Von der Wolle zum Vlies

  • Seit mehr als 30 Jahren teilen wir unsere Liebe zu Naturfasern mit der Mühlviertler Familie Tumfart. Vater Kurt und Sohn Tobias beliefern uns mit Vliesen aus Schurwolle, Leinen und Baumwolle. Lieferanten wie zum Beispiel Martin Pühringer vom Junglammhof im Mühlviertel – am Foto zu sehen – liefern dazu die regionale und hochwertige Wolle.
    • Vom Schaf zur Wolle

      Unterwaldschlag im Mühlviertel sieht genau so aus, wie es sich anhört: Die Streusiedlung liegt mitten in der Natur, umgeben von Wiesen, Wäldern, Feldern – und ländlicher Ruhe. Wenn es so etwas wie „positive feinstoffliche Schwingungen“ überhaupt gibt, dann übertragen sich diese von hier direkt auf die Grüne Erde. Denn im Unterwaldschlager Betrieb der Familie Tumfart werden die Naturfaservliese produziert, die praktisch in jeder unserer Matratzen, in jedem Kissen und Sofa stecken.

      Tumfart und Grüne Erde: Das ist eine seit 1984 (!) bestehende Kooperation. "Ihr seid die ersten gewesen, die mich nach Baumwollvliesen für Matratzen gefragt haben", erinnert sich Kurt Tumfart, Senior-Chef des 15 Mitarbeiter zählenden Familienbetriebes. Firmengründer Karl Kammerhofer stand eines Tages vor ihm und gab exakt zugeschnittene Baumwoll-Vliese für die ersten Futon-Matratzen von Grüne Erde in Auftrag.

      Kurt Tumfarts Familie ist seit vielen Generationen hier ansässig, der Großvater hatte das Unternehmen 1920 als „Handweberei und mechanische Leinenweberei“ gegründet. Hier sind die Ruhe der Natur und die Erfahrung der Menschen mit der Wollverarbeitung förmlich mit den Händen zu greifen. Mit Sohn und Junior-Chef Tobias ist heute bereits die 4. Generation am Werk, aber die Erfahrung des "Alten" und seine Arbeit im Hintergrund sind nach wie vor unschätzbar viel wert.
    • Das nennt man Kontinuität über lange Zeit hinweg: Unsere Zusammenarbeit, die 1984 mit dem Vater begann, wird nahtlos mit dem Sohn fortgesetzt – Kurt und Tobias Tumfart, Naturfaservlies-Produzenten aus dem Mühlviertel.
    • Ein globalisierter Markt

      Kurt Tumfart ist ein „alter Hase“ im Schurwollgeschäft, hat langjährige Kontakte zu seinen Lieferanten und Kunden, kennt die Branche und ihre Mitspieler wie seine Westentasche.
  • Er gewährt interessante Einblicke: Nachdem viele neuseeländische und australische Farmer wegen der von ihnen selbst verursachten Überproduktion inklusive anschließendem Preisverfall auf Rinderzucht umgestiegen waren, sank die Produktionsmenge in den letzten Jahren. Entsprechend stieg der Preis für Rohwolle, „im Schnitt um rund 30 %, bei manchen Qualitäten sogar auf das Doppelte“, so Tumfart.

    Jetzt drängt China mit aller Macht auf den Wollmarkt: Das Land hat Australien als größten Schafwollproduzenten der Welt eingeholt und liefert rund 20 % der global gehandelten Wolle. Niemand weiß genau, wie sich das mittelfristig auswirken wird, manche befürchten eine Überschwemmung des Marktes mit billiger, minderwertiger Wolle „Made in China“. Wenn dann die Konsumenten nur nach dem Preis einer Schurwollmatratze oder eines Schurwollkissens entscheiden, wird es für heimische Schafzüchter noch schwieriger, sich mit ihrer vergleichsweise teuer produzierten Wolle zu behaupten – mag diese noch so hochwertig sein.

    "Wir sind flexibel, können kurzfristig liefern, produzieren auch kleine Mengen und Vliese in allen gewünschten Stärken und Gewichten, gerollt oder in verarbeitungsfertige Stücke geschnitten“, erläutert Tobias Tumfart die Stärken des Betriebes. "Wir fertigen praktisch nichts auf Lager, nur auf Bestellung und exakt nach Kundenwunsch." Der Senior ergänzt schelmisch: "Das bringt der Chinese nicht hin“.

    Tumfart versorgt Betriebe in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und der Slowakei mit Vliesen. Daneben werden Dämmwolle für den Hausbau – und Schurwollfilze für Jurten (!) hergestellt. "Das war die Idee meiner Tochter“, so Kurt Tumfart kopfschüttelnd, "aber warum nicht?“ Schließlich wussten die Mongolen und die Unterwaldschlager schon immer: Nichts geht über Naturfasern!
    • Ausschließlich Wolle aus Österreich

      In den Hallen türmen sich die zu Ballen gepressten Rohfasern – Schurwolle, Baumwolle, Leinen – bis an die Decke. Große Rollen fertiger Vliese warten auf den Versand. Dazwischen: eine Reihe von Maschinen – Reißwolf, Kardieranlage, Querleger, Nadelmaschine – die aus dem Rohmaterial Vliese machen.

      Heute ist Tumfart auf die Produktion von Naturfaservliesen spezialisiert: Allein 200 Tonnen österreichische Schurwolle werden jährlich verarbeitet. Dazu kommen noch andere Naturfasern wie etwa Leinen und türkische Bio-Baumwolle.

      Doch vor 30 Jahren bestand die Haupttätigkeit Tumfarts noch im Weben und Spinnen. Die dafür eingesetzten "Kardieranlagen" eigneten sich aber auch hervorragend für die Produktion von Vliesen – und Kurt Tumfart entdeckte darin ein neues Geschäftsfeld. Für das "Legen" der Vliese – "... habe ich damals extra eine gebrauchte Maschine aus Genua geholt, die der Vorbesitzer schon auf den Schrottplatz gebracht hatte.“ Die Maschine ist nach wie vor im Einsatz und leistet hervorragende Dienste, denn: Die Tumfarts sind ihre eigenen Maschinenschlosser, reparieren und warten alles selbst – wer sollte die Anlagen besser kennen als die, die seit Jahrzehnten damit arbeiten? Erst vor kurzem haben sie aus zwei alten Kardieranlagen eine neue zusammengeschraubt.
    • Frisch geschoren

      • Schurwolle, die chemisch unbehandelt bleibt, greift sich angenehm weich an und duftet zart.

      • Aufgrund der starken Kräuselung und der schuppenartigen Oberfläche der Faser schließt Schurwolle viel Wärme ein – wie eine Dämmschicht.

      • Sie ist sehr strapazfähig, anschmiegsam, hat eine hohe Bausch- und Regenerierfähigkeit.

      • Sie kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und durch Verdunstung wieder abgeben, ohne sich feucht anzufühlen – für das »Sitzklima« auf Sofas bzw. das »Schlafklima« auf Matratzen eine grundlegend wichtige Eigenschaft.
    • „Wir verarbeiten jährlich etwa 300.000 kg Schafschurwolle, 120.000 kg Baumwolle, daneben noch Leinen und Kaschmirwolle“, so Tumfart. Damit ist er der zweitgrößte Rohwollverarbeiter Österreichs und beliefert rund fünfzig Kunden in ganz Europa mit erstklassigen Vliesen. Insgesamt kommen 50 % der von ihm verarbeiteten Rohschurwolle aus Österreich. „Die Schurwolle für Grüne Erde stammt sogar zu 100 % aus Österreich“, versichert er. Und das sind jährlich rund 30.000 kg.
  • Tumfart kauft die Wolle bei den Schafzüchterverbänden Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark, sowie direkt bei Bauern aus der Region Mühl- und Waldviertel. Die Schafe werden in kleinen Herden von einigen wenigen bis zu etwa 200 Tieren gehalten und leben im Freien auf der Weide. Einige der Schafe, deren Wolle hier im Betrieb verarbeitet wird, kann man sogar vom Bürofenster aus auf der Weide grasen sehen. In Österreich hält man Schafe vorwiegend wegen der Milch (für Käse) und des Fleisches. Die Wolle fällt sozusagen als „Nebenprodukt“ an – etwa 3 bis 5 kg pro erwachsenem Tier und Schur. Die Wolle der österreichischen Berg-, Merino- und Milchschafe ist mit einem Durchmesser von 32 bis 38 Mikrometern so fein wie ein Menschenhaar und von sehr guter Qualität. Experte Tumfart: „Feinheit, Faserlänge und Kräuselung der Wolle unserer heimischen Schafe sind optimal geeignet für die Vliesproduktion.“
  • Siebenmal gewaschen

    Die Rohwolle wird in Belgien gewaschen. Das schmerzt zwar den ökologisch Gesinnten, jedoch: Dort befindet sich die einzige verbliebene Wollwäscherei auf dem europäischen Festland, die große Mengen in hochwertiger Qualität waschen kann. Hier wird die Wolle in fünf bis sieben Waschdurchgängen mit natürlichem Soda und natürlicher Seife, ohne chemische Zusätze, von Schmutz und Fett befreit. „Aber“, so Tumfart, „0,8 % Restfett muss in der Wolle bleiben, damit die Faser nicht spröde wird, sondern elastisch und geschmeidig bleibt, um sich gut verarbeiten zu lassen.“
  • Die Kunst der Krempelmaschine

    Bei Tumfart kommt die gewaschene Rohwolle dann in einen „Kastenspeiser“ (ein großer Behälter), von dort in den „Krempel“ – die Kardieranlage: Dort laufen die Wollfetzen über eine kompliziert angeordnete Vielzahl von bürstenartigen Walzen, welche die Wollfasern parallel ausrichten und einen dünnen, durchscheinenden Wollvliesflor (35 g/m2) erzeugen. Dann werden 10 bis 12 dünne Schichten dieses losen Vlieses vom „Querleger“ im Endlosverfahren übereinander gelegt: So entsteht ein mehrere Zentimeter dickes Vlies (500 g/m2). Dieses Vlies läuft als endloses, über zwei Meter breites Band durch die „Nadelmaschine“, in der Hunderte von mit Kerben versehenen Nadeln auf das Vlies einstechen, um die Fasern miteinander zu verfilzen. Je mehr Nadeln, je tiefer die Einstechtiefe und die Einstichhäufigkeit, desto dichter und kompakter das Vlies.
    „Die Kunst liegt in der Einstellung der Krempelmaschine. Da bieten sich unzählige Möglichkeiten, die vielen Walzen richtig, aber auch weniger richtig einzustellen“, sagt Kurt Tumfart mit listig-wissendem Blick.
  • Kügelchen und Klümpchen

    Um Woll-Kügelchen für Kissenfüllungen zu erzeugen, kommt die Rohwolle in den „Klopfwolf“ und wird dort mechanisch auseinandergezupft, um letzte Reste von Staub und Stroh zu entfernen. Das dann auf der Kardieranlage erzeugte dünne Vlies wird aber nicht vernadelt – stattdessen werden die sich bildenden Wollklümpchen aus dem losen Faserverband „abgesaugt“. Bei der Vliesproduktion und in der Grüne Erde-Matratzenfertigung anfallender, sauberer Vlies-Verschnitt wird wieder unters Rohmaterial gemischt, verschmutzte Wollreste werden kompostiert oder von Bauern unter die Stalleinstreu gemischt: Somit gibt es de facto keinen Abfall, den man „entsorgen“ müsste.

    Bei so viel Schaf & Wolle keimt der Gedanke: Wer auf Grüne Erde-Matratzen und Kissen liegend in der Abendstille genau hinhört, müsste es, zwar weit entfernt und nur „feinstofflich“ übertragen, dennoch deutlich hören können: ein leises, zartes Määäh …