Holzkünstler Giovi im Interview

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  • Einer, der seinen Weg geht

    „Giovi“ – Johannes Löberbauer ist Bildhauer und Maler und viel mehr als das. Die Grüne Erde hatte zum ersten Mal Kontakt mit ihm, als er noch Schüler der HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz war und einen Sommer lang unser Fototeam unterstützt hat.

    Mittlerweile ist er nach dem Studium Multi Media Art mit Schwerpunkt Illustration, Photographie und Film seit acht Jahren freischaffender Künstler in Grünau im Almtal, der Nachbargemeinde von Scharnstein. Der Ort schmückt sich mit zwei großen Holzskulpturen des Künstlers: „Alma Sulis“, die mitten im Almfluss steht und der „Schwall“ – am Platz vor dem Grünauer Gemeindeamt.

    Und wir hatten das Vergnügen, einige kleinere Skulpturen leihweise bei unseren Fotoaufnahmen für den neuen Wohnkatalog verwenden zu dürfen.
  • Neben seinen vielfältigen kreativen Tätigkeiten unterrichtet Johannes Löberbauer auch. Unter anderem leitet er im Scharnsteiner Kinderatelier Kreativkurse für Kinder von fünf bis zehn Jahren: „Ich kann den Kindern die größtmögliche Freiheit gewähren. Sie können einfach tun, wonach ihnen ist. Jeder kommt in seinem Malgewand, das nicht geschont werden muss, Material ist in Hülle und Fülle vorhanden. Da ist alles möglich. Da wird gemischt, geschüttet, gepinselt, gespritzt und gespachtelt. Und wenn nichts dabei herauskommt, dann kommt eben nichts dabei heraus. Der Fehler war für mich immer der beste Lehrmeister. Ich bekomme zwar Geld dafür, den besonderen Wert ziehe ich aber daraus, wie unglaublich viel ich von den Kindern zurückbekomme. Ich werde stetig daran erinnert, dass Kreativität mit Leichtigkeit zu tun hat, und dass man keinen besonderen Zugang dazu braucht, sondern nur die Freiheit zu tun.“

    Johannes Löberbauer unterrichtet seit 2009 auch Studierende an der Fachhochschule Hagenberg, der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien. Sein Thema: „Kreativität zur Problemlösung“: „Hier geht es darum, den Leuten die Angst vor dem Zeichnen zu nehmen. Nach der Unterstufe sagen schon alle: Ich kann nicht zeichnen. Kinder sagen das nie! Irgendwo im Schulapparat wird einerseits Zeichnen zur Kunst hochstilisiert und andererseits degradiert, Motto: Kreativunterricht braucht ja keiner. Da passiert es, dass der entspannte Umgang mit dem Zeichnen verloren geht. Bei Handwerkern ist es üblich, schnell etwas aufzuzeichnen, auch in Ländern, deren Sprache man nicht beherrscht, ist zeichnen sehr hilfreich. Für mich ist es vordergründig eine Fremdsprache. Unkompliziert, auf der Hauswand, auf einem Stück Holz. In Hagenberg sind die Menschen sehr leistungs- und erfolgsorientiert. Ich bemühe mich, ihnen zu zeigen, was Kreativität ist, wie Inspiration passiert, dass man mit offenen Augen durchs Leben geht. Dass man eine Balance bekommt zwischen Zeiten für Input und solche für Output. Sie müssen auch lernen, nein zu sagen. Und es geht nicht immer um komplett ausgefertigte Sachen. Ich verblüffe sie damit, dass sie mir etwas erklären sollen, mit Händen, Füßen und Zeichnen, ganz egal wie gut die Zeichnung wird. Es soll sehr ungezwungen funktionieren. Sie werden ihre Ideen nicht immer in einem Multimediaraum vorstellen können – interessante Menschen begegnen ihnen möglicherweise im Kaffeehaus. Da zeichnet man einfach schnell etwas auf einen Bierdeckel.“

  • In unserem Gespräch schwingt die ganze Zeit mit, dass hier einer sitzt, der sehr bewusst „seine Sache“ macht. Es geht ihm nicht um Geld, nicht um Erfolg, noch nicht einmal primär darum, dass da schöne Kunstwerke entstehen. Es geht ihm ums Tun. Er spürt den Dingen nach: Was möchte zum Ausdruck gebracht werden? Welche Skulptur steckt in diesem Stamm und möchte sich zeigen? Johannes Löberbauer erzählt auch viel von Menschen, die ihn beeindruckt haben und ihm Mut gemacht haben, seinen Weg zu gehen. Mittlerweile ist er längst selbst ein Vorbild und ein Mutmacher.

    Das ist eine hohe Kunst!

    Giovi Artworks www.giovi.at