Weihnachten: Stress oder Stille?

  • Weihnachten ist ein Paradoxon. Etwas, das den Widerspruch in sich trägt: Gerade die "stillste Zeit des Jahres“ gerät bei vielen Menschen zur lautesten. In den Innenstädten und Einkaufszentren geht es zu wie in der U-Bahn zur Stoßzeit. "Jingle Bells“ ab Oktober in den Kaufhäusern hält kein Mensch bis Weihnachten durch – das Verkaufspersonal schon gar nicht.

    Familien brechen in Streit aus, Kinder heulen. Der Festtagsbraten löst Diskussionen mit Veganern unter den Gästen aus. Bei der Anreise ins Feriendomizil gerät man in einen Verkehrsstau. Für 49 %, so eine Umfrage des Jobportals karriere.at, ist der Advent purer Stress: Sie fühlen sich beruflich und privat in den Wochen vor Weihnachten enorm belastet. Spätestens eine Woche vor dem 24. stöhnen manche: "Ich bin heilfroh, wenn das Ganze vorbei ist.“ Weihnachten: wie ein Besuch beim Zahnarzt?

    Der Vorweihnachtsstress kann so weit gehen, dass am entscheidenden Tag bei vielen die Nerven blank liegen und kleinste Anlässe genügen, um mittlere Katastrophen auszulösen. Was, um Himmels Willen, ist in die Menschen gefahren, dass sie sich gerade zu Weihnachten an die Gurgel gehen? Weihnachten bringt Emotionen zutage, die das restliche Jahr meist verborgen bleiben. Menschen treffen aufeinander, die sich lange nicht gesehen haben, aufgestaute Gefühle bahnen sich ihren Weg. Laut einer Studie des Humaninstituts in Klagenfurt meinen 62 % der Österreicher, das Fest der Freude und der Familie habe auch "dunkle Seiten“.
  • Kann man Weihnachten „langsam“ erleben?

    Viele Erwachsene sehnen sich nach dem Weihnachten ihrer Kindheit, als es noch ruhiger, einfacher war. Oder trügt die Erinnerung? Stress bis zum 23.12. und dann – quasi über Nacht – harmonische Weihnachtsstimmung: ein Ding der Unmöglichkeit. Lässt sich Weihnachten überhaupt "einfach“ und "langsam“ erleben?

    Psychologen raten, sich schon sehr früh zu überlegen, wie man Weihnachten und die Zeit davor verbringen will. Hat man die Zeit, Kekse zu backen, Krippen zu basteln, Kränze zu binden, Kerzen zu gießen, alle Geschenke zu besorgen oder selbst anzufertigen? Schafft man es, neben Alltag und Beruf eine Familienfeier für zehn Personen zu organisieren? Ehrliche Antworten auf diese Fragen sind ein wichtiger Schritt hin zu einem entschleunigten, langsamen Weihnachten. Auch kann man jahrelang eingebürgerte Gewohnheiten – gemeinsam mit der Familie – hinterfragen. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass diese Gewohnheiten alle nervten, aber keiner es zu sagen wagte, um den anderen das Fest nicht zu verderben.

    Leute, von denen man weiß, dass sie sich nicht vertragen, sollte man getrennt einladen: ein erlaubter Trick, um das Konfliktpotenzial zu verringern. Auch kürzere Besuchszeiten tragen sehr zum Erhalt des Friedens bei. Die Jagd nach Geschenken, von denen dann viele nicht gefallen, nicht gebraucht oder umgetauscht werden, kostet viel Kraft. Etwa 40 % der Menschen empfinden das Geschenkekaufen als den größten vorweihnachtlichen Stressfaktor. Weniger, aber gezielter und bewusster schenken ist eine gute Option. Jedenfalls sollte man mit dem Besorgen der Geschenke früh genug beginnen.
  • Zeit ist das wertvollste Geschenk

    Auch wir von Grüne Erde haben uns fest vorgenommen, heuer einige Regeln zu beherzigen. Etwa, sich selbst keinen Druck zu machen und sich auch von anderen keinen machen zu lassen. Man sollte sich nicht zu viel vornehmen, nicht von einer Weihnachtsfeier zur anderen hasten, nicht alle Adventmärkte abgrasen und jedes Punsch-Standl mit seiner Anwesenheit beehren.

    Wichtig ist, gerade in der Vorweihnachtszeit "einen Gang herunterschalten“, bewusst innezuhalten, mehr in die freie Natur hinaus zu gehen, sich auch Zeit für sich selbst zu nehmen – mindestens eine halbe Stunde pro Tag. Weihnachten besteht nicht (nur) aus Konsum: Zeit ist das knappeste Gut und das wertvollste Geschenk.

    Man sollte nicht unbedingt und mit allen (Finanz)Mitteln das "ganz Besondere“ ausgerechnet zu Weihnachten wollen. Denn, wenn man inne hält, stellt man vielleicht fest, dass das alles ja gar nicht notwendig ist. Dass gerade das Einfache und Langsame dieses "ganz Besondere“ ist. Psychologen warnen davor, das "Familienfest“ mit überzogenen Erwartungen in Bezug auf Harmonie, Freude und Ruhe zu überfrachten, die kaum jemals erfüllbar sind. Man kann an das "Paradoxon“ Weihnachten auch mit dem Gleichmut des griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis ("Alexis Sorbas“) herangehen.
  • “Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.”
    griechischer Schriftstellers Nikos Kazantzakis
  • Auch wir nehmen uns das für Weihnachten 2016 vor. Ganz fest.
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      Kann man Weihnachten "langsam" erleben?

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    • Birgit Luger meint
      Besinnliche Weihnacht

      Jeder kann für sich entscheiden, wie stressig oder entspannt und heimelig die Weihnachtszeit erlebt wird. Einzelne Abende oder Tage bewusst zuhause in aller Ruhe zum Beispiel mit Kerzen zu gestalten oder einfach etwas tun, was man gerne macht und wofür man sich sonst kaum Zeit nimmt. Ich erlebe die Weihnachtszeit für mich sehr verzaubernd, die Lichter überall, die Dekorationen, Weihnachtslieder und -filme lassen mich immer wieder in eine andere ruhige, angenehme und wunderschöne Welt eintauchen. Das wünsche ich auch allen anderen, die es erleben wollen.

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      Grüne Erde antwortet

      Liebe Frau Luger, vielen Dank für Ihre Gedanken zur Weihnachtszeit, die Tipps zur Entschleunigung sowie netten Wünsche. Herzliche Grüße, das Grüne Erde-Team

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    • Marita Hennig meint
      Danke schön

      Herzlichen Dank für Ihre wunderbaren Inspirationen, für Ihre netten Mitarbeiter und die tolle Einkaufsmöglichkeit im Shop

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      Grüne Erde antwortet

      Liebe Frau Hennig, herzlichen Dank für dieses nette Feedback. Es freut uns sehr, dass wir Sie inspiriert und Sie sich in unserem Shop wohl gefühlt haben. Liebe Grüße, das Grüne Erde-Team

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    • Sabine Kaspari meint
      Innenschau an Weihnachten

      Dieses Jahr werden vier Teilnehmer zum Weihnachtlichen "Naikan" kommen. Das bedeutet, sie ziehen sich eine Woche (vom 23.-30.12.) in die Stille zurück und arbeiten intensiv alleine mit drei Fragen ihre Vergangenheit auf. Eine schöne Art, das Jahr zu beenden:-)

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      Grüne Erde antwortet

      Liebe Frau Kaspari, vielen Dank für Ihre Nachricht. Diese Form von „innerer Beobachtung“, das Konzentrieren auf sich selbst, sich meditativ mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen in Zurückgezogenheit und Stille ist wirklich eine sehr schöne Art das Jahr zu beenden und 2017 zu begrüßen. Wir wünschen Ihnen und den TeilnehmerInnen alles Gute

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