• Tuchfabrik Mehler: Eine kleine Fabrik mit großer Tradition

  • Die Tuchfabrik Gebrüder Mehler aus Tirschenreuth ist ein ganz besonders wertvoller Partner für uns: Gemeinsam werden hochwertige Mode- und Möbelstoffe entwickelt und hergestellt – von der ersten Idee bis zum fertigen Stoff. So wie auch unsere 19 GOTS-zertifizierten Streichgarn-Möbelstoffe, die sorgfältig in 3-jähriger Pionierarbeit entstanden sind. Das Unternehmen in der Oberpfalz produziert seit 2001 hochwertige Gewebe für Grüne Erde.
  • Der Mann hinter den Möbelstoffen

  • Die Möbelstoffe von Grüne Erde

      • „Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Bezugsstoffe bis dato einzigartig sind.“ Das sagt ein alter Hase der Branche, der nicht gerade zu Superlativen neigt: Paulus Mehler ist Geschäftsführer der kleinen Tuchfabrik Gebrüder Mehler in Tirschenreuth, Oberpfalz. Er hat gemeinsam mit uns die Möbelstoff-Kollektion von Grüne Erde entwickelt. Das 3-jährige Stoffprojekt sei tatsächlich eine „Pionierarbeit“ gewesen, so Mehler. Denn: „Polstermöbelstoffe aus 100 % Schurwolle in GOTS-Qualität zu erzeugen: Das steckt absolut noch in den Kinderschuhen. Es ist wenig Rohmaterial verfügbar, das die strengen Kriterien erfüllt, und es gab lange Zeit keine GOTS-zertifizierten Farbstoffe zum Färben der Wolle.“

        Beim Stoff Stavang etwa musste lange experimentiert werden, um überhaupt umweltverträgliche Farben zu finden, die sich beim intensiven Walken des Gewebes nicht wieder von den Fasern lösen. Ergebnis dieser Pionierarbeit sind nun 19 Streichgarnwollstoffe in naturnahen Farbtönen: Der in „Salz-und-Pfeffer-Optik“ gehaltene Elverum; Kaland in geflechtartiger Panamabindung; Sletta mit prägnanter Fischgratbindung. Stavang wiederum ist zusätzlich gewalkt und daher lodenähnlich weich und glatt.

      • Wunschliste ans Christkind

        Neben diesen neu entwickelten Möbelstoffen aus Schurwolle steht nach wie vor unser Klassiker Tanaro aus Schurwolle und Hanf. Auch er wird von Mehler – seit Jahren – hergestellt. „Unsere Vorgaben in Bezug auf Qualität, Ökologie, Fasern, umweltverträgliche Fertigung, Webmuster und Farben der Möbelstoffe glichen einer Wunschliste ans Christkind“, räumt Wolfgang Viehböck ein, Produktmanager Möbel und zuständiger Projektleiter bei Grüne Erde. Das „Christkind“ – in diesem Fall die Tuchfabrik Gebrüder Mehler – webt seit fast 20 Jahren hochwertige, natürliche Möbelstoffe für uns.

      • “Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Bezugsstoffe bis dato einzigartig sind.”
        Paulus Mehler, Geschäftsführer Tuchfabrik Mehler
    • Bis an den Rand des technisch Machbaren

      Ohne die lange Tradition Unternehmens und die persönliche Erfahrung von Paulus und seiner kongenialen Schwester Edith wäre unser Möbelstoff-Projekt nicht so erfolgreich gewesen, „... auch wenn wir die beiden vermutlich mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht haben“, sagt Wolfgang Viehböck. Ein Beispiel: Beim Weben herkömmlicher Bezugsstoffe werden die Fasern zuvor chemisch aufbereitet, um besser, schneller und einfacher verarbeitet werden zu können. Das kam bei den Grüne Erde-Stoffen von Anfang an nicht infrage. Also musste man bei Mehler die technischen Möglichkeiten der Webstühle so weit wie möglich ausreizen, um unsere hohen Anforderungen an Qualität und Ökologie zu erfüllen. Das ging oft bis an den Rand des technisch Machbaren. So muss man etwa sehr langsam weben, um bei chemisch unbehandelten Schurwollgarnen den klassischen Fadenriss zu vermeiden. Und im Lauf der Entwicklungsarbeit wurden Hunderte (!) verschiedene Musterstoffe in Kleinstmengen für uns gewebt ...

    • Konsequent ökologisch

      • Die Weberei ließ sich GOTS-zertifizieren – ein kostenintensiver, bürokratisch aufwendiger Prozess – damit auch diese 19 neuen, für Grüne Erde hergestellten Möbelstoffe GOTS-zertifizierbar sind. Die Schurwolle dafür stammt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), sämtliche Verarbeitungsschritte und alle an der Verarbeitung beteiligten Betriebe erfüllen die strengen ökologischen und sozialen Anforderungen des weltweit führenden Regelwerks zur Produktion von Naturtextilien, des Global Organic Textile Standard (GOTS). Die Rohwolle wird in einer Niederlassung Mehlers in Forst/Lausitz mit absolut schwermetallfreien Farben gefärbt („Flocke-Färbung“) und dann zu Garnen versponnen. Gewebt und ausschließlich mechanisch ausgerüstet – gefilzt, gewaschen, getrocknet, abgeschoren, gepresst – werden die Stoffe dann bei Mehler im oberpfälzischen Tirschenreuth.

        Die Gewebe wurden vom renommierten Hohenstein Textile Testing Institute in Bönnigheim geprüft, etwa auf Zug- und Reißfestigkeit, Scheuerbeständigkeit, Flusenbildung, Pillneigung, Agrar- und Verarbeitungschemikalien. Ergebnis: Diese Möbelstoffe erreichen in Bezug auf Strapazfähigkeit gegenüber mechanischer Belastung das Maximum dessen, was mit naturbelassenen, chemisch nicht ausgerüsteten Wollfasern möglich ist. Insektizid- und Pestizidrückstände, Schwermetalle, Lösungsmittel sowie Azo-Farbstoffe lagen unter der Bestimmungsgrenze bzw. deutlich unter den GOTS-Grenzwerten, Licht- und Reibechtheit der Stofffarben hingegen deutlich besser als die geforderten Mindestwerte. Gesamtbeurteilung der Hohenstein-Prüfungen: „Keine Beanstandungen.“

    • Tradition: Dem Klugen leuchtet sie den Weg

      Unsere Möbelstoffe sind atmungsaktiv, luftdurchlässig und hautfreundlich, aber – eine „naturgemäße“ Besonderheit – anspruchsvoller in der Pflege und im täglichen Umgang als herkömmliche synthetische Bezüge. So etwa sind Naturstoffe weniger elastisch und werden daher mit der Zeit Wellen und Falten bilden. Ziel von Grüne Erde war es, als Ergänzung zu den natürlichen Polstermaterialien unserer Sofas neue, konsequent ökologische Bezüge, so nahe wie nur irgend möglich an der Natur, zu entwickeln, was für die Kunden nun auch an der GOTS-Zertifizierung erkennbar ist. Insgesamt keine kleine Herausforderung, zumal es keine Rezepte, Formeln oder Wegweiser gab, denen man folgen konnte: das übliche Los von Pionieren. Ähnliches gilt auch für unseren Partner, die Tuchfabrik Mehler: Sich nach 375 Jahren Firmengeschichte an etwas derart Außergewöhnliches heranzuwagen, erfordert Mut. Doch wie sagte George Bernard Shaw: „Tradition ist eine Laterne: Der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen aber leuchtet sie den Weg.“
  • Fotos: Rahim Arnold, Grüne Erde