Faire Schuhproduktion - So läuft es sich fairer!

  • Sie tragen uns über Berge und durch Täler, auf weichem Waldboden und über den Asphalt der Städte. Wir tanzen mit ihnen die Nacht durch oder stiefeln trockenen Fußes durch tiefe Pfützen. Schuhe sind unsere täglichen, unverzichtbaren Begleiter. Sie geben uns Halt und Schutz, sind modische Hingucker und damit auch Ausdruck eines Lebensgefühls. Doch die Wahl des Schuhs ist auch eine Frage von Haltung und Moral.
  • Faire Schuhproduktion: Partner von Grüne Erde
      • Weltweit werden jährlich rund 23 Milliarden Paar Schuhe produziert – fast 90 % davon in Asien unter fragwürdigen Bedingungen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter erhalten oft weder Verträge noch angemessene Löhne und sind in der Regel nicht versichert. Im Umgang mit Chemikalien werden sie schutzlos massiven Gesundheitsgefährdungen ausgesetzt, Arbeitsunfälle oder Erkrankungen sind keine Seltenheit. Für die Lederverarbeitung werden häufig auch Kinder herangezogen und den anstrengenden, gefährlichen Belastungen ausgesetzt. In den Endprodukten ist dann mit hohen Schadstoffwerten zu rechnen, denn sowohl bei Materialgewinnung und Fertigung als auch beim Transport werden selbst die grundlegendsten Prinzipien des Umweltschutzes missachtet.

        Human Rights Watch und Global 2000 beanstanden schon seit langem die humanitären und ökologischen Zustände in Gerbereien und Produktionsstätten. Das INKOTA-netzwerk (ein Zusammenschluss engagierter Menschen und Gruppen für eine gerechte Welt) und Südwind e.V. erweitern und erneuern diese Kritik kontinuierlich mit aussagekräftigen und aufschlussreichen Veröffentlichungen. Erst im Juli 2016 erschien unter dem Titel "Rechte von Arbeiterinnen mit Füßen getreten“ ein Factsheet, das basierend auf Umfragen unter 23 führenden Unternehmen der Schuhindustrie die schlechten Arbeitsbedingungen in der Schuhproduktion bestätigt – verbunden mit Forderungen nach Fairness und Transparenz.
      • Schritte in die richtige Richtung

        Auch für Schuhe gilt, was auf die gesamte Textilbranche zutrifft: Der Industriezweig ist hochfragmentiert und dadurch kompliziert und sehr unübersichtlich. Um ein einzelnes Paar Schuhe zu fertigen, sind zahlreiche Arbeitsschritte notwendig. Unterschiedliche Materialien mit ebenso unterschiedlicher Herkunft werden zusammengeführt. Obwohl das die Überwachung der Wertschöpfungskette erschwert, nimmt das Bestreben zu, Schuhe fair zu produzieren.

        Unternehmen und Verbraucher, die sich für ein nachhaltig und fair hergestelltes Produkt entscheiden, sind der Motor bei der Umsetzung von Menschenrechten und Umweltstandards. Die Mehrzahl der Schuhproduzenten und vor allem die Großproduzenten ignorieren bislang allerdings entsprechende EU-Leitlinien. Umso größer und wichtiger ist die Bedeutung von Firmen und Initiativen, die aus eigenem Antrieb für faire und nachhaltige Alternativen sorgen.

        Aber so groß die Ambitionen auch sind, absolut fair gefertigte Schuhe auf den Markt zu bringen – letztlich muss jedes Unternehmen auch wirtschaftlich arbeiten und für seine Kunden in Bezug auf Preis und Leistung akzeptable Lösungen finden. Bei einer Vielzahl von Kleinteilen wie zum Beispiel Metallösen scheint es deshalb kaum realisierbar, die Lieferkette von der Metallgewinnung bis zur Ösen-Herstellung zu überwachen. Manchen Modedesignern ist diese Problematik durchaus bewusst. Sie gestalten ihre Produkte möglichst schlicht und weitgehend ohne Kleinteile, da sie deren Entstehung nicht kontrollieren können.

        Andere Marken, die sich einer fairen und ökologischen Produktion verschrieben haben, setzen verstärkt auf regionalere Zulieferer. Das verkürzt nicht nur die Transportwege, sondern gewährleistet auch akzeptable Standards bei Umweltschutz und Arbeitsbedingungen. Eine Vorreiterrolle nehmen hier zum Beispiel die in Kärnten beheimatete Manufaktur Woody, die Schuhproduzenten Think! und Werner sowie die Waldviertler Schuhfabrik GEA ein. Sie fertigen langlebige, qualitativ hochwertige Schuhe aus natürlichen Materialien, die sie möglichst aus der Region oder zumindest aus dem mitteleuropäischen Raum beziehen.
      • Wer geht mit?

        Neben Woody, Think!, Werner und GEA gibt es inzwischen viele weitere Schuhmarken, die ihre Lieferketten sowie ihre Produktionsbedingungen weitgehend oder komplett transparent gestalten. Von Alltagstretern über schlichte Schnürschuhe bis hin zu ausgefallenen Modellen in knalligen Farben oder Festtagsschuhen – für fast jeden Bedarf sind faire und nachhaltige Alternativen auf dem Markt. Und auch um das Problembewusstsein bemüht man sich verstärkt.
      • Schuhmacher bei der Arbeit
        Klassisches Schuhmacherhandwerk: Ein typischer Think! Schuh ist handgefertigt und entsteht in 120 einzelnen Arbeitsschritten.
      • Sneakers von Grüne Erde
        Schuhe von Grüne Erde verbinden ökologische Materialien, handwerkliche, sozial faire Fertigung und hohen Tragekomfort.
      • Schuhmacher der Marke Werner bei der Arbeit
        Ein Werner Schuh ist aus pflanzlich gegerbtem Leder aus Deutschland und wird in Europa gefertigt.
    • 2015 entstand aus 18 Menschenrechts- und Arbeitsorganisationen – darunter das INKOTA-netzwerk und die Südwind Agentur im Rahmen der Clean Clothes Kampagne die Initiative Change Your Shoes. Mit Unterstützung der EU und anderen Trägern fordert die Initiative faire Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter sowie eine transparente Herstellung sauberer und unbedenklicher Produkte. Ein sicherlich noch langer und schwieriger Weg, den auch Grüne Erde unterstützt und – mit den richtigen Schuhen – gerne mitgeht! Wie sagte doch Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller und Kabarettist, einst so treffend:
    • “Dein Schuh wird dich hassen, wenn du ihn nicht liebst. Keiner kann sich dir anpassen, dem du keine Achtung gibst. Was du trägst, soll auch dich tragen. Achte, dass ihm weder Sohle noch Seele, nicht Qualität noch Charakter fehle. Jeder Schuh hat ein Gesicht. Jeder Schuh spricht. Adel, Güte, Schönheit – alle Gaben kann ein Schuh haben. Auch Leder lenkt das Leben. Aber du musst wissen, mit wem du dich willst umgeben!”
      Joachim Ringelnatz (1883-1934), Schriftsteller und Kabarettist
  • Unsere Partner – modisch & ökologisch

    Auch wir achten auf das „Gesicht“ und die „Sprache“ unserer Schuhe: Daher arbeiten wir mit Produzenten zusammen, die ökologisch und unter Einhaltung sozial fairer Arbeitsbedingungen in Europa fertigen, und lassen keine Schuhe in Fernost oder Lateinamerika herstellen.
    Unsere Partner produzieren bequeme, modisch aktuelle Qualitätsschuhe aus natürlichen, gesunden, luftdurchlässigen und saugfähigen Materialien. So etwa lässt der 1911 gegründete Familienbetrieb Werner aus Pirmasens in Rheinland-Pfalz seine Ober- und Futterleder chromfrei und pflanzlich in Deutschland gerben und verzichtet auf chemische Zurichtung des Leders. Die Kärntner Manufaktur Woody verwendet für die biegsamen (!) Holzsohlen ihrer Schuhe Pappel- und Weidenholz aus steirischen und kroatischen Sägewerken. Think! aus dem oberösterreichischen Innviertel arbeitet u. a. mit Schuhfärbemitteln aus gemahlenen Rinden-Extrakten und stattet seine Schuhe mit einem auswechselbaren Fußbett aus Kork aus. Und ganz neu im Sortiment: Wir führen auch den ersten GOTS-zertifizierten Schuh des deutschen Herstellers Melawear. Die zeitlosen Sneakers sind nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert, die Baumwolle des Obermateriales stammt aus kontrolliert biologischem Anbau und trägt das Fairtrade Cotton Siegel.
  • Fotos: Grüne Erde, Cleanclothes: Neue EU-weite Kampagne "Change your shoes"