Mit Bienen diskutiert man nicht

  • Der oberösterreichische Bio-Imker Johann Ecker hat einen unkonventionellen Zugang zur Arbeit mit den Bienen gewählt – und produziert vorzügliche Naturhonige.

    Einheizer, Blumenkind, Klatschtante, Naturbursche, Sterndeuter: Was ist das für ein Imker, der seinen Honigen solch verheißungsvolle Namen gibt und mit ironisch gestalteten Etiketten versieht?

    Wir treffen Johann Ecker in Luftenberg im oberösterreichischen Mühlviertel. Auf dem Gelände einer ehemaligen Baumschule fügen sich ein modernes, architektur-preisgekröntes Wohnhaus, ein wohl einzigartiger „Geräteschuppen“ mit angerosteter Stahlblechfassade, ein kleiner Mischwald, Walnussbäume, ein mit Schilf und Seerosen bewachsener Badeteich sowie eine Reihe von Bienenstöcken zu einem Ensemble aus moderner Architektur, Natur und Lebenskultur zusammen.
  • Direkt, unmittelbar, nicht verhandelbar

    Johann Ecker – er beliefert die Grüne Erde mit biologischen Honigen – ist in vielerlei Hinsicht ein untypischer Imker: Der Master of Business Administration ist im Hauptberuf Mitarbeiter eines Forschungs- und Beratungsinstituts und als Honigproduzent ein spätberufener Quereinsteiger. Das hat Vorteile: Frei von Konventionen, Traditionen und familiären Erblasten nähert sich Ecker dem Thema Honig und Bienen offen, unkonventionell, auf hohem intellektuellem Niveau – und macht daher vieles anders als andere Imker.

    Schon als Schüler betreute er den Garten seiner Eltern und war vom Bio-Gedanken begeistert. „Honig habe ich immer gern gegessen, aber Bienenstöcken bin ich nie näher als zehn Meter gekommen.“

    Viele Jahre später, nach dem Beziehen des neuen Familienwohnhauses in Luftenberg, reifte ein Gedanke in ihm. Er wollte dem untrennbar zusammengehörenden Ganzen aus Haus, Garten und umgebender Natur einen tieferen Sinn, einen zusätzlichen praktischen Nutzen geben – und begann 2004 als Autodidakt mit der Imkerei.

    Johann Ecker schätzt die Arbeit mit Honig und Bienen, weil sie sinnlich, haptisch anregend, geistig inspirierend und duftend ist, Natur und Genuss verbindet.

  • “Jedes Bienenvolk führt sein Eigenleben, das zu respektieren ist und auf das man sich einlassen muss. Man muss die Bienen sanft begleiten und Sorge für sie tragen. Das Verhältnis zu ihnen ist direkt, unmittelbar und nicht verhandelbar.”
  • Anders gesagt: Mit Bienen kann man nicht diskutieren.

    Das Bienenjahr hat seinen festen Zyklus, außerdem ist man ist vom Wetter abhängig. So etwa gibt es in manchen Jahren keinen Waldhonig, weil die Bienen aufgrund der Witterung keinen Honigtau finden (die zuckerhaltige Absonderung von Blattläusen). Manchmal erntet man pro Volk 20 kg Honig pro Jahr, manchmal 50 kg, in schlechten Jahren gar nichts.

    Aber wichtiger als Zahlen, so Ecker, sei die Sanftmut eines Bienenvolkes – die Tiere lassen sich tatsächlich von ihm streicheln –, weiters dessen Vitalität, Gesundheit und Harmonie mit der Natur. Das Bienenvolk als Lebewesen – „der Bien“ – sei die Anithese zum ständigen „größer, höher, mehr“ unserer Zeit.
  • Bienen und Bären

    Ökologisches Imkern ist gut für die Gesundheit der Bienen, für die Umwelt, den Honig und den Menschen, aber was bedeutet es eigentlich? Im Wesentlichen: strenge Vorschriften für die Baumaterialien der Bienenstöcke, sanfte Mittel gegen die Varroa-Milbe, Verwendung von rückstandsfreiem Wachs, ein betriebseigener Wachskreislauf, sorgfältige Stock- und Wabenhygiene, regelmäßiges Erneuern der Wabenrahmen.

    Die frei aufgestellten Bienenstöcke Eckers – „heute das Maß der Dinge in der Bienenhaltung“ – sind nicht bunt angestrichen, wie man es öfter sieht. „Ich bin Imker, kein Maler“, sagt er amüsiert. Die Bienen finden auch ohne Farbmarkierung nach Hause. Sie verfügen über einen unglaublichen Orientierungssinn.“

    Und warum sind Imker bei der Arbeit immer weiß gekleidet? In großen, dunklen Gestalten würden die Bienen evolutionsbedingt einen bedrohlichen Honigräuber – den Bären – erkennen und gereizt reagieren.
  • Honig ist Lebenskultur pur

    Ecker: „Besonderen Wert legen wir auf die unterschiedlichen Geschmacks- und Duftnuancen, sowohl bei den puren Honigen als auch bei den harmonischen Honig-Mischungen, etwa mit Zimt, Nüssen, Mohn oder Ingwer.“ Für ihn ist Honig Lebenskultur pur. Nicht umsonst würden paradiesische Zustände bereits im Alten Testament beschrieben als „Land, in dem Milch und Honig fließen“, sagt der Imker – und streicht sich genüsslich einen „Einheizer“ aufs Brot.