Lilian meint
      Naturkosmetik

      Ihre Kosmetik ist vielleicht "vegan" aber trotzdem nicht ok, und schon gar nicht gesund. Das Glyzerin, ob pflanzlich, bio, wie auch immer ist schädlich und gehört nicht auf die Haut. Leider glauben viele Leute, dass die Kosmetik, die sie anbieten besser, gesünder ist, als herkömmliche. Schade!

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      Grüne Erde antwortet
      Glycerin

      Lilian, Ich würde gerne mit einem Zitat von Paracelsus meine Antwort beginnen:  „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ Kosmetik mit einem Glycerinanteil von über 20% wäre tatsächlich ein ernstes Problem für Ihre Haut. Glycerin hat die Eigenschaft Feuchtigkeit zu spenden, giert aber selbst nach Feuchtigkeit und holt sich diese bei niedriger Luftfeuchtigkeit, wenn es sein muss eben auch aus Ihrem Bindegewebe. Ob ein glycerinhaltiges Pflegeprodukt hydratisiert oder austrocknet, hängt deshalb entscheidend von der Rezeptur ab.  Der Anteil des Zuckeralkohols darf z. B. nicht höher liegen als maximal 10 Prozent. Die Creme muss also ausreichend Feuchtigkeit mitliefern um das Glycerin auch bei trockener Luft mit Wasser zu versorgen.  Damit der Hilfsstoff Glycerin optimal zur Wirkung der Creme beitragen kann ist es, neben der Versorgung mit Feuchtigkeit besonders wichtig, dass genug pflanzliche Öle in der Rezeptur enthalten sind. 

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    • Bittner meint
      Vegan

      Danke für den interssanten Artikel. Ich bin sehr oft in den USA und beobachte, dass viel "Wellen" von dort mit 2-3 Jahren Zeitverzögerung zu uns herüberschwappen, so nun auch die vegane Welle. Ich bin Vegetarierin und lebe an manchen Tagen auch vegan, wenn ich keinen Käse ( aus einer Bio- käserei) und keine Eier (von glücklichen 6 Hühnern meiner Freundin, die sie im Garten hält und mit eigenen Bioabfällen und Biofutter ernährt. Ich halte garnichts davon alles mit Gewalt durch Soja zu ersetzen. Der Sojaweltmarkt ist nicht fair viel Ausbeutung und Gentechnik und Rodung von Wäldern. Außerdem habe ich viele Patienten in meiner Naturheilpraxis, die auf Soja reagieren und die es in der Nahrung gerne vermeiden. Die wenigen echten yveganer, die ich kenne, sind es still schweigend schon lange und reden nicht laut darüber und haben keinen erhobenen Zeigefinger, wenn jemand sich anders ernährt. Schlimm finde ich zur Zeit den Hype sich unbedingt ohne Kohlehydrate zu ernähren um abzunehmen oder seinen Body zu shapen, hier wird ganz enorm der Fleischkonsum pro Person gepusht mit Argumenten, die zu wenig hinterfragt werden. Deshalb finde ich Eure Aufklärungsarbeit gut und freue mich, dass Ihr nicht wie viele andere vegane Trittbrettfahrer geworden seid. Auch respektvoller Umgang mit der Natur und den Menschen, fairer Handel und Unterstützung regionaler Produkte sind wichtige Kriterien, die zu beachten sind. Mit freundlichen Grüßen M. Bittner

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    • Barbara Dietrich meint
      Veganismus

      Ihr Artikel über Veganismus gefällt mir sehr und spricht mir aus der Seele: Vor gut 2 Jahren war das Buch "Peacefood" von Rüdiger Dahlke wie ein Aha-Erlebnis für mich. Seither versuche ich, mich weitgehend vegan zu ernähren ohne dabei fanatisch zu sein. Ersatzfleich o.ä. brauche ich dabei überhaupt nicht, da ich sowieso schon seit fast 20 Jahren fleischlos lebe. Aber wenn mir Freunde etwas zu essen anbieten, das ein wenig Käse oder Sahne enthält, stoße ich sie nicht vor den Kopf! Und auf Honig oder Schafwolle mag ich auch nicht verzichten!

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    • Andrea Wolfsbauer meint
      Vegan

      Wir leben vegan und freuen uns sehr, dass es bei der Grünen Erde, vegane Produkte gibt...weiter so....;-) Lg Andrea

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    • Andrea Wolfsbauer meint
      Vegan

      Wir leben vegan und freuen uns sehr, dass es bei der Grünen Erde, vegane Produkte gibt...weiter so....;-) Lg Andrea

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