Naturkinder – Einfach raus gehen!

  • Ein Kind im Getreidefeld image-naturkinder-header
  • Häufig wird beklagt, dass den Kindern, „der Jugend von heute“, der Bezug zur Natur abhanden kommt. Natur und Kinder werden gleichermaßen bedauert; bemängelt wird die Erziehung im Allgemeinen und die sogenannten Helikopter-Eltern im Speziellen. Gewiss liegt auch ihnen das Wohl ihrer Kinder am Herzen, aber leider wird dieses allzu oft mit Bildung, noch mehr und noch früheren Förderprogrammen, und mit Anpassung an die Erwachsenenwelt gleichgesetzt. Als Folge dieser Entwicklung werden ADS, Gewalt, Sucht und Fehlernährung genannt, Flucht in die digitale Welt mit ihren sozialen Medien und Computerspielen, sowie eine allgemeine Gleichgültigkeit der Umwelt gegenüber.
  • Entfremdung von der Natur

    Richard Louv, Journalist und Umweltaktivist, prägte den mittlerweile gängigen Begriff „Nature-Deficit-Disorder“, der die zunehmende Entfremdung von der Natur beschreibt. Sicherlich ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen. Noch wichtiger aber erscheint es mir zu handeln; selbst einen anderen Weg einzuschlagen. Und dafür ist es ja bekanntlich nie zu spät! Denn in der Tat kommt dem Aufenthalt in der Natur viel mehr Bedeutung zu als „ein bisschen frische Luft zu schnappen“, Bewegung und Zeitvertreib. Es ist erwiesen, dass der Aufenthalt im Grünen zum Stressabbau beiträgt und einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden und die Gesundheit hat. Darüber hinaus können Kinder dort viel lernen, über die und von der Natur. Auch in sozialer Hinsicht. Sie können das Miteinander üben; zwischen Mensch und Natur, aber ebenso untereinander, wenn man in der Gruppe unterwegs ist. Ihr Selbstvertrauen wird gestärkt, Neugierde geweckt, Kreativität und Fantasie angeregt. Nicht zuletzt kann man draußen jede Menge Spaß haben!

    Um dieses Angebot zu nutzen, sind wir als Eltern, Großeltern, Pädagogen und letztlich als Gesellschaft gefragt, den Kindern den Zugang zur Natur zu ermöglichen. Es ist auch gar nicht so kompliziert. Naturnähe und Umweltbewusstsein leben wir vor. Neugierde und Liebe zur Natur entstehen dann ganz von alleine. Und was das Natur Defizit anbelangt, liegt die Lösung doch auf der Hand: einfach raus gehen!

    Dazu gibt es unzählige Gelegenheiten und Möglichkeiten. Selbst wer denkt, dass die Aussicht auf Schmetterlingen-Hinterherlaufen, Wolken-Betrachten und Blumenkranz-Flechten keine „Couchpotatoes“ vor die Tür lockt, kann einen Ausflug mit interessanten Unternehmungen verbinden: Waldrallye, Fährtenlesen, Tierspurensuche, Tierbeobachtung, Fotowettbewerb. Wer es noch wilder oder gar abenteuerlich mag, motiviert zum Baumhäuser-Bauen, plant eine Nachtwanderung mit Lagerfeuer oder eine Bergtour mit Hüttenübernachtung. Noch spannender ist es, in einem Zelt oder gar im Freien zu übernachten, vielleicht sogar in einem selbstgebauten Tipi oder Iglu!
  • Von der Natur inspirieren lassen

    Auch Feste sind dankbare Aufmacher für einen Tag im Freien, die gerne einem Motto folgen dürfen. Ein „Kräuterhexen- und Zaubermeistertreffen“ zum Beispiel, bei dem Zauberstäbe geschnitzt und Hexenbesen aus Reisig gebunden werden. Zur Stärkung gibt es einen Zaubertrank aus (bekannten und ungiftigen!) Waldkräutern. Wer kann eine Einladung zum „Lichterfest“ mit Nachtwanderung oder zu einem „Wald- und Wiesenkonzert“ mit selbstgemachten Instrumenten wie Weidenpfeifen und Baumstammschlagzeug ablehnen? Oder wer hat schon einmal eine Waldweihnacht gefeiert? Die Natur selbst inspiriert uns ebenfalls zu kreativen Aktionen.
    • Manche Ideen kann man gleich vor Ort umsetzen, andere nimmt man mit nach Hause, vielleicht sogar mit dem benötigten Material für die Umsetzung. Das ist nämlich nicht nur wunderschön, sondern dazu noch günstiger als andere Werkstoffe. Je ursprünglicher, einfacher und naturbelassener die Materialien sind, mit denen wir und die Kinder arbeiten, desto mehr Freiraum wird der Fantasie der Kinder gelassen. So entstehen Mobiles aus Schwemmholz, Blumenteppiche, Eisbilder oder ganze Jahreszeitentische. Allerdings sollte dabei immer das Werken und das Erlebte im Vordergrund stehen, nicht das Ergebnis; die Freude am Entdecken, der Spaß am Machen.
    • Natur – Nicht nur für Landkinder

      Das Beste aber ist, dass man gar nicht immer ein großes Programm braucht, um das Leben und die Natur zu genießen. Manchmal ist einfach ein entspannter Spaziergang ohne ein bestimmtes Ziel angesagt, ohne Stress, durch die Wildnis streunen, geheime Wege beschreiten, im Fluss planschen, auf der Wiese liegen, in den Himmel schauen, die Wolken beobachten, die Augen schließen und den Wind oder das Gras wachsen hören. All das ist nicht nur „Landkindern“ vorbehalten.
    • Selbst in Zeiten, in denen viele von uns in Großstädten leben, muss der Kontakt zur Natur nicht zu kurz kommen. Sowohl in der Stadt als auch am Stadtrand oder in der weiteren Umgebung können wir die Beziehung zur Tier- und Pflanzenwelt pflegen. Meist reichen ein Blick aus dem Fenster, ein paar Schritte vor die Tür, in den nächsten Park zum Beispiel, um mit der Umwelt in Kontakt zu kommen. Für andere Vorhaben muss man schon ein Stück fahren, aber es lohnt sich: Die Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu bewegen, die Natur zu entdecken und zu genießen, sind vielfältig.
    • Blumenwiese und blauer Himmel image-naturkinder-zitat
    • “Man kann einen seligen, seligsten Tag haben, ohne etwas Anderes dazu zu brauchen als blauen Himmel und grüne Erde.”
      Jean Paul
    • Für einen Tagesausflug mit der Familie und Freunden bietet sich in der Umgebung von Großstädten vielleicht ein Biotop, ein Wildpark oder ein Walderlebniszentrum an. Dort gibt es mitunter Erlebnis- oder Barfußpfade, Waldfeste oder es werden naturkundliche Führungen angeboten. Viele dieser Ziele und Veranstaltungen sind mit dem Rad, der Bahn und dem Bus erreichbar, und die Reise selbst wird so zum Erlebnis.
  • Vereine und Organisationen bieten große Auswahl an Programmen

    Darüber hinaus bieten Vereine und Organisationen wie etwa der Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Naturschutzbund oder Alpenverein in ihren Programmen Aktionen und Fortbildungsmöglichkeiten, Kräuterwanderungen, Vogelexkursionen für Kinder und Erwachsene an. Einige gründen Naturgruppen mit regelmäßigen Treffen und verschiedenen Schwerpunkten. Oder warum nicht selbst eine Naturkindergruppe gründen? Sogar auf der Fensterbank lässt sich der Kreislauf der Natur ganz leicht beobachten. Dort kann man in kleinen Töpfen Samen aussäen, den Pflanzen beim Wachsen zusehen, vielleicht sogar etwas ernten, wiederum Samen sammeln und so fort. Und das ist nur eine Möglichkeit, die Natur ins eigene Heim zu bringen.

    Wir können einen Garten, falls vorhanden, naturnah und tierfreundlich gestalten, nachhaltig wohnen und bauen, Naturmaterialien verwenden. Auch im Alltag, beim Wohnen, Essen, bei der Kleidung, Pflege, Energie und Freizeitgestaltung können wir so weit wie möglich auf Nachhaltigkeit in Hinblick auf Materialien, Herkunft, Produktion und Entsorgung achten. Wenn wir Kinder haben oder betreuen, übernehmen wir noch ein Stück mehr Verantwortung. Nicht nur für diese selbst, sondern im weiteren Sinne auch für unseren Planeten, den wir den nachfolgenden Generationen übergeben müssen. Das ändert unser Bewusstsein, unsere Prioritäten, und entsprechend treffen wir unsere täglichen, großen und kleinen Entscheidungen. Wir können dabei bestimmt nicht alles richtig machen, aber wir können unser Bestes geben, ohne uns oder die Kinder zu überfordern. Wenn wir ihnen das vorleben, dürfen wir hoffen, dass sie die Natur schätzen und lieben lernen und sich selbst einmal engagiert für die Umwelt einsetzen.
    • Caroline Hosmann

      Caroline Hosmann – Portrait Die Naturpädagogin und Autorin Caroline Hosmann lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern im Süden von München.

      Dort ist sie mit ihren eigenen und den Kindern ihrer Naturkindergruppe in Wald und Flur unterwegs und kreativ mit Naturmaterialien. Ihre Ideen, Rezepte und Aktionen für drinnen und draußen teilt sie auf www.naturkinder.com und in ihren Büchern:
      NATURKINDER und Feiern mit den NATURKINDERN sind im Haupt Verlag erschienen.
      • Gewinnspiel

        Wir verlosen unter allen Einsendungen bis 30. September 2017 drei Exemplare des Buches „Feiern mit den Naturkindern“ von Caroline Hosmann.
      • Buchcover Feiern mit den Naturkindern
        Einsendungen entweder per Post an
        Redaktion goodtimes, Hauptstraße 9,
        A-4644 Scharnstein oder
        per Mail an goodtimes@grueneerde.com

        Feiern mit den Naturkindern
        Caroline Hosmann, 176 S.,
        zahlreiche farbige Abbildungen, 23,5x26cm


  • image-weissraum-60px
    • Diskutieren Sie mit uns über das Thema Kinder in der Natur!
      *Pflichtfelder
    • Weitere spannende Artikel

      In unserem Newsletter informieren wir Sie über aktuelle Grüne Erde-Neuigkeiten & weitere Themen, die uns bewegen. Jetzt anmelden!
    • DUKKAH-Puppenmanufaktur meint
      Toller Artikel

      Ganz toller Artikel liebe Caro. Den teile ich gleich mal auf Facebook❤ Und das Buch tät ich ja zu gerne gewinnen. Ich habe es nämlich bisher nur in Dauerschleife aus der Stadtbibliothek geliehen.

      Antworten

      Grüne Erde antwortet

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme am Gewinnspiel. Dazu bitte einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Feiern mit den NATURKINDERN“ an goodtimes(at)grueneerde.com oder per Post an Redaktion goodtimes, Hauptstraße 9, 4644 Scharnstein, Österreich übermitteln. Einsendeschluss ist der 30. September 2017. Wir drücken Ihnen die Daumen. Beste Grüße, das Grüne Erde-Team

      Antworten