Die Entwicklung des Grüne Erde-Sofas Allora

  • “Wichtig für die Gestaltung eines Produktes ist die erste Vision, die man davon hat, die Anmutung. Dazu fertigen wir ganz am Beginn des Designprozesses farbige Skizzen mit der Hand an. So arbeitet man viel sensibler als mit einem Computer. Die Arbeit am PC kommt bei uns erst am Schluss”
  • sagt Jörg Wulff vom Berliner Designbüro Müller Wulff, welches das neue Sofa Allora für Grüne Erde gestaltet hat.
  • Ein Sofa muss von allen Seiten gut aussehen

    • Der Wunsch an den Designer war: ein Sofa, elegant, feminin, schlicht, dennoch mit dem gewissen Etwas, außerdem optisch leicht, in verschiedenen Varianten, für kleine und große Räume geeignet. Mit einem Wort: die Quadratur des Kreises.

      Nach den ersten Skizzen und Besprechungen mit den Produktmanagern der Grünen Erde fertigte man Modelle des Sofas im Maßstab 1 : 5 und 1 : 10, für erste Einschätzungen und um ein Gefühl für die Proportionen zu bekommen. Dann folgte ein verbessertes Modell im Maßstab 1 : 1. Wulff: „Diese Entwicklungsstufe ist wichtig für die verschiedenen Blickwinkel. Man kann erstmals um das Sofa herum laufen, und es muss von allen Seiten gut aussehen.“

  • Besonders ins Auge springt die schlanke, hohe, schützende Lehne, die von vorne betrachtet einer behaglich weichen, zusammengeschlagenen Decke gleicht. Oder, wie Wulff es formuliert, „dem Kragen eines eleganten Abendmantels – mit einem Kissen als Einstecktuch.“

    Die Grundlinien für Form und Gestalt kamen vom Designbüro Müller Wulff, die detaillierte technische Umsetzung für Unterbau, Lehnen, Lattenrost, Polsterung und Bezug des Sofas lag in den Händen der Holztechniker, Tischler und Polsterer der Grünen Erde. Sie alle bilden zusammen mit Geschäftsführer Reinhard Kepplinger und den Produktmanagern das Entwicklungsteam, das sich regelmäßig zu stunden-, bisweilen tagelangen „Arbeitssitzungen“ traf. Dabei wurden Prototypen analysiert, Verbesserungen diskutiert und gleich an Ort und Stelle am Sofa „real simuliert“.

  • Der Sofafuß: zart, elegant und zugleich robust

    Eine besondere Herausforderung bei der Entwicklung von Allora war dessen Fußgestell. „Es sollte zart, schlank und elegant aussehen, gleichzeitig viel tragen können. Wir mussten den Spagat zwischen Elegance und Robustheit schaffen. Das haben die Grüne Erde-Konstrukteure Manfred Spitzbart und Franz Staudinger technisch gut gelöst “, lobt Jörg Wulff die gute Zusammenarbeit im Team.

    Martin Reiber, der Leiter der Tischlerei, hat mit seinen Leuten lange getüftelt, bis es gelungen ist, den Sofafuß – nach unten hin leicht verjüngt, oben in einem eleganten Schwung auslaufend – aus einem Stück Buchenholz herauszuarbeiten, statt zwei Teile zu verleimen, was technisch einfacher wäre.

    „Dafür müssen wir das Werkstück in der CNC-Fräse dreimal umspannen, aber der Fuß sieht eleganter aus“, so Reiber. Die vom Design vorgegebene Schrägstellung der Rücken- und Seitenlehnen wurde nach mehreren Versuchen schließlich durch das Aufleimen eines eigens konstruierten schmalen Holzkeils gelöst.
    • Reizvolle Einschränkung

      Allora ist aufwändig zu polstern, da die Polsterung nicht einfach als ganzes Element auf das Fußgestell montiert wird. Das wäre ja zu leicht. Nein, der Rahmen, der die Polsterung aufnimmt, unter dem Bezug dann aber unsichtbar verschwindet, und das zarte Fußgestell sind – aus Stabilitätsgründen – fix miteinander verleimt. Die vielen sich daraus ergebenden Winkel, Kanten, Vor- und Rücksprünge, Fräsungen und Leisten sind anspruchsvoll zu polstern.

      Da kam Gerhard Sandheigl, Möbeltapezierermeister bei Grüne Erde, ins Spiel. Er musste das Problem der Polsterung ausschließlich mit Naturmaterialien wie Schurwollvliesen, Filzen, Kokoslatex- bzw. Naturlatexmatten lösen, die nicht einfach als Formteile vorgeschäumt und aufgeklebt werden können, sondern die man Stück für Stück, Schicht für Schicht, Streifen für Streifen aufbringen und fixieren muss. Auch für den Designer Jörg Wulff war:

  • “Eine interessante Herausforderung, ausschließlich mit Naturmaterialien zu arbeiten. Diese Einschränkung ist sogar reizvoller bei der Gestaltung, denn man entwickelt dadurch eine ganz eigene Formensprache.”
  • Die heilige Dreifaltigkeit

    Vor allem die Polsterung der Seitenlehne ist technisch herausfordernd.

    Möbeltapezierer Sandheigl: „Es soll aussehen wie eine zusammenfaltete Decke, muss dennoch straff gespannt am Holzgestell anliegen. Da darf nichts flattern oder locker herunterhängen.“

    Man bewältigte diese knifflige Aufgabe nach vielen Versuchen schließlich durch eine Spezialfräsung an der Schmalseite des Holzkerns der Seitenlehne, in dessen Falz nun der Bezug samt Polsterung unsichtbar befestigt wird. Wobei drei elegante Falten gelegt werden müssen, damit das Ganze sauber aussieht – die „heilige Dreifaltigkeit“, wie Sandheigl schmunzelnd formuliert.

    Nach einem Jahr intensiver Entwicklungsarbeit, acht Meetings, rund 50 Zeichnungen, mehreren Modellen und Prototypen sowie unzähligen Tassen Kaffee stand das Sofa Allora endlich fertig in der Grüne Erde-Polsterwerkstatt: Die zwölf Monate zuvor in einem Berliner Designbüro zu Papier gebrachte Vision war Wirklichkeit geworden.