Rauhnacht, geheimnisvolle Nacht!

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  • Mythen und Geschichten ranken sich um die Rauhnächte, begleitet von Bräuchen, Traditionen und Ritualen. Ihr Ursprung reicht weit zurück in die vorchristliche Zeit, Vorstellungen und Gedankenwelten sind darin verschmolzen und doch bleiben viele regionale Unterschiede. Eines aber ist überall dort, wo man die Rauhnächte kennt, gleich: Sie sind geheimnisvoll, sagenumwoben und bedeutungsvoll.

    Die Rauhnächte liegen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, der Übergang vom alten ins neue Jahr wird vollzogen, die Nächte sind lang, es ist dunkel und kalt. Denkt man sich in eine Zeit zurück, wo es noch nicht für alles eine Erklärung gab, wo Finsternis noch furchterregender und wo der Wolf noch bei uns heimisch war, dann kann man gut verstehen, dass die Menschen sich ihre Rituale gesucht haben. Sie beruhigen, geben Zuversicht, verbinden und helfen Kraft zu sammeln. Es heißt, was uns in den Rauhnächten begegnet – im Traum, an Ideen, Inspirationen, Vorstellungen, kleinen Erlebnissen – das wird sich auch im Jahr wiederfinden. Jede der 12 Rauhnächte steht dabei für einen Monat des Jahres.

    Eine Grüne Erde-Mitarbeiterin knüpft in diesen ruhigen und besinnlichen Tagen nach Weihnachten auch an diese jahrhundertealte Tradition an. Sie führt ein Traumtagebuch, schreibt jeden Morgen ihre Gedanken auf und achtet besonders sorgfältig auf ihre Stimmung und Gefühle. Ein schönes Ritual, um aufgeräumt, erwartungsvoll und mit viel Energie in das neue Jahr zu starten. Wie sehr uns die Frage beschäftigt, was uns die Zukunft bringt, zeigen auch noch andere Bräuche der Rauhnächte, die bis heute weit verbreitet sind – zum Beispiel das traditionelle Bleigießen an Silvester.

    Aber die Rauhnächte sind nicht nur nachdenklich und besinnlich, sie sind auch gefährlich, wild und unheimlich. Es ist die Zeit, in der wir der geistigen Welt sehr nah sind – den Geistern, Hexen und Dämonen. Viele Rituale, zum Beispiel das Räuchern von Wohnungen und Stallungen, dienen dazu negative Energien zu vertreiben, zu schützen und zu reinigen. Am Ende des Jahre muss das Alte, Vergangene, nicht mehr notwendige losgelassen werden. Die Räume sollen mit Neuem, mit Licht und Zuneigung gefüllt werden.

    Der unheimlichen Seite der Rauhnächte begegnet man zum Beispiel noch eindrucksvoll und offensichtlich im österreichischen und bayrischen Alpenraum bei traditionellen Perchtenläufen. Dunkle Gestalten ziehen lärmend, mit Glocken bewaffnet, durch die Straßen und vertreiben die bösen Geister des Winters und das alte Jahr – eine Attraktion an der zunehmend auch Touristen gefallen finden.

    Traumtagebuch, Bleigießen, Räuchern oder Perchten – die Rauhnächte tragen noch viel schöne, wertvolle und geheimnisvolle Bräuche. Welche Rolle spielen die Rauhnächte in Ihrer Heimat? Wir sind gespannt auf kleine Geschichten, Traditionen und Erinnerungen.
    • Was sind Ihre Rituale in den Rauhnächten?
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    • Christian Posch meint
      Uralter Pinzgauer Brauch in den Rauhnächten

      Bei uns im Salzburger Pinzgau gibt es noch eine schöne Tradition in den Rauhnächten: Das Trestern. Eine Pass (Gruppe) von etwa 25 Personen zieht als Trestererpass von Hof zu Hof. Darunter sind verschieden Figuren, die die Dunkelheit vertreiben, das Böse bannen und für das kommende Jahr Glück bringen. Die "Schiachperchten" (ähnlich den Krampussen) vertreiben das Dunkle, Kalte und Böse. Die Figur des "Kråpfenschnappers" (als Fuchs verkleidet) symbolisiert den Schutz des Hühnerstalls, das "Zapfenmandel" den Schutz für die Holzknechte und Waldarbieter, das "Werchmandel" den Schutz der Bäume und Vegetation, weiters der "Hühnerpercht" als Schutz des Hühnerstalls vor Raubzeug (Raubvögeln), die Håbergoaß (eine übergroßer Ziegenbock, der mit den Zuschauern seinen Schabernack treibt), Låp und Lappin (der Låp, ein meist etwas zurückgebliebener Knecht, der am Hof auch einmal Kritik üben durfte und die Lappin, eine naive Magd, die ständig schwanger war und somit die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung symbolisiert) und zu guter letzt die Tresterer: in Brokatgewändern gekleidete Figuren, mit einem Hut aus Hahnenfedern und prächtigem Aufputz, die den traditionellen Stampftanz aufführen und den Zuschauern "an G'sund, an Fried und an Reim" wünschen (Gesundheit, Fried und Glück). Einziger öffentlicher Auftritt ist zum Beispiel am 6. Jänner, dem Dreikönigstag am Stadtplatz in Zell am See. Für uns der Inbegriff der Weihnachtszeit.

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      Grüne Erde antwortet

      Lieber Herr Posch, vielen Dank für Ihre Nachricht und die interessanten Informationen zum Pinzgauer Brauchtum betreffend Rauhnacht. Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit. Liebe Grüße, das Grüne Erde-Team

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    • Gabriel Lauchard meint
      Räuchern

      Unser Ritual in der Familie woran ich mich als Kind erinnern kann, war das Räuchern ! Das war immer sehr schön und faszinierend ! Auch weil das ganze Haus dann geduftet hat! Aber das Räuchern kommt leider immer weniger vor, am Land noch eher, in den Städten immer weniger ! Sehr schade !

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