Kaschmir Ausstieg – ökologische Probleme und Etikettenschwindel

  • „Vertraue, aber prüfe nach!“ – Bei hochwertigen Naturfasern ist das alte russische Sprichwort gültig wie eh und je. Grüne Erde ersetzt Kaschmir durch Alpaka und Yak.
  • Kaschmirziegen und deren Wolle image-kaschmir-ausstieg-header
  • Die Nachfrage nach Kaschmirwolle auf dem Textil- und Fasermarkt hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Auch bei vielen Grüne Erde-Kunden waren Bekleidungstextilien, Decken und Kissen aus dieser kostbaren Edelfaser sehr beliebt.
    Der Boom hatte aber fatale Folgen: Insider schätzen, dass heute drei- bis viermal so viel „Kaschmirwolle“ auf dem Markt ist, wie der Bestand an Kaschmirziegen in China und der Mongolei hergeben würde. Der im Raum stehende Verdacht auf Etikettenschwindel auf Seite von Rohfaserproduzenten und -händlern bestätigt sich in letzter Zeit immer häufiger. Die hohe Nachfrage nach teurer Kaschmirwolle auf dem Fasermarkt rief geschickte, gewerbsmäßige Fälscher auf den Plan, weckte kriminelle Energien, förderte profitoptimierte, nicht artgerechte Tierhaltung und betrügerische Machenschaften in der Faserverarbeitung, etwa das undeklarierte Vermischen von Kaschmir mit Schurwolle oder sogar Kunstfasern.
  • Ökologisches Problem durch Überweidung

    Aufgrund der immer perfekter werdenden (Ver)Fälschungen von Kaschmirwolle kann die Echtheit der Faser nur sehr schwierig bis gar nicht festgestellt werden. Dazu kommt ein massives ökologisches Problem: Durch die in den letzten Jahren stark angewachsenen Herden von Kaschmirziegen in China und der Mongolei beginnen die ohnehin kargen Weideflächen durch Übernutzung zu versteppen, weil zu viele Tiere zu lange auf den selben Weiden verbleiben, und die Ziegen das Gras mitsamt den Wurzeln ausreißen. Die Folgen sind Kahlfraß, Bodenerosion durch den Wind und massive Eingriffe in ein ohnehin sensibles ökologisches Gleichgewicht.

    Wir sind entsprechend unserer Grundwerte ständig um die Wahrung der Qualität, die Verbesserung unserer Rohstoffe sowie eine umweltgerechte Faserproduktion bemüht, weshalb wir jegliche Hinweise aus unsaubere Geschäftspraktiken penibel nachprüfen, denn „dowerjai, no prowerjai!“ (nach dem russischen Sprichwort: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“). Darüber hinaus ist Ehrlichkeit gegenüber unseren Kunden für uns ein unabdinglicher Wert.

    Schon im Vorjahr haben wir deshalb reagiert und die Deklaration unserer Kaschmir-Produkte von 100 % Kaschmir auf 80 % Kaschmir, 20 % Schurwolle geändert, weil diese Zusammensetzung bis dato von uns garantiert werden kann. Immer perfekter werdende Fälschungen machen es jedoch inzwischen schwierig bis nahezu unmöglich, die Echtheit der Faser feststellen und garantieren zu können.

    Aufgrund der Faktenlage haben wir das umstrittene Kaschmir aus allen Sortimenten gestrichen – und bei Decken, Kissen sowie Unterbetten nun (Sommer 2017) mit heimischer Alpakawolle und Yakhaar einen mehr als gleichwertigen Ersatz gefunden.
  • Alpaka aus Österreich und Deutschland*

    Weißes flauschiges Alpaka „Vlies der Götter“ – so nannte man Alpakawolle aufgrund ihrer außerordentlichen Feinheit und Kostbarkeit in ihrer südamerikanischen Heimat. Bei aller Wertschätzung für Alpakawolle aus den Anden haben wir uns in Bezug auf Decken, Kissen und Unterbetten dennoch für äußerst hochwertige Alpakawolle österreichischer und deutscher Herkunft entschieden.
    Dadurch werden heimische Betriebe und die regionale Landwirtschaft unterstützt, die Transportwege sind relativ kurz. Die ganze Lieferkette von der Herkunft der Faser auf den Alpaka-Höfen über die Verarbeitung bis zur fertigen Decke ist transparent, dokumentiert und nachvollziehbar.

    Der heimische Alpakamarkt ist in den letzten Jahren konstant gewachsen, Trend: weiter steigend. In Deutschland werden derzeit etwa 14.000, in Österreich rund 2.000 bis 2.500 Alpakas gehalten. Bisher gibt es nur sehr wenige hauptberufliche Alpakazüchter. Die meisten halten nur einige wenige bis einige Dutzend Tiere. Doch die Produktion von Alpakawolle ist für viele heimische Kleinbauern eine mögliche sinnvolle Alternative zur konventionellen Viehhaltung, und bietet die Chance, auf hochwertigere, rentablere Produkte umzusteigen.
  • Yak aus der Mongolei

    Ein Yak aus der Mongolei Yakhaar ist etwa gleich fein wie Kaschmirwolle (Ø ca. 19 Mikrometer) und bietet auch in Bezug auf Feuchtigkeitsaufnahme und Wärmevermögen durchaus vergleichbare Eigenschaften. Aber: Yakhaar ist in größeren Mengen verfügbar, daher preisgünstiger und wohl auch deshalb bisher vor Fälschungen verschont geblieben.

    Das Yakhaar für Grüne Erde-Decken, Kissen und Unterbetten kommt aus der Mongolei. Nach dem langen Winter, im Mai, stoßen die kälteresistenten Yaks das wärmende Unterhaar ab. Kurz davor wird es ausgekämmt oder geschoren. Dieses Unterhaar ist ungemein fein, zart, leicht, weich und warm.
    Derzeit leben in der Mongolei etwa 650.000 Yaks. Sie sind im Vergleich zu normalen Hausrindern wesentlich scheuer und wilder. Die Tiere fühlen sich in Höhenlagen zwischen 2.000 und 3.500 Metern am wohlsten, und verbringen 365 Tage im Jahr auf der Weide.

    Das Yak wurde vor etwa 3.000 bis 4.000 Jahren domestiziert. Bis heute sind die Tiere für die bäuerliche Bevölkerung in Zentralasien von großer Bedeutung, eine wichtige Lebensgrundlage und Einkommensquelle. Die Rinder dienen als Last-, manchmal auch Reittiere, werden aber ebenso wegen ihres Fleisches sowie ihrer Milch gehalten. Nicht zu vergessen: die kostbare Wolle!
  • *Die Alpaka-Produkte sind voraussichtlich ab September 2017 lieferbar.
  • Fotos: Fotolia, Grüne Erde
    • Diskutieren Sie mit!

      Was denken Sie über den "Kaschmir-Ausstieg" von Grüne Erde und die Forcierung heimischer Alpakawolle? Soll man auf Edelfasern überhaupt verzichten? Sich auf Schurwolle beschränken?

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    • Edith Schanner meint

      Ich begrüße diese Entscheidung! Es ist schön zu sehen, dass Sie als Unternehmer laufend hinterfragen und sich vor Veränderungen nicht "fürchten"; grundsätzlich sollten heimische Anbieter und Möglichkeiten ohnedies immer bevorzugt werden!

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    • Putzinger wolfgang meint
      Alpaka faser

      wir als Alpaca Austria freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Grüner Erde und über die Wertschätzung die unsere Tiere erfahren. Wir garantieren beste Qualität von gut gehaltenen Tieren - auf gute Zusammenarbeit Putzinger W Obmann AAA

      Antworten

    • Eva Weiß meint
      Kaschmir Ausstieg

      Ich finde den Ausstieg mutig , die Konsequenzen daraus zu ziehen . Vor allem, dass wir als Kunden die Hintergründe erfahren und uns generell mehr Gedanken machen sollten was wir kaufen - wo auch die Wertschöpfung in unserem Land bleibt .. Viel Erfolg mit der neuen Serie !

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      Grüne Erde antwortet

      Guten Tag Frau Weiß! Danke für Ihr Feedback und Ihre Wünsche für unsere neue Kollektion. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag. Liebe Grüße aus dem Almtal, das Grüne Erde-Team

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    • ulli mugrauer meint
      kaschmir-ausstieg

      kaschmir-Ausstieg ist ok, Alpaka und Yak Wolle die in Österreich produziert wird, find ich sehr gut weil 1. sehr angenehm in der Benutzung ist und 2. in Österreich produziert und für Bauern eine neue Chance ist

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      Grüne Erde antwortet

      Sehr geehrte Frau Mugrauer! Es freut uns zu lesen, dass Sie mit uns einer Meinung sind. Die Alternativen Yakhaar und Alpakawolle haben hervorragende Eigenschaften. Danke für Ihr Kommentar und Ihre Unterstützung. Freundliche Grüße, das Grüne Erde-Team

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