Erste "Gemeinwohlbilanz" von Grüne Erde

  • Wir erstellen unsere erste Gemeinwohl-Bilanz, freuen uns über den "moralischen Ritterschlag" zum Pionier der Gemeinwohl-Ökonomie und geben wohlwollend kritisches Feedback zu den Bilanzkriterien.
  • Macht, Geld & sittliche Ideale

    Gemeinwohlökonomie „Den Armen geht es dreckig, ihr Elend schreit zum Himmel. Gold und Silber sind Sinnbild von Dekadenz. Der Staat schützt die üblen Machenschaften der Reichen, die nichts anderes im Sinn haben, als zu überlegen, wie sich die Arbeit der Armen so billig wie möglich erkaufen und missbrauchen lässt.“ So schonungslos analysiert der englische Politiker und Gelehrte Thomas Morus die Verfasstheit seines Landes. Aber Morus beschreibt in seinem 1516 erschienenen Werk „Utopia“ auch einen idealen Gegenentwurf: eine Gesellschaft, in der das Leben gerecht und friedlich, das Geld abgeschafft ist. Es herrscht radikale Gleichheit, alles gehört allen gemeinsam, und die Regierung wird demokratisch gewählt. Morus’ „Utopia“ gilt als die Ur-Schrift vom Traum eines besseren Lebens.

    Für Morus war eine Gesellschaft nur dann gut und gerecht, wenn sie nicht auf Macht und Ökonomie, sondern auf sittlichen Idealen beruht – und auf einem Eigentumsbegriff, der dem Egoismus des Einzelnen Grenzen setzt. Wie verkommen müsse eine Gesellschaft sein, so fragte er, die alles nach dem Wert des Geldes bemisst. Daher orientieren sich Recht und Gesetz in „Utopia“ am Gemeinwohl.

    Auch die heutige Reformbewegung der Gemeinwohl-Ökonomie folgt der Idee einer anderen Art des Wirtschaftens, der Politik und des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
    • Die erste Grüne Erde-Gemeinwohlbilanz

      „Auch wenn Grüne Erde als privatwirtschaftliches Unternehmen nicht alle Ziele und Maßnahmen der Bewegung vorbehaltlos teilt, stehen wir ihren visionären Ideen positiv gegenüber und erkennen in der grundsätzlichen Betrachtungsweise viele Gemeinsamkeiten“, sagt Grüne Erde-Eigentümer und Geschäftsführer Kuno Haas.

      Daher unterstützen wir die Ideen der Gemeinwohl-Ökonomie, etwa durch die Widmung von 5 % des jährlich erwirtschafteten Ertrages für Gemeinwohlaktivitäten. Oder durch die Erstellung einer „Gemeinwohlbilanz“. Die erste derartige Grüne Erde-Gemeinwohlbilanz ist als Download verfügbar.

      Die von externen Auditoren geprüfte Gemeinwohlbilanz bewertet den Erfolg eines Unternehmens nicht anhand des Finanzgewinns, sondern anhand von Kriterien wie: ethisches Beschaffungs- und Finanzmanagement, Arbeitsplatzqualität und Gleichstellung, Einkommensverteilung, innerbetriebliche Demokratie und Transparenz, Kundenbeziehung, Solidarität mit Mitunternehmen, ökologische Gestaltung, Sinn und gesellschaftliche Wirkung der Produkte, Beitrag zum Gemeinwesen, Reduktion ökologischer Auswirkungen, gemeinwohlorientierte Gewinnverwendung.
  • Ökologie sollte höher bewertet sein

    Gemeinwohlökonomie Wir haben unsere Gemeinwohlbilanz sehr ernst genommen und uns viel Mühe mit der Erstellung des Berichts gegeben: Insgesamt haben alle Beteiligten – unter der Leitung von Geschäftsführer Friedrich Mayr-Kern und Projektkoordinatorin Anna Thaler – mehr als 300 Stunden (!) daran gearbeitet.

    Wir haben dem Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie www.ecogood.org auch unsere Kritik an der Konzeption der Bilanzkriterien (Version 4.1) mitgeteilt. Bei vielen Themen stimmen wir mit den Zielen und Vorschlägen der Gemeinwohl-Ökonomie überein, bei einigen hingegen nicht. Es ist keine Frage von „guten“ oder „schlechten“ Ideen, sondern eine Frage der Sichtweise.

    So etwa wünschen wir uns einen höheren Stellenwert von Ökologie und Nachhaltigkeit, und weniger bürokratischen Aufwand. Die Vergleichbarkeit der Bilanzen verschiedener Unternehmen ist noch optimierungsfähig. Und so manche Zielformulierung lässt sich unserer Ansicht nach mit der Praxis selbst eines wohlgesonnenen Betriebes schwer vereinbaren.

    So sind die regelmäßige Wahl der Führungskräfte oder die Forcierung einer vegetarischen bzw. veganen Ernährung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dinge, bei denen wir nicht mitgehen können. Weiters sind unserer Ansicht nach einige Kriterien der Bilanz eher im Hinblick auf gemeinwohlschädigende Unternehmen formuliert. Die Bemühungen gemeinwohlfördernder Betriebe hingegen werden nicht immer ausreichend honoriert.

    Doch der Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie arbeitet bereits mit großem Einsatz an einer neuen Version (5.0) des Bilanz-Konzeptes. Diese soll viele Verbesserungen, in die u. a. auch unser Feedback eingeflossen ist, enthalten und ab Mai 2017 gültig sein.
  • Leuchtturm in der Branche

    Im Jänner 2017 wurde das Audit unserer Gemeinwohlbilanz abgeschlossen: Mit 749 Punkten erreichte Grüne Erde die Höchstmarke aller bis dato von externen Auditoren bewerteten Unternehmen.

    Seitens der Auditoren hieß es dazu: „Als Pionierbetrieb der konsequenten ökologischen Ausrichtung haben Sie eine Leuchtturmfunktion in der Branche und darüber hinaus im gesamten Ökologiebereich. Als Pionierbetrieb der Gemeinwohl-Ökonomie rangieren Sie an der Spitze.“

    Neben dem „moralischen Ritterschlag“, den solcherart geehrte Unternehmen gerne entgegennehmen, soll eine hohe Gesamtpunktezahl dem jeweiligen Betrieb aber noch zusätzliche Vorteile bringen: So schlagen die Proponenten der Gemeinwohl-Ökonomie zum Beispiel niedrigere Steuern, Vorrang bei öffentlichen Aufträgen oder direkte staatliche Förderungen als „Belohnung“ vor.

    Derzeit ist dies aber noch Zukunftsmusik – was zum Wesen einer Utopie gehört. Doch wie sagte der stets für soziale Gerechtigkeit eintretende französische Schriftsteller Victor Hugo: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“
  • Fotos: Wikipedia