• Merinoschafe und ihre kostbare Wolle
    Merinoschafe und ihre kostbare Wolle
  • Merinowolle

    Kaum eine Schafrasse ist so verbreitet wie das Merinoschaf, das auf Grund seiner außerordentlichen Wollqualität mittlerweile weltweit gezüchtet wird. Sie gilt als die wertvollste aller Schafwollen, hat die größte Stapellänge und die stärkste Kräuselung, wärmt daher ausgezeichnet, staut aber aufgrund der Luftdurchlässigkeit die Hitze nicht. Sie kann etwa 30 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Diesen Eigenschaften ist es zu verdanken, dass Merinowolle unsere Haut nicht reizt und sich sanft und angenehm anfühlt.
    • Das Fell des Merinoschafs besteht aus ungemein dünnen und atmungsaktiven Haaren, die es dem Schaf erleichtern Hitze und Kälte durchzustehen. Im Sommer ist das Haarkleid besonders leicht und fein, im Winter dagegen wächst dem Merinoschaf eine Langhaarschicht. Ganz besonders ist das „Flammhaar“ des Schafes: ein stark gekräuseltes aber feines Haar, das dem Wärmeschutz des Tieres dient.

      Die positiven Eigenschaften der Merinowolle haben uns überzeugt, sie für unsere ökologisch und sozial fair gefertigte Mode, und für unsere Schlaf- und Heimtextilien einzusetzen. Denn Merinowolle ist ein gänzlich natürlicher, nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoff und zudem bietet sie eine hohe Funktionalität.
  • Mulesing

    • Was ist Mulesing?

      Beim Mulesing handelt es sich um ein Verfahren bei dem jungen Lämmern (8 – 12 Wochen alt) im Bereich des Schwanzes Hautflächen mit einem Messer entfernt werden. Dadurch soll sich eine glatte Narbenfläche bilden, die das Einnisten von Fliegen bzw. deren Larven erschwert. Denn sind die Schafe von Fliegenmaden befallen, kommt es zu schweren Infektionen, die sogar zum Tod führen können. Das Verfahren wurde in den 1930er-Jahren von John H. Mules entdeckt und nach ihm benannt.
    • Was ist das Problem mit Mulesing?

      Merinoschafe sind so gezüchtet, dass sie besonders viele Hautfalten aufweisen, um einen möglichst hohen Wollertrag zu erzielen. Die Methode des Mulesings wird häufig in Massentierhaltung angewandt. Das Problem ist, dass Mulesing oft ohne Schmerz- und Betäubungsmittel erfolgt. Eine Wundversorgung und entsprechende Nachbehandlung finden kaum statt. Die Wunden können sich dadurch entzünden und bilden ebenfalls einen Nistplatz für Fliegen. So können Schafe trotz Mulesing unter dem bedrohlichen und schmerzhaften Fliegenbefall leiden.
    • In welchen Ländern wird Mulesing praktiziert?

      Mulesing wird überwiegend in Australien praktiziert, da die spezielle Fliege (Lucilia cuprina), die sich bei Merinoschafen gerne einnistet, in dieser Klimaregion vorkommt. Neuseeland hat 2018 ein Verbot für Mulesing ausgesprochen, in Australien ist es den Schafzüchtern überlassen, ob sie das Verfahren anwenden oder nicht. Mit einem RWS (Responsible Wool Standard), NewMerino oder ZQ Merino-Zertifikat kann auch aus Australien eine mulesingfreie Wolle von Merinoschafen bezogen werden.
    • Tierwohl – mehr als ein Lippenbekenntnis!

      Tierwohl liegt uns sehr am Herzen! Deshalb achten wir auf die artgerechte und biologische Haltung von Tieren, die wertvolle Rohstoffe für Grüne Erde-Produkte liefern. Entsprechend möchten wir Muelsing, gleich ob mit oder ohne Betäubung, ausschließen und nur mulesingfreie Merinowolle für unsere Produkte verwenden. Auch die Verabreichung von Antibiotika und die „Chemiebäder“ der Tiere sind unvereinbar mit einer respektvollen, ethisch vertretbaren, tierfreundlichen, ökologischen Schurwollproduktion.
    • Grüne Erde setzt nur garantiert mulesingfreie Wolle ein.


      Eine kontrolliert biologische Tierhaltung und ein GOTS-Zertifikat geben keine 100 %-ige Sicherheit, dass kein Mulesing angewandt wird. Seit 1. August 2020 bezieht Grüne Erde aus Australien daher nur noch Merinowolle mit RWS-Zertifizierung und schließt somit Mulesing aus.

      Durch die wertvolle Arbeit von NGOs wie VIER PFOTEN und die Kooperation mit ihnen verbessern wir unsere Standards stetig und können Tierleid weiter reduzieren. Für unsere Vertragsänderung, die zur Konsequenz hat, dass wir nur noch australische Merinowolle mit RWS-Zertifikat verwenden und primär in Ländern einkaufen, in denen kein Mulesing praktiziert wird (Neuseeland, Lateinamerika), wurden wir von VIER PFOTEN mit dem "Gold Champion"-Status in der Kategorie "Merinowolle ohne Tierleid" ausgezeichnet.
  • Merinowolle für Mode

    • Merinowolle wird auch bei unserer Naturmode gerne eingesetzt. Der Grund liegt allein schon beim Aufbau der Merinofaser: stark gekräuselt und geschuppt, zudem fein, weich, und elastisch. Die Merinofaser hat eine durchschnittliche Faserstärke von 16,5 bis 24 Mikron (Mikrometer = ein tausendstel Millimeter), also beinahe die Hälfte der Stärke von gewöhnlicher Schafschurwolle. Während sich grobe Fasern bei Berührung mit der Haut krümmen und demnach der „kratzige“ Effekt entstehen kann, fühlt sich Merinowolle besonders zart auf der Haut an.
    • Weshalb nimmt Merinowolle weniger Geruch an?

    • Selbstreinigungseffekt

      Aufgrund des Faserproteins der Wolle – dem Keratin – werden geruchsverursachende Bakterien abgebaut und der Selbstreinigungseffekt aktiviert.
    • Schuppige Oberfläche

      Durch die schuppige Oberfläche der Faser können sich Bakterien schwerer halten, im Gegensatz zu besonders glatten Synthetikfasern.
    • 30 % Feuchtigkeit

      Die Merinofaser nimmt bis zu 30 % ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf auf, bevor diese auf der Hautoberfläche zu Schweiß kondensiert.
  • Merinowolle für Heimtextilien

    Auch für unsere Heimtextilien verwenden wir – aufgrund ihrer tollen, naturgemäßen Eigenschaften – hochwertige Merinowolle. Die gute Isolationseigenschaft der Merinofasern bringt viele Vorteile im Wohnbereich: Durch die starke Kräuselung (bis zu 40 Kräuselungen pro Zentimeter) liegen die Fasern sehr locker aufeinander. Luftkammern entstehen, schließen Körperwärme ein und verringern den Wärmeaustausch mit dem Material. Körperwärme wird gespeichert und wirkt somit isolierend nach außen – im Sommer wirkt eine Wohndecke aus Merinowolle temperaturausgleichend, während sie im Winter unseren Körper wärmt.
  • Merinowolle für Baby- & Kinderprodukte

    • Die besonders weiche und anschmiegsame Struktur der feinen und hochwertigen Schurwolle von Merino-Schafen ist ideal für zarte Baby- und Kinderhaut. Sie fühlt sich sanft und fein an, hält angenehm warm und nimmt bis zu 30 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich klamm anzufühlen. Unsere Schurwolle von Merino-Schafen für Baby- und Kinderprodukte stammt zu 100 % aus Südamerika und ist garantiert mulesingfrei. Die grausame Praxis, bei der den Lämmern Hautlappen am Hinterteil entfernt werden, findet in Südamerika keine Anwendung, da es dort die Fliegen nicht gibt, die sich in die Hautfalten der Tiere einnisten und Infektionen hervorrufen können.
  • Fotos: Header: Baron b / Fotolia; MoonBloom / Fotolia