We went to the woods ...

  • Wie aus einer Wanderung durch die Wälder des Salzkammerguts eine Reise zum Ursprung von Grüne Erde wird: Die Herkunft und Verwurzelung von Grüne Erde im oberösterreichischen Almtal, am östlichen Rand des Salzkammergutes, prägt unsere Verbundenheit mit Mensch und Natur der Region, beeinflusst unsere Werthaltung und nicht zuletzt auch die Gestaltung unserer Produkte.
  • „Ich zog in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben, wollte dem eigentlichen, wirklichen Leben näher kommen und sehen, ob ich nicht lernen konnte, was das Leben zu lehren hätte, damit ich nicht in der Todesstunde feststellen müsste, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ „I went to the woods ...“, schrieb Henry David Thoreau in seinem Buch „Walden“, nachdem er 1845 in eine kleine Blockhütte am Walden See in Massachusetts gezogen war, um ein einfaches Leben ohne „belastenden Besitz“ zu führen. Bis heute gilt Thoreau als einer der Urväter des naturverbundenen Lebens, als einer der ersten Aussteiger: „Meine letzte Bastion ist der Wald.“

  • Tatsächlich bietet die Natur intensive Erlebnisse, die im Alltag aufgrund einer zunehmend urbanen Lebens- und Berufswelt, und einer zunehmenden Entfremdung des Menschen von der Natur seltener werden. Dabei regt besonders der Wald die Sinne des Menschen an, wirkt sich wohltuend auf Körper, Geist und Seele aus. Neue Konzepte der Naturerfahrung wie etwa „Waldness“ entstehen, und die Bücher von Peter Wohlleben diskutieren, wie Bäume miteinander kommunizieren und wie sie das menschliche Immunsystem stärken. Auch wir ziehen in die Wälder und genießen intensive Naturerlebnisse à la Thoreau: bei einer 6-stündigen frühsommerlichen Wanderung durch die Wälder des Salzkammerguts. Es ist auch ein Versuch der Verortung, ein Bewusstwerden, woher wir – die Grüne Erde – kommen, ein Weg „back to the roots“. Unser Weg ist ein Teilstück des „BergeSeen-Trails“, der durch das ganze Salzkammergut verläuft. Er führt uns von Scharnstein im oberösterreichischen Almtal – Wiege und Mittelpunkt von Grüne Erde – über den malerischen Laudachsee, dicht unter dem mächtigen Traunstein vorbei, bis zum Traunsee bei Gmunden.
  • Es duftet intensiv nach Harz, Distel- und Aurorafalter tanzen von Blüte zu Blüte, man hört den Zilp-Zalp, den Kuckuck, den Buchfink – er ist der lauteste Sänger in den Bäumen. Der krächzende Eichelhäher, die „Alarmanlage des Waldes“, warnt die anderen Tiere vor Eindringlingen wie uns. Begleitet werden wir von der naturkundigen Sabina Haslinger, ihres Zeichens Wander- & Schneeschuhführerin, Kräuterpädagogin und Märchenerzählerin. Außerdem kann sie gut jodeln und lehrt diese besondere Art der Sangeskunst auch. Entlang der buchstäblich über Stock und Stein führenden Waldwege stellt sie uns etwa den Stinkenden Storchschnabel gegen Ohrenschmerzen und als „Kindsmacher-Kräutl“ (zur Fruchtbarkeitssteigerung) vor, den Waldmeister als Zutat für eine belebende Mai-Bowle, den schmerzstillenden Wurmfarn, und den Sauerklee, der seine drei Blätter bei der sanftesten Berührung nach unten klappt. Am verlockendsten scheinen uns jedoch die nach Bittermandeln schmeckenden Jungtriebe der Eberesche – zum Ansetzen eines Almtal-Amarettos!
  • Wir passieren die Schrattenau-Hütte, etwas größer als Thoreaus kleine Behausung, aber ebenso malerisch in den tiefen Wäldern gelegen. Sabina zeigt uns, wie man Tannen und Fichten auf den ersten Blick unterscheiden kann (etwa an der auffällig schuppigen Rinde der Fichte), weist auf Trollblumen und das Weiße Waldvöglein hin: kein zwitscherndes Federtier, sondern eine im Almtal heimische Orchidee. Sie klärt uns auch augenzwinkernd über den „wahren“ Entstehungsgrund des Naturphänomens Nebel auf: Dieser entstünde immer dann, wenn die „Berimandln“ – zwergenhafte Bergleute, die im Wald wohnen und Schätze bewachen –, ihre Wäsche waschen.

    Nach etwa 2,5 Stunden Gehzeit erreichen wir den Laudachsee, eingebettet zwischen dem aufragenden Katzenstein und dem Respekt einflößenden Traunstein, gesäumt von Wald und einer blühenden Feuchtwiese. Hier erzählt uns die quirlige, nimmermüde Sabina die schaurig-schöne Geschichte vom Riesen Erla und der Nixe vom Laudachsee, die – wie jede wirklich gute Liebesgeschichte – traurig endet. Der silberne Sarg, in dem der Riese schließlich seine verlorene Liebe gelegt hatte, soll heute noch in Vollmondnächten vom Grund des Sees heraufschimmern. Sabina zitiert das berühmte Ende dieser Geschichte: „Nixenglück währt nur einen Sommer lang!“ Die abseits des ausgetretenen Pfades, ein wenig versteckt auf 1.020 m liegende „Freundschaftshöhe“ wird zwar bereits 1870 in einem Wanderführer erwähnt, findet heute aber nur mehr wenige Besucher. An diesem Aussichtspunkt gibt es 0 % Handyempfang, aber 100 % Natur: mächtige Buchen, Fichten, Tannen, Lärchen, Ahorne, die senkrecht hochsteigenden Nordostwände des Traunsteins und weit unten der dunkle, tiefe Traunsee, das Ziel unserer Reise. Nicht nur wir sind vom Wald verzaubert: Verschwindet dort nicht gerade Henry David Thoreau hinter einem großen Felsen?