• Tencel: Wie entsteht die Zellulosefaser?

    Ein Begriff, welcher in der Modebranche kein Fremdwort mehr ist: Tencel, auch Lyocell genannt. Beliebt wurde die industriell hergestellte Faser gemeinsam mit Modal und Viskose. Doch wie nachhaltig sind die Kunstfasern wirklich und wodurch unterscheiden sie sich? Wir haben uns über die chemischen „Naturfasern“ erkundigt und sind zu einem Entschluss gekommen.
  • Was ist Tencel™?

    Der Name Tencel™ steht für die textile Marke der Lenzing AG, einem Unternehmen mit Sitz in Österreich. Unter diesem Begriff werden die drei industriell hergestellten Faserstoffe Lyocell, Viskose und Modal vertrieben, welche aus natürlicher Zellulose nach dem Direkt-Lösemittelverfahren entstehen. Sie werden vor allem in der Textilindustrie eingesetzt – für Kleidung, Vliesstoffe, Wundverbände und vielem mehr. Bekannt wurden die drei Kunstfasern durch ihre trageangenehmen, elastischen und saugfähigen Eigenschaften.

    Das österreichische Unternehmen hat in den letzten Jahren viel Forschung und Entwicklung in diesen Bereich gesteckt und sich dadurch einen bekannten Namen geschaffen. Die Lenzing AG verarbeitet zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Ein Erfolg des Unternehmens: Das Lösemittel wird wiederverwendet und in den geschlossenen Produktionskreislauf zurückgeführt. Dafür wurde die Lenzing AG von der Europäischen Union auch mit dem „European Award for the Environment“ ausgezeichnet.
  • Wann wurden die ersten Kunstfasern erfunden?

    Es war die kostbarste Faser, die vor vielen Jahrhunderten die Menschen dazu bewegte, sich auf die Suche zu begeben, um sie künstlich nachzuahmen: die Seide, gewonnen aus dem Extrakt der Seidenraupe. Sie war die Königin der Fasern, von unfassbarem Wert und verantwortlich für viele Kriege und Raubzüge. Und so kam es, dass sich viele Generationen den Kopf zerbrachen, um die edle Haptik der Seide mit Einsatz von wenig Geld zu kopieren.

    Schon im Jahre 1665 formulierte der Engländer Robert Hooke seine Idee, aus einer leimartigen Masse ein Duplikat des wertvollen Naturproduktes zu erstellen. Doch es fehlte viele Jahrhunderte an der geeigneten Maschine, einer Spinndüse. Und so kam es, dass die Entwicklung der Kunstfaser erst im späten 19. Jahrhundert richtig in Schwung kam. Ziemlich zeitgleich kamen zwei ähnliche Materialien auf den Markt.

    In den 1870er-Jahren wurde Zelluloid bekannt, der erste halbsynthetische Kunststoff. Dazu wurde Holz oder Baumwolle in einem chemischen Verfahren in eine neue Faser, Zelluloid, umgewandelt und fand unmittelbar Anklang in der Filmindustrie. Sowohl Hannibal Goodwin als auch Henry M. Reichenbach von der Eastman Company experimentierten mit dem Material. Der Rollfilm auf Zelluloidbasis wurde schlussendlich patentiert und in Produktion gegeben.

    Die zweite Entwicklung, Kunstseide, stammte von Hilaire de Bernigaud, dem Grafen von Chardonnay. Nach etwa 29 Jahren Forschung schaffte er es, nicht wie bei Zelluloid ein neues Material in Form einer Fläche zu produzieren, sondern als Garn – auch bekannt als Chardonnay-Seide.
  • Wie entsteht eine Kunstfaser wie Tencel, Modal oder Viskose?

    Mit der Zeit wurden viele Ideen probiert, entwickelt und wieder verworfen. Die unterschiedlichsten Methoden – wie das Nitro-, Kollodium-, Kupfer-, Acetat- oder Viskose-Verfahren – entstanden. Durch den Einsatz variierender Grundstoffe und Lösungsmittel konnte technologische Unterschiede erzielt werden, der Verarbeitungsprozess jedoch blieb beinahe unverändert.

    Den Durchbruch in der Entwicklung der synthetischen „Naturfasern“ schaffte man im Jahre 1930 mit einer bestimmten chemischen Verbindung namens Cellulose-Xanthogenat, heute bekannt als Viskose [lat. viscosus = zähflüssig]. Das Besondere an dieser Faser war ihr Wert. Durch Verwendung von preisgünstigem Holzzellstoff ergab sich ein attraktiver Preis, welcher sich auch in den Preisen der Textilien widerspiegeln konnte. So kam es auch, dass Viskose den Markt im Siegeszug eroberte und bereits 1940 beliebte Naturmaterialien – wie Wolle – verdrängte.

    Doch obwohl der Verbrauch an Viskose stetig stieg, wurde die Suche nach noch besseren, vielleicht auch widerstandsfähigeren Fasern nicht beendet. So gelang es der Lenzing AG nach Jahren der Entwicklung und Forschung, weitere synthetische Fasern zu etablieren – wie Modal und Tencel. Und auch diese zwei Fasern fanden dank ihrer positiven Eigenschaften in der Textilindustrie Anklang. Die Lenzing AG galt als Exklusiv-Anbieter von Modalfasern und konnte ihr Produktangebot sowie die Qualität der Gewinnung stetig erweitern. Es gelang dem Unternehmen Technologien zu entwickeln, um die Chemikalien-Rückgewinnung in der Zellstoffherstellung sowie in der Faserproduktion zu gewährleisten. Heute kann die Lenzing AG eine Rückgewinnungsrate von etwa 95 Prozent bestätigen. Der Rest wird in Kläranlagen abgebaut.

    Doch der Öko-Pionier in der Modalproduktion ging noch einen Schritt weiter: So ist Lenzing weltweit (!) das einzige Zellulosefaserwerk, welches an einem Standort Zellstoff und Faser in Symbiose fertigt. Durch eigens entwickelte Technologien konnte eine Vollintegration ermöglicht werden.

    Heutzutage wird die benötigte Zellulose aus Holz- oder Pflanzenfasern gewonnen und mit Chemikalien in eine klebrige Masse umgewandelt. Der Zellstoff wird gewaschen und gegebenenfalls auch gebleicht. Im Anschluss wird die Zellulose getrocknet, auf Rollen gewickelt und erneut zerkleinert. In einem mit Aminoxid befüllten Behälter wird die Faser unter Hitze und Druck aufgelöst und gefiltert. Nun entstehen mithilfe der Spinndüsen die gewünschten Faserstränge. Diese werden gewaschen und in einem Ausrüstungsbereich mit Gleitmittel – wie Seife oder Silikon – benetzt: Die langen Stränge werden geschmeidiger und können im Kardier- und Garndrehprozess leichter weiterverarbeitet werden. Zu guter Letzt werden die kardierten Faserstränge aufgewickelt und versendet.
  • Der Unterschied zwischen, Viskose, Modal und Lyocell

    • Viskose

      entsteht, indem man die aus Holz gewonnene Zellulose chemisch zu Xanthogenat umsetzt und in einem Bad ausspinnt.
    • Modal

      ist eine Variante der Viskose. Die Gewinnung ist ähnlich, die Fasern unterscheiden sich nur in der Zusammensetzung des Spinnbads.
    • Lyocell

      wird aus Holz gewonnen. Dabei werden weniger Chemikalien wie bei Viskose oder Modal eingesetzt, auch der Wasserverbrauch ist niedriger.
  • Es ist nicht einfach, bei den künstlich zusammengesetzten „Naturfasern“ den Überblick zu bewahren. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Fasern aus natürlichen Polymeren – wie Zellulose, Proteine und Milchsäure – sowie Fasern aus synthetischen Polymeren – wie Polyester und Elasthan. Bei Viskose, Modal und Lyocell handelt es sich um chemisch hergestellte Fasern natürlichen Ursprungs.

    Viskose ist die älteste der drei industriell hergestellten Fasern und wird auch häufig anpassungsfähige Regeneratfaser genannt. Es handelt sich um einen halbsynthetischen Stoff, wodurch Viskose sich nicht als „Naturfaser“ bezeichnen darf. Dazu wird bei der Herstellung ein zu großer Anteil an Chemikalien beigemengt.

    Modal entsteht ebenso aus Buchenholz, welches in einem chemischen, sauerstoffbasierenden Prozess in mehreren Verfahrensstufen verarbeitet wird. Dazu wird der Zellstoff mithilfe von Natronlauge in Alkalicellulose umgewandelt und in Kombination mit Schwefelkohlenstoff entsteht ein Zellulose-Xanthogenat. Diese Masse wird wiederum in verdünnter Natronlauge aufgelöst und in ein schwefelsaures Fällbad versponnen. Auch bei Modal ist der Kreislauf geschlossen und die eingesetzten Chemikalien können bis zu 95 Prozent rückgeführt werden.

    Lyocell, alternativ auch Tencel genannt, wird vollständig aus Buchenholz gewonnen. Bei der Herstellung der Regeneratfaser fallen kaum Abfälle an und es werden weniger Chemikalien als bei Viskose oder Modal eingesetzt. Auch der Wasserverbrauch wird sehr niedrig gehalten. Die Faser gilt als leicht abbaubar.
  • Welche Eigenschaften hat Tencel/Lyocell?

    • Tencel löst bestimmt nicht das Problem der Modeindustrie und ist vor allem kein nachwachsender Rohstoff aus der Natur. Doch ist es unter den chemisch erzeugten Fasern die noch nachhaltigste Variante. Da die meisten Kunstfasern – wie Polyester und Elasthan – auf Erdöl basieren und nicht biologisch abbaubar sind, können sie nicht mit Viskose, Modal oder Tencel/Lyocell verglichen werden. Diese Fasern werden innerhalb eines geschlossenen Kreislaufes in einem schonenden – jedoch nicht chemiefreien (!) – Prozess hergestellt.
      • atmungsaktiv
      • glatte, seidige Oberfläche
      • hoher Feuchtigkeitshaushalt
      • pflegeleicht
      • ideal für Allergiker
      • angenehmer Tragekomfort
  • Doch die synthetischen „Naturfasern“ bringen auch Vorteile für die Modeindustrie: So zeichnet sich die in Österreich hergestellte Faser Tencel – im Gegensatz zu den lang etablierten Faserstoffen – als besonders nachhaltig aus. Sie hat nicht nur eine gute Öko-Bilanz, sondern sorgt mit ihren positiven Eigenschaften auch im Gebrauch für Überraschung.

    Tencel bietet einen optimalen Feuchtigkeitshaushalt, ist angenehm-weich und luftig. Die glatte, seidige und atmungsaktive Faser kann bis zu 50 Prozent mehr Wasser als Baumwollfasern aufnehmen und leitet diese effektiv vom Körper weg. Durch die fehlende Feuchtigkeit haben auch Bakterien keine Chance. Textilien aus Tencel kühlen bei Wärme und wärmen bei Kälte, wodurch eine angenehme Temperatur und ein hoher Tragekomfort entstehen. Zudem ist Tencel besonders pflegeleicht, robust und knitterarm.
  • Weshalb eignet sich Tencel für Allergiker?

    Besonders für Allergiker eignet sich die synthetisch hergestellte Faser: Neben den pflegeleichten Eigenschaften überzeugt auch der optimale Feuchtigkeitshaushalt. Dadurch verringert sich der Milbenbefall und es wird verhindert, dass die Feuchtigkeit im Textil bleibt und so zu einer Schimmelbildung führt.
  • Welches Zertifikat ist bei Tencel wichtig?

    Das Forschungslabor Organic Waste (OWS) bestätigte 2019, das die Fasern der Lenzing AG wieder vollständig in die Natur zurückgeführt werden dürfen und somit offiziell als biologisch abbaubar und kompostierbar gelten. Doch eine vollständige, transparente Zertifizierung der Produkte aus reinem Tencel gibt es bisher noch nicht. Bei dem Global Organic Textile Standard – einem führenden Regelwerk für Textilien – ist es zulässig, zu einem biologischen Rohstoff maximal 30 % einer synthetischen Faser beizumischen.
  • Warum wir bei Grüne Erde Tencel nicht einsetzen

    Tencel ist wahrlich eine gelungene Entwicklung, doch bleibt sie stets eine synthetisch hergestellte Faser. Gemäß unserer Philosophie möchten wir stets im Einklang mit der Natur wirtschaften. Dieser Grundsatz bestimmt auch die Art und Weise, wie wir unsere Produkte entwickeln und produzieren. Daher vertrauen wir lediglich auf nachwachsende, natürliche Ressourcen.

    Eine kontrolliert biologische Gewinnung von Rohstoffen schont die Umwelt, geht sorgsam mit Chemikalien in der Landwirtschaft um und erhält die Biodiversität. Zugleich schützt sie Landwirt*innen, Textilverarbeiter*innen und Konsument*innen, die bei der Feldarbeit, der Rohstoffverarbeitung und beim Tragen der Kleidung weniger gesundheitsschädigenden Stoffen ausgesetzt sind.

    Auch auf synthetische sowie auf chemische Stoffe natürlichen Ursprungs, wie etwa Viskose, Modal oder Tencel, verzichten wir bewusst. Diese Materialien werden erst durch den Einsatz von Chemikalien wie Natronlauge oder Schwefelkohlenstoff nutzbar. Der Chemikalieneinsatz im Verlauf des Herstellungsprozesses ist so hoch, dass diese Materialien trotz ihres natürlichen Ursprungs zu den „chemischen Stoffen“ zählen.

    Allein die konsequente Entscheidung für natürliche Rohstoffe aus biologischer Gewinnung führt zu einer immensen Reduktion von Chemie und Plastik, dem Schutz von Ressourcen, einem achtsameren Umgang mit Mensch und Natur sowie zu einer Förderung der ökologischen Landwirtschaft.
  • “Wir sind überzeugt, dass das, was gut für die Natur ist,
    auch gut ist für den Menschen ist.”