Vom Schaf zur Wolle

  • Österreichische Schurwolle wird zur Füllung von Grüne Erde-Produkten

    Kurt Tumfart ist »der Mann der ersten Stunde«: Der ruhige, angenehm unaufgeregte Mühlviertler mit den verschmitzten Augen beliefert die Grüne Erde »von Anfang an«, also seit fast 30 Jahren, mit Wollvliesen. Er erinnert sich noch gut daran, wie Firmengründer Karl Kammerhofer eines Tages vor ihm stand und exakt zugeschnittene Baumwoll-Vliese für die ersten Futon-Matratzen der Grünen Erde in Auftrag gab. Traberg im oberösterreichischen Mühlviertel ist nur wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Im Ortsteil Unterwaldschlag liegt die »Baumwollspinnerei und Naturfaservliesproduktion« von Kurt Tumfart, ein kleiner Betrieb mit 15 Mitarbeitern.

    Seine Familie ist seit vielen Generationen hier ansässig, der Großvater hatte das Unternehmen 1920 als »Handweberei und mechanische Leinenweberei« gegründet. Hier sind die Ruhe der Natur und die Erfahrung der Menschen mit der Wollverarbeitung förmlich mit den Händen zu greifen.

    Wenn man an so etwas wie »feinstoffliche Schwingungen« glaubt, dann waltet der Geist dieses Ortes – der Genius loci – mit all seiner Natur, Ruhe und Gleichmut in jedem mit Schurwolle gefüllten Kissen, in jeder Kuscheldecke und in jedem Sofa von Grüne Erde.

    Die Schurwolle für Grüne Erde stammt zu 100 % aus Österreich.

  • Ein globalisierter Markt

    Tumfart ist ein »alter Hase« im Schurwollgeschäft, hat langjährige Kontakte zu seinen Lieferanten und Kunden, kennt die Branche und ihre Mitspieler wie seine Westentasche. Er gewährt interessante Einblicke: Nachdem viele neuseeländische und australische Farmer wegen der von ihnen selbst verursachten Überproduktion inklusive anschließendem Preisverfall auf Rinderzucht umgestiegen waren, sank die Produktionsmenge in den letzten Jahren. Entsprechend stieg der Preis für Rohwolle, »im Schnitt um rund 30 %, bei manchen Qualitäten sogar auf das Doppelte«, so Tumfart.
    Jetzt drängt China mit aller Macht auf den Wollmarkt: Das Land hat Australien als größten Schafwollproduzenten der Welt eingeholt und liefert rund 20 % der global gehandelten Wolle. Niemand weiß genau, wie sich das mittelfristig auswirken wird, manche befürchten eine Überschwemmung des Marktes mit billiger, minderwertiger Wolle »Made in China«.
    Wenn dann die Konsumenten nur nach dem Preis einer Schurwollmatratze oder eines Schurwollkissens entscheiden, wird es für heimische Schafzüchter noch schwieriger, sich mit ihrer vergleichsweise teuer produzierten Wolle zu behaupten – mag diese noch so hochwertig sein.
  • Ausschließlich Wolle aus Österreich

    »Wir verarbeiten jährlich etwa 300.000 kg Schafschurwolle, 120.000 kg Baumwolle, daneben noch Leinen und Kaschmirwolle«, so Tumfart. Damit ist er der zweitgrößte Rohwollverarbeiter Österreichs und beliefert rund fünfzig Kunden in ganz Europa mit erstklassigen Vliesen. Insgesamt kommen 50 % der von ihm verarbeiteten Rohschurwolle aus Österreich. »Die Schurwolle für Grüne Erde stammt sogar zu 100 % aus Österreich«, versichert er. Und das sind jährlich rund 30.000 kg. Tumfart kauft die Wolle bei den Schafzüchterverbänden Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark, sowie direkt bei Bauern aus der Region Mühl- und Waldviertel. Die Schafe werden in kleinen Herden von einigen wenigen bis zu etwa 200 Tieren gehalten und leben im Freien auf der Weide. Einige der Schafe, deren Wolle hier im Betrieb verarbeitet wird, kann man sogar vom Bürofenster aus auf der Weide grasen sehen. In Österreich hält man Schafe vorwiegend wegen der Milch (für Käse) und des Fleisches. Die Wolle fällt sozusagen als »Nebenprodukt« an – etwa 3 bis 5 kg pro erwachsenem Tier und Schur. Die Wolle der österreichischen Berg-, Merino- und Milchschafe ist mit einem Durchmesser von 32 bis 38 Mikrometern so fein wie ein Menschenhaar und von sehr guter Qualität. Experte Tumfart: »Feinheit, Faserlänge und Kräuselung der Wolle unserer heimischen Schafe sind optimal geeignet für die Vliesproduktion.«
  • Siebenmal gewaschen

    Die Rohwolle wird in Belgien gewaschen. Das schmerzt zwar den ökologisch Gesinnten, jedoch: Dort befindet sich die einzige verbliebene Wollwäscherei auf dem europäischen Festland, die große Mengen in hochwertiger Qualität waschen kann. Hier wird die Wolle in fünf bis sieben Waschdurchgängen mit natürlichem Soda und natürlicher Seife, ohne chemische Zusätze, von Schmutz und Fett befreit. »Aber«, so Tumfart, »0,8% Restfett muss in der Wolle bleiben, damit die Faser nicht spröde wird, sondern elastisch und geschmeidig bleibt, um sich gut verarbeiten zu lassen.«
  • Die Kunst der Krempelmaschine

    Bei Tumfart kommt die gewaschene Rohwolle dann in einen »Kastenspeiser« (ein großer Behälter), von dort in den »Krempel« – die Kardieranlage: Dort laufen die Wollfetzen über eine kompliziert angeordnete Vielzahl von bürstenartigen Walzen, welche die Wollfasern parallel ausrichten und einen dünnen, durchscheinenden Wollvliesflor (35 g/m2) erzeugen. Dann werden 10 bis 12 dünne Schichten dieses losen Vlieses vom »Querleger« im Endlosverfahren übereinander gelegt: So entsteht ein mehrere Zentimeter dickes Vlies (500 g/m2). Dieses Vlies läuft als endloses, über zwei Meter breites Band durch die »Nadelmaschine«, in der Hunderte von mit Kerben versehenen Nadeln auf das Vlies einstechen, um die Fasern miteinander zu verfilzen. Je mehr Nadeln, je tiefer die Einstechtiefe und die Einstichhäufigkeit, desto dichter und kompakter das Vlies.

    »Die Kunst liegt in der Einstellung der Krempelmaschine. Da bieten sich unzählige Möglichkeiten, die vielen Walzen richtig, aber auch weniger richtig einzustellen«, sagt Kurt Tumfart mit listig-wissendem Blick.

  • Kügelchen und Klümpchen

    Um Woll-Kügelchen für Kissenfüllungen zu erzeugen, kommt die Rohwolle in den »Klopfwolf« und wird dort mechanisch auseinander gezupft, um letzte Reste von Staub und Stroh zu entfernen. Das dann auf der Kardieranlage erzeugte dünne Vlies wird aber nicht vernadelt – statt dessen werden die sich bildenden Wollklümpchen aus dem losen Faserverband »abgesaugt«. Bei der Vliesproduktion und in der Grüne Erde-Matratzenfertigung anfallender, sauberer Vlies-Verschnitt wird wieder unters Rohmaterial gemischt, verschmutzte Wollreste werden kompostiert oder von Bauern unter die Stalleinstreu gemischt: Somit gibt es de facto keinen Abfall, den man »entsorgen« müsste.

    Bei so viel Schaf & Wolle keimt der Gedanke: Wer auf Grüne Erde-Matratzen und Kissen liegend in der Abendstille genau hinhört, müsste es, zwar weit entfernt und nur »feinstofflich« übertragen, dennoch deutlich hören künnen: ein leises, zartes Määäh …

  • Frisch geschoren

    • Schurwolle, die chemisch unbehandelt bleibt, greift sich angenehm weich an und duftet zart.
    • Aufgrund der starken Kräuselung und der schuppenartigen Oberfläche der Faser schließt Schurwolle viel Wärme ein – wie eine Dämmschicht.
    • Sie ist sehr strapazfähig, anschmiegsam, hat eine hohe Bausch- und Regenerierfähigkeit.
    • Sie kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und durch Verdunstung wieder abgeben, ohne sich feucht anzufühlen – für das »Sitzklima« auf Sofas bzw. das »Schlafklima« auf Matratzen eine grundlegend wichtige Eigenschaft.