Was das Netz über uns weiß

  • Wer als Stammgast regelmäßig im gleichen Hotel eincheckt, wird dafür belohnt: Schon beim Empfang wartet der Kaffee, wie immer mit Milch und zwei Stückchen Zucker, abends ist der bevorzugte Tisch im Restaurant bereits reserviert, und der Koch überrascht mit dem Lieblingsgericht. Problematisch wird es aber, wenn einem das auf Geschäftsreise in einem fremden Hotel passiert.
  • Datenschutz & Datensicherheit
  • Was in der realen Welt absurd wirkt, ist in der virtuellen Welt schon längst Realität. „Technologien entwickeln sich schneller als ein tiefes Verständnis dafür entstehen kann“, meint der Münchner Datenschutzexperte Benjamin Kohl. Jeden Tag hinterlassen wir im Internet unzählige Spuren, die von Unternehmen, von staatlichen Behörden und kriminellen Organisationen begierig gesammelt werden, um uns immer besser durchleuchten und vorhersagen zu können.

    Das digitale Zeitalter stellt nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Unternehmen wie die Grüne Erde vor schwierige Entscheidungen: Wie kann man die faszinierenden Möglichkeiten des Internets verantwortungsvoll nutzen? Dabei war für uns von Anfang an klar: Die Grundsätze, die wir in der realen Welt haben, gelten auch in der digitalen Sphäre. Und dazu zählt das eiserne Prinzip, dass die Daten unserer Kundinnen und Kunden ausschließlich bei uns bleiben und niemals an Dritte weitergegeben werden.

    • Aus diesem Grund verzichten wir ganz bewusst auf viele nützliche Online-Werkzeuge wie Google Analytics oder Remarketing – kurzum auf all die kleinen Spione, die Sie auf ihrem Weg durch das Internet verfolgen, ihre Daten sammeln und an unbekannte Dritte weiterleiten. Wir verwenden Messwerkzeuge, bei denen die Daten in Deutschland gespeichert sind und wo keine Speicherung bzw. Zusammenführung von Nutzungsdaten und personenbezogenen Daten sichergestellt ist. Bei unserer Homepage und im Webshop setzen wir auf eine Java-basierende Individualsoftware, um die volle Kontrolle über den Datenschutz zu gewährleisten – bei handelsüblichen Standardwebshops bleibt stets die Frage offen, ob diese nicht doch Informationen in die Welt senden. Außerdem verabschieden wir uns ab sofort von allen Sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+ und Twitter, weil dort in zunehmenden Maß jeder Kommentar und jedes „Gefällt mir“ für die Werbewirtschaft ausgewertet wird. Da machen wir einfach nicht mehr mit!

      Lieber kommunizieren wir mit Ihnen über sichere Kanäle. Gerne halten wir Sie mit unserem wöchentlichen Newsletter auf dem Laufenden (hier anfordern!). Aktuelle Informationen finden Sie immer sofort auf unserer Homepage!

  • Interview mit Benjamin Kohl

    Im Gespräch mit Goodtimes berichtet Benjamin Kohl, der Kreativdirektor der Münchner Agentur Spektrum 44, was Datenschutz im digitalen Zeitalter bedeutet.

    Kann ein fremdes Hotel über solche Informationen verfügen? Und warum empfinden wir das nicht als Service, sondern als Eindringen in die Privatsphäre?

    Wir erwarten, dass wir die Menschen kennen, die so viel über uns wissen. Und wir wollen selber entscheiden, was wir von uns offenbaren und wem. Das Sammeln von Daten für zielgerichtetes Marketing ist nicht neu. Allerdings ist es heute leichter, sich über jeden und alles Informationen zu beschaffen. Manchmal passiert das illegal, vieles wird aber mehr oder minder freiwillig oder leichtsinnig preisgegeben. Denkbar ist viel: Mails, Kontobewegungen, Kartenzahlungen und alles, was Behörden und Unternehmen digital von uns erfassen, ist im Netz und oft nicht gut geschützt. Hinzu kommen soziale Medien, online Einkäufe, Buchungen und die Tatsache, dass über Mobiltelefone Bewegungsprofile erstellt werden können. So gesehen - wenn er sich Mühe gibt - weiß ein Fremder mehr über mich als ein vertrauenswürdiger Gastgeber.

    Müssen wir uns damit abfinden, weniger Privatsphäre zu haben?

    Abfinden auf keinen Fall, im Gegenteil, wir müssen die digitale Welt für alle greifbarer und überschaubarer machen. Technologien entwickeln sich schneller, als ein tiefes Verständnis dafür entstehen kann. Wir dürfen die Möglichkeiten aus rechtlichen und moralischen Gründen nicht ausschöpfen. In vielen Bereichen sind wir so weit fortgeschritten, dass wir uns verbindliche Grenzen ziehen müssen – so ja auch in der Medizin oder bei der Genforschung. Beim Datenschutz sind alle zunehmend intensiver gefragt – die Politik, Unternehmen, jeder Einzelne.

    Wo sind die großen Herausforderungen beim Thema Datenschutz?

    Daten bei Unternehmen oder Behörden müssen ausreichend geschützt sein, alleine das ist eine große Aufgabe. Außerdem brauchen grenzüberschreitende Medien auch Richtlinien, die international gültig sind, und Mechanismen, die ihre Einhaltung kontrollieren. Letztlich muss der Umgang mit dem Internet schon in der Schule viel stärker vermittelt werden. Was passiert, wenn man Persönliches ins Netz stellt, welche Dynamik kann das entwickeln? Hier gibt es unglaubliche Geschichten von Geburtstagsfeiern im elterlichen Wohnzimmer, wo 2000 Leute vor der Türe standen, weil aus Versehen oder Naivität öffentlich über Social Media eingeladen wurde. Es gibt auch traurige Geschichten von Jugendlichen, die es nicht ertragen konnten, öffentlich bloßgestellt zu werden.

    Was kann der Einzelne tun, um seine Privatsphäre zu schützen?

    Theoretisch viel: kein Social Media, das Handy ausschalten, nicht online einkaufen, keine Bonussysteme und Buchungsportale - diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Praktisch bedeutet das, auf Annehmlichkeiten zu verzichten, die Vorteile bringen und Spaß machen. Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen. Wer Teil der Gesellschaft sein will, ist auf E-Mail oder Online-Banking angewiesen. Leider werden sogar Mitgliedschaften bei Social-Media-Plattformen fast schon erzwungen, weil zum Beispiel Veranstaltungen an Universitäten nur noch so organisiert werden – auch hier darf man sich wehren, denn alleine die Zugehörigkeit zu einem Netzwerk verrät viel über die eigenen Interessen. Grundsätzlich gilt, wer regelmäßig seine Software aktualisiert, ein vernünftiges Antiviren-Programm und eine Firewall verwendet und keine unbekannten Links und Mails öffnet, kann sich schon deutlich sicherer fühlen. Es lohnt sich, das Informationsangebot zum Datenschutz zu nutzen. Kleine Dinge bewirken viel. Zum Beispiel das Löschen von Cookies oder das Verwenden von einem extra Browser für Social-Media-Aktivitäten machen es schwerer, Informationen über das Surfverhalten zu sammeln.

    Wie viel Präsenz in der digitalen Welt ist empfehlenswert?

    Diese Frage muss man individuell betrachten. Manche lieben die Öffentlichkeit, andere fühlen sich bedrängt. Für den einen ist es guter Service, für andere schon lästig. Entscheidend ist, dass wir selbst bestimmen können und uns auch bewusst ist, wie viel wir preisgeben und was mit den Daten passiert. Es lohnt sich zu hinterfragen, was zu einem passt, ob man sich damit wohlfühlt oder ob man nur einem Trend folgt. Tausend virtuelle Freunde, deren Neuigkeiten scheinbar zufällig angezeigt werden – das kann auch einsam machen. Ein echter Freund, der zuhört, kann nicht durch viele ersetzt werden, die mithören.

  • Foto: Fotolia
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