Dänisches Design von Farum: Da geht ein Licht auf!

  • “Bizarre Formen, warmes Licht, Holz, Phantasie, Kreativität, Handarbeit. Die goodtimes hat mit dem dänischen Designer und Hersteller der Farum-Leuchten, Tom Rossau, gesprochen.”
  • goodtimes: Es gibt eine lange Tradition des dänischen Leuchtendesigns. Planer und Architekten wie Kaare Klint, Poul Henningsen, Arne Jacobsen und Verner Panton schufen Leuchten, die sich im Lauf der Jahrzehnte zu Design-Ikonen entwickelt haben. Steht Ihre Arbeit in dieser Tradition oder ist das alles bloß Geschichte?
    Tom Rossau: Ich glaube, es ist nur fair zu sagen, dass ich auf den Schultern von Giganten* stehen kann. Es ist unmöglich, Leuchten zu gestalten und diese Tradition nicht im Hinterkopf zu haben. Und zwar unabhängig davon, ob ich entlang der skandinavischen Traditionslinien arbeite oder versuche, mich davon abzuheben. Ich denke, dass sich in meinen Leuchten Vergangenheit und Gegenwart gut verbinden, und dass sie ihren eigenen Platz im skandinavischen Design finden werden.

    goodtimes: Warum ist dänisches bzw. skandinavisches Design in Deutschland und Österreich so erfolgreich?
    Tom Rossau: Ich glaube, dass gutes Design und natürliche Materialien überall Freunde finden und kann den Erfolg skandinavischen Designs nur dem guten Geschmack der Deutschen und Österreicher zuschreiben …

    goodtimes: Die von Ihnen entworfenen und aufwändig handgefertigten Leuchten sind raffiniert verdrehte, bisweilen bizarre Gebilde aus sich überlappenden Birkenholzstreifen. Woher kommen die Anregungen für derart wundersame Geschöpfe?
    Tom Rossau: Es ist das Material selbst, das mich am stärksten inspiriert. Ich kann mich tagelang mit verschiedenen Materialien spielen, deren Charaktereigenschaften und Geometrien studieren. Das Material selbst ist ein großer Designer, und manchmal bin ich eher wie eine Hebamme, die hilft, das vom Material geschaffene Design auf die Welt zu bringen.

    goodtimes: Wie wichtig sind natürliche Materialien für Sie: grundlegend unverzichtbar oder eher ein Design-Instrument?
    Tom Rossau: Vom Standpunkt des Designs aus betrachte ich das Material eher wie ein Instrument. Aber Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil des Gestaltungsprozesses und hat bei meinen Leuchten den gleichen, hohen Stellenwert wie das essenzielle Problem, Platz für die Glühbirne zu schaffen.

    goodtimes: Bauen Sie die Leuchten ganz allein?
    Tom Rossau: Früher schon, ja. Aber heute habe ich zum Glück ein paar gute und geschickte Leute im Betrieb, die mich bei der Fertigung unterstützen. Das gibt mir wieder Zeit, um mich auf das Design und die Produkt-Entwicklung zu konzentrieren.

    goodtimes: Was ist Ihr Arbeitsmotto? Tom Rossau: Spielen, spielen, spielen, immer das Beste geben, hart arbeiten, nie aufgeben. Und noch mehr spielen.

    * Im auf Englisch geführten Interview spielt Tom Rossau hier auf das berühmte Zitat von Isaac Newton an: »If I have seen further, it is by standing on ye shoulders of Giants.
  • Der dänische Designer Tom Rossau

    Geboren 1970 in Faarevejle, Dänemark, schon als Kind ein Bastler, spielte viel mit LEGO, Design-Autodidakt, begann mit dem Entwerfen und Nähen von Lederbekleidung, seit 1997 in Kopenhagen, arbeitet seit 2004 vorwiegend mit Holz. Die Farum-Leuchten werden nach Rossaus Design von seinen Mitarbeitern in Handarbeit in einer 680 m2 großen Store-Werkstatt in Kopenhagen gefertigt – je nach Modell 2 bis 40 Stück pro Tag. Das Birkenfurnier stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Skandinavien.