Gemeinwohl-Ökonomie
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Gemeinwohl-Ökonomie: weltfremde Utopie oder gangbarer Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus? Eine Bewegung, deren Ursprung in Österreich liegt und auf denselben Werten basiert, die uns auch im Leben begegnen. So beeinflussen Faktoren wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Partizipation die Bilanz. Ein Wirtschaftssystem, bei welchem der Mensch im Fokus steht.
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1516 kritisierte der englische Politiker und Gelehrte Thomas Morus in seinem Werk „Utopia“ die Verkommenheit einer Gesellschaft, die alles nach dem Wert des Geldes bemisst. Für ihn war eine Gesellschaft nur dann gut und gerecht, wenn sie nicht auf Macht und Ökonomie, sondern auf ethisch-moralischen Idealen beruht – und auf einem Eigentumsbegriff, der dem Egoismus des Einzelnen Grenzen setzt. Morus' visionärer Staat „Utopia“ orientierte sich am Wohl aller, am Gemeinwohl.
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Gemeinwohl-Ökonomie: Wirtschaften zum Wohle aller
Auch heute suchen viele Menschen nach einem dritten Weg zwischen kapitalistisch-neoliberalem und sozialistischem Wirtschaftssystem, nachdem sich beide als gefährlich für Mensch und Umwelt erwiesen haben. Immer mehr Unternehmer und Konsumenten gelangen zur Einsicht: Wirtschaft müsse mehr sein, als Gewinn zu erzielen bzw. möglichst viele Produkte möglichst billig zu kaufen. Produktion und Konsum müssten mehr Rücksicht auf die Umwelt und das Wohl der Allgemeinheit nehmen, dürften nicht auf Kosten der Natur und des Menschen gehen.
So propagiert auch die 2010 in Wien maßgeblich vom Umweltaktivisten und Publizisten Christian Felber auf den Weg gebrachte Reformbewegung der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) eine alternative Wirtschaftsordnung, die für alle in der Gesellschaft Vorteile bringen soll, nicht nur für die obersten fünf oder zehn Prozent. Der GWÖ haben sich inzwischen rund 2.200 Unternehmen, Organisationen und Gemeinden, sowie etwa 7.000 Privatpersonen aus 50 Ländern angeschlossen, und wollen die Idee weiterentwickeln und schrittweise in die Realität umsetzen.
Dazu zählt auch Grüne Erde: „Auch wenn wir als privatwirtschaftliches Unternehmen nicht alle Maßnahmen und Ziele der Bewegung zu 100 % teilen, stehen wir den visionären Ideen der Gemeinwohl-Ökonomie sehr positiv gegenüber und erkennen in der grundsätzlichen Betrachtungsweise viele Gemeinsamkeiten mit unseren Werten“, sagt Grüne Erde-Geschäftsführer Kuno Haas, der das Thema GWÖ ins Unternehmen hineingetragen hat. „Daher unterstützen wir die Ideen der Gemeinwohl-Ökonomie, etwa durch die Erstellung einer Gemeinwohlbilanz.“ -
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Angelina Wolf koordiniert das Projekt Gemeinwohlbericht
bei Grüne Erde. -
Zeitgenössischer Holzschnitt der Insel Utopia,
der Vision einer idealen Gesellschaft. -
Grüne Erde-Geschäftsführer Kuno Haas:
„Dem Gemeinwohl muss künftig ein höherer Stellenwert zukommen. Gewinn ist kein Selbstzweck. Deshalb unterstützen wir vorbehaltlos die Idee der Gemeinwohlökonomie und erstellen eine entsprechende Bilanz".
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Ökologie, Menschenwürde, Transparenz
Eine solche, inzwischen von etwa 500 Unternehmen erstellte Gemeinwohlbilanz bewertet den Erfolg eines Betriebes nicht nach dem Finanzgewinn, sondern anhand von 20 „alternativen“ Kriterien, wie etwa Menschenwürde in der Zulieferkette und am Arbeitsplatz, Sinn und gesellschaftliche Wirkung der Produkte, Beitrag zum Gemeinwesen, innerbetriebliche Demokratie und Transparenz, ökologische Nachhaltigkeit, Kooperation und Solidarität mit Mitunternehmen.
Mit ihrer ersten Gemeinwohlbilanz im Jahre 2014/15 lag Grüne Erde an erster Stelle aller bewerteten Unternehmen. Die Bilanz von 2018/19 wurde im Juni 2020 fertiggestellt und zeigt vergleichbar gute Ergebnisse. Die Stärke des Unternehmens liegt ganz klar bei „ökologischer Nachhaltigkeit“. Hier wurden 87 % von möglichen 100 % erreicht.
„Bei der Gemeinwohlbilanz geht es nicht nur um die Feststellung des Status quo, sondern auch darum, transparent abzubilden, wie sich ein Unternehmen entwickelt, welche Maßnahmen bereits umgesetzt werden und in welchen Bereichen noch Luft nach oben ist“, so Angelina Wolf, die bei Grüne Erde für die Berichte der Gemeinwohl-Ökonomie zuständig ist. Für den etwa 100 Seiten-Bericht bewertete sich Grüne Erde anhand der Kriterien zunächst einmal selbst. Dann folgte eine „Peer-Evaluierung“: Das Unternehmen arbeitete dabei mit drei anderen, gleichgesinnten Betrieben – Peers – zusammen. Wolf: „Wir trafen uns einige Male bei Workshops, gingen die Gemeinwohl-Matrix aller vier Betriebe gemeinsam durch, bewerteten gegenseitig die Punkte, die sich jedes Unternehmen zuvor selbst gegeben hatte, besprachen die Inhalte, tauschten uns über verschiedene Möglichkeiten der praktischen Umsetzung aus. So inspiriert man sich gegenseitig, kommt in einen Dialog und nimmt Ideen auf, wie man sich zukünftig weiterentwickeln kann.“ Eine Gemeinwohlbilanz ist kein Marketing-Gag. Vielmehr, so Angelina Wolf, „... dient eine ehrlich erstellte Bilanz der Selbstüberprüfung, der Planung und Umsetzung von sozial-ökologischen, unternehmerischen Maßnahmen. Daher hat so eine Bilanz vor allem dann einen Sinn, wenn man sie regelmäßig, z. B. alle vier Jahre, erstellt, um Fortschritte und Verbesserungen zu evaluieren.“ -
Die Mächtigkeit einer Idee
Obwohl die Gemeinwohl-Ökonomie vor allem in konservativen Wirtschaftskreisen häufig als weltfremd und utopisch (Morus lässt grüßen!) abgetan wird, sind Idee und Bewegung nicht aufzuhalten.
Grüne Erde-Projektkoordinatorin Angelina Wolf hatte in ihrer Masterarbeit die Auswirkungen von Gemeinwohlbilanzen auf die betroffenen Unternehmen untersucht und war zum Ergebnis gekommen,„ ..., dass selbst innerhalb des Systems des Neoliberalismus tiefgreifende Veränderungen in unserer Wirtschaft, zumindest auf der Ebene der Unternehmen, erzielt werden können, von welchen unsere Gesellschaft bereits heute profitiert.“ – Wie sagte der französische Schriftsteller Victor Hugo: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ -
Gemeinwohlbericht Download
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Fotos: Wikimedia Commons, Grüne Erde