Alpakawolle – Das Vlies der Götter

  • Im Rahmen eines Pionierprojekts produzieren nun österreichische Alpaka-Höfe für Grüne Erde jene kostbare Edelwolle, mit der Decken, Kissen und Unterbetten gefüllt werden – für einen gesunden, wohligen Schlaf.
  • Alpakawolle aus Österreich – die Feinheit macht's aus
    Alpakawolle aus Österreich – die Feinheit macht's aus
  • Auf seine beneidenswerte Bräune angesprochen, antwortet der Jeans und Polo-Shirt tragende, salopp-sportliche Mittfünfziger mit der silbergrauen Bürstenfrisur im schönsten oberösterreichischen Dialekt: „I bin den gaunzn Dog bei meine Viecha draußn.“ Der Mann ist ganz offensichtlich hoffnungslos vernarrt in seine langohrigen, wolligen „Viecha“: Wolfgang Putzinger ist Alpaka-Züchter mit Leib und Seele.

    Er bewirtschaftet mit seiner Frau Ariane einen etwas abgelegenen, 200 Jahre alten Bauernhof bei Gaspoltshofen im Hausruckviertel – und ist gleichzeitig Obmann der Alpaca Association Austria. Der AAA gehören derzeit etwa 130 österreichische Alpaka-Halter an, die zusammen rund 2.000 bis 2.500 Tiere betreuen. Die heimischen Edelfaser-Produzenten liefern ab Sommer 2017 Alpakawolle – von den alten Inkas „Vlies der Götter“ genannt – für die kostbarsten Decken, Kissen und Unterbetten von Grüne Erde, im ersten Jahr etwa 700 bis 1.000 kg.
    • Schlau, schön, zahm, friedlich

    • Putzinger war früher in der Wirtschaft tätig und baute ab 2011 seinen Alpaka-Hof auf: Er begann mit einigen wenigen, erstklassigen Tieren aus den USA, wo – nach Peru – die besten Alpakas gezüchtet werden. Heute betreut er mit seiner Frau rund 70 Tiere, jährlich werden etwa 15 bis 18 Fohlen – Crias – geboren. Alle haben einen Namen und einen Stammbaum.
      Putzinger ist durch und durch Alpaka-Profi, seine Zuchthengste Bisturi und Dominator gehorchen aufs Wort, und seine besten Tiere haben bei internationalen Wettbewerben schon viele Preise gewonnen. Das unternehmerische Denken übertrug er aus seinem früheren auf seinen heutigen Beruf, dazu kommen Cleverness, geschicktes Networking, Hausverstand und eine spürbare Riesenportion Liebe zu seinen Schützlingen.

      Sie seien „schlau, schön, zahm und friedlich, aber schlechte Patienten“, sagt er. Man müsse die Tiere gut beobachten, um im Krankheitsfall rechtzeitig reagieren zu können, denn als „schlechte Patienten“ jammern Alpakas nicht, sondern ertragen Krankheit und Schmerz mit stoischem Gleichmut, bis es zu spät sein kann. „Deshalb hat die Tiergesundheit für uns oberste Priorität. Nicht nur aus Respekt vor dem Tier, sondern auch, weil nur gesunde Tiere erstklassige Wolle liefern“, sagt der Obmann-Stellvertreter der AAA, Karl Todtner. Sein kerniger Dialekt weist ihn als Steirer aus. Er unterstreicht die Professionalität seines Verbandes und betont, dass die AAA in engem Kontakt mit der Veterinärmedizinischen Universität in Wien steht, dass es mit der Tierärztin und Alpaka-Halterin Sana Gergely aus dem Waldviertel einen kompetenten „Zuchtwart“ im Verband gebe, dass dessen Mitglieder geschult und weitergebildet würden, und dass man gute Kontakte zu den „Päpsten“ der Alpakazucht in den USA und Peru pflege.
    • Karl Todtner, Georg Weiermair, Wolfgang Putzinger von der Alpaca Association Austria
      Karl Todtner, Georg Weiermair, Wolfgang Putzinger von der Alpaca Association Austria
    • “I bin den gaunzn Dog bei meine Viecha draußn.”
      Wolfgang Putzinger, Alpakazüchter aus Oberösterreich
  • Profi-Schur ohne Notfalltropfen

    Am Beginn seiner Karriere als Alpakazüchter hat Wolfgang Putzinger die Tiere selbst geschoren. Auch wenn er dabei noch so sanft und umsichtig zu Werke ging: Es waren 40 Minuten Zeit pro Tier und noch mehr Notfalltropfen für seine Frau Ariane nötig, die das nicht mitansehen konnte. „Jetzt macht das ein erfahrener Experte: Das dauert sechs Minuten, das Vlies ist perfekt und niemand braucht mehr Notfalltropfen.“ Ein Alpaka liefert bei der jährlich einmaligen Schur im Frühsommer bis zu 6 kg Rohwolle, etwa 2 bis 3 kg davon sind absolute Spitzenqualität. Alpakawolle ist vielseitig verwendbar: für Strickwolle, Strick- und Wirkwaren, Gewebe und eben als Füllung für Decken, Kissen und Unterbetten. Und selbst aus weniger kostbaren Wollpartien von Brust, Hals und Beinen ließen sich immer noch die luxuriösesten Filzpatschen der Welt machen, so Wolfgang Putzinger.

    Die AAA organisiert die gemeinsame Verarbeitung der Alpakawolle für die Füllung der Grüne Erde-Decken, Kissen und Unterbetten. Dazu wird die geschorene Rohwolle von verschiedenen österreichischen und einigen deutschen Tierhaltern zentral auf dem Alpaka-Hof von Karl Todtner in St. Stefan ob Leoben gesammelt, kontrolliert, nach Qualitätsstufen sortiert. Verunreinigungen wie Heu und Stroh werden in einem Tumbler aus der Wolle entfernt. Diese wird dann in einer Tiroler Wäscherei sanft und schonend mit Seife gewaschen, getrocknet und schließlich zum Hersteller der Decken nach Deutschland geschickt. „Den haben wir uns natürlich auch ganz genau angeschaut“, sagt Karl Todtner mit jenem überzeugenden Blick, der keinerlei Zweifel aufkommen lässt.
    • Chance für heimische Landwirte

      Das Ganze ist ein Pionierprojekt in Sachen heimische Alpakawolle. Todtner: „Herkunft und Verarbeitungsprozess der Wolle sind lückenlos belegt, dokumentiert und nachweisbar, die Qualität geprüft.“ An einem entsprechenden Zertifikat der AAA für heimische Alpakawolle werde derzeit gearbeitet. Mit diesem Projekt erreiche man ein Stadium, wo die Alpakahaltung hierzulande auch wirtschaftlich langsam interessant würde. Zwar ist sie meist noch eher Nebenerwerb bzw. Liebhaberei. Aber die Nachfrage der Textilbranche und Bettwarenerzeuger nach dieser hervorragenden Wolle sei groß, meint Karl Todtner. Und die Zusammenarbeit mit Grüne Erde biete für die heimische Alpaka-Branche eine gute Chance, sich weiterzuentwickeln.
    • Triple A für österreichische Alpakawolle

      Die Zucht von Alpakas in Österreich scheint an jene von irischen Rennpferden oder sibirischen Huskies heranzureichen: artgerechte, vorbildliche Tierhaltung, gut dokumentierte Stammbäume, zahlreiche international errungene Preise, zeugungskräftige Hengste, gesunde Stuten, prächtige Fohlen, beste Wollqualität: Angesichts einer solchen Professionalität würden sogar die alten Inkas den Alpakazüchtern der AAA eine Triple A-Bewertung geben.
  • Auf den Crimp kommt's an

    Das Alpaka (Vicugna pacos) wurde vor etwa 5.000 Jahren von Indios im Andenhochland aus dem wilden Vikunja gezüchtet. Aufgrund ihrer außerordentlichen Feinheit und Kostbarkeit nannte man Alpakawolle in Südamerika das „Vlies der Götter“.
    In Österreich und Deutschland züchtet man vor allem den Alpaka-Typ Huacaya, dessen Wollfaser sich durch besondere Feinheit und gleichmäßige, starke Kräuselung – Crimp – auszeichnet. Mit einem Faserdurchmesser von 18 bis 25 Mikrometern (bei guten Tieren) ist Alpaka etwa so fein wie Kaschmir.
    Alpakawolle – rund 20 natürliche Farbtöne von weiß bis schwarz – ist eine der begehrtesten, hochwertigsten und damit auch teuersten Naturfasern: ungemein leicht, zart, weich, seidig glänzend, luftig und saugfähig, feiner und wärmer als Schurwolle.
    Alpakawolle ist sehr glatt, kratzt daher nicht, hat einen hohen Selbstreinigungseffekt, ist sehr hautfreundlich und antibakteriell. Sie enthält kein Wollfett (Lanolin), ist daher auch für Allergiker zu empfehlen.
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    • Leo Hefner meint
      Haus-und Hüttenschuhe aus Lama/Alpaka-Wolle

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      Grüne Erde antwortet

      Sehr geehrter Herr Hefner, wir haben leider keine Haus- bzw. Hüttenschuhe aus Lama- oder Alpaka-Wolle im Sortiment. Sollte auch Schafschurwolle für Sie als Rohstoff in Frage kommen, können wir Ihnen unseren Hausschuh Amale aus 100% Schafschurwolle empfehlen. Diesen finden Sie unter der Art.Nr.: 87 186 in unserem Online-Shop. Herzliche Grüße, das Grüne Erde-Team

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