• Bewusster Modekonsum

    Zwischen Konsum und Privilegien. Wie kann man Ästhetik und Nachhaltigkeit verbinden? Wie viel Kleidungsstücke braucht ein Mensch? Und welche Faktoren sollte man beim Konsum beachten? Diese und noch viele weitere Fragen beschäftigen uns – früher oder später – beim Kleidungskauf. Wir haben uns auch gefragt: Worauf kommt es wirklich an?
    • Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist nicht nur bei der Herstellung von Kleidungsstücken oder Schuhen essenziell wichtig, sondern auch dann, wenn es um unseren Konsum geht. Denn: Wie viel Teile brauchen wir wirklich? Und mit welchem Mindset entscheiden wir uns für diese Produkte? Ist es ein unbewusster Kauf, oder ein rationales Vorhaben?
    • Wir wollen uns glücklich kaufen

      Dass endloser Konsum nicht nur der Umwelt schadet – durch Überproduktionen oder Chemikalien und Emissionen, die während der Fertigung entstehen –, sondern auch noch unglücklich machen kann, ist längst keine neue Erkenntnis mehr. Die ständige Verfügbarkeit lässt uns eher abstumpfen, so Glücksforscher*innen. Und ist es nicht wahr, dass sich die eingestellte Zufriedenheit nach wenigen Tagen verabschiedet? Besonders wenn es sich um qualitativ minderwertige Produkte handelt, die sich nach kurzer Lebensdauer als unnötig, gar nutzlos erweisen. Zurück bleibt ein unbefriedigendes Gefühl, welchem in der Regel ein voller Kleiderschrank vorausgeht.
      Auch zeigen Umfragen, dass wir in vielen Fällen nur nach dem Glück in Tüten suchen, nach etwas, dass uns aufmuntert, ablenkt oder belohnt. Wird uns jedoch bewusst, welchen Einfluss Fast Fashion auf die Umwelt hat, erscheint uns der dritte Spontankauf eines fünf Euro „teuren“ Shirts als nicht mehr angebracht.
      Einkaufen ist also heutzutage nur mehr selten eine rationale Entscheidung, vielmehr emotional. Wodurch man es Marken und Labels leicht macht, durch Reize Impulskäufe auszulösen– trotz besserem Wissen. Dieser Wiederspruch zwischen Überzeugung und Handeln nennt sich auch kognitive Dissonanz. Ein spontanes Handeln, welches von der eigenen Überzeugung abweicht. Und genau hier liegt die Crux: Wir sollten wieder unsere Neugier wecken, uns über Lieferketten und Herstellungsverfahren informieren, nachfragen. Immer und überall. Auch wenn es manchmal mit Anstrengung verbunden ist, sollte man sich mit seinen eigenen Werten identifizieren – und nach diesen handeln.
    • Kaufen Sie Mode oder Kleidung?

      Die Modeindustrie macht sich durch Werbung und Marketing die Unsicherheit von Konsument*innen zunutze: Es wird gezielt ein Mangelgefühl erzeugt und in Zuge dessen ein Produkt beworben, um diesen Mangel zu stillen. So kommt es, dass Marken – besonders in der Fast Fashion-Branche – nicht nur Produkte, sondern Lebensstile verkaufen. Dadurch wird suggeriert, dass man durch den Konsum eines neuen Trends zeitloser, stilvoller, moderner erscheint.
    • “In einer Gesellschaft, die Profit mit deinen Selbstzweifeln macht, ist es ein rebellischer Akt, sich selbst zu mögen.”
      Caroline Cardwell
    • Laut einer Studie von McKinsey glauben neun von zehn Menschen der Generation Z, dass es in der Verantwortung von Unternehmen liegt, sozial faire und ökologisch wertvolle Produkte zu fertigen. Auch wir finden, dass ein Umdenken – nein, ein unverzügliches Handeln – bei der Modeindustrie notwendig ist. Doch sollte auch jeder Einzelne für sich selbst die Verantwortung übernehmen: Die eigenen Kaufentscheidungen überdenken, hinterfragen und durch bewussten Konsum etwas bewegen. Konsument*innen oder aber auch Unternehmer*innen schaffen keinen Wandel, indem sie alleine für das Gute einstehen. Vielmehr geht der Apell, den Konsum zu überdenken, an uns alle. Denn nur gemeinsam können wir etwas bewirken!
    • Wie viel Kleidung brauchen wir wirklich?

      Kleidung steht für Funktionalität und Nutzen, aber es ist auch ein Kommunikationsmittel und eine Möglichkeit, seine Persönlichkeit nach außen zu tragen. Unter modebewussten Menschen war die Ästhetik lange das ausschlaggebende Kriterium, um sich für ein Kleidungsstück zu entscheiden. Doch mittlerweile kommen neue Aspekte hinzu, wie die Auswirkungen auf die Umwelt und die Herstellung unter menschenwürdigen Bedingungen. Der Trend der Nachhaltigkeit bewegt auch die Modeindustrie!
    • Guter Stil ist authentisch

      Es geht nicht darum, den perfekten Stil zu finden, der Sie definiert, oder auf Kleidungsstücke zu verzichten, nur um keinen Trend zu folgen. Sondern vielmehr darum, sich bewusst für den eigenen Stil zu entscheiden. Kleidungsstücke zu tragen, in welchen Sie sich wohl und authentisch fühlen. Modelle, die einem im Alltag bestärken.
    • 4 Tipps, um sich bewusst für den eignen Stil zu entscheiden

      • Lassen Sie Ihre Werte einfließen

        Die Kleidung, die Sie tagtäglich tragen, sollte Ihnen gefallen – nur Ihnen! Es ist nicht wichtig, jemand anderen zu beeindrucken, sondern nur, dass Sie sich in den Kleidungsstücken wohlfühlen!
      • Halten Sie Ihren Kleiderschrank minimalistisch

        Es ist wahr: Der Minimalismus erleichtert nicht nur den Alltag ungemein, sondern hilft Ihnen auch, den Überblick zu wahren. Kleiderstücke können nicht mehr in Vergessenheit geraten und werden regelmäßig ausgeführt.
      • Setzen Sie auf Wohlfühlkleidung

        Damit meinen wir nicht Homewear, sondern Kleidungsstücke, in denen Sie sich rundum wohlfühlen! Vielleicht ist es ein Basicshirt in Kombination mit Jeans und Sneakers oder ein Kleid, in welchem Sie sich authentisch und frei fühlen. Diese Teile sind es, auf die Sie setzen sollten!
      • Warten Sie nicht auf Trends

        Jede Saison werden neue Trends veröffentlicht, neue Normen etabliert. Doch nur weil es neue Richtungen in der Modebranche gibt, sollte man ihnen nicht gänzlich obliegen. Bleiben Sie sich und Ihrem Stil stets treu!
  • Das Prinzip der Capsule Wardrobe

    Im Durchschnitt besitzt ein Österreicher 85 Kleidungsstücke, eine in Deutschland lebende Person sogar bis zu 95 Stück – ohne Unterwäsche und Socken. Vieles davon bleibt immer im Schrank oder wird nur selten getragen. Am Ende landet es im Altkleidercontainer oder wird entsorgt. Mit Blick auf die Ressourcen, die es benötigt, um ein Kleidungsstück herzustellen, scheint die Capsule Wardrobe ein ideales Prinzip für das Hier und Jetzt zu sein.
  • Was ist die Capsule Wardrobe?

    Alles begann in den Siebzigern in einer Londoner Boutique namens Wardrobe. Susie Faux‘ Idee war es, eine Garderobe zu besitzen, die aus zeitlosen, qualitativ hochwertigen und untereinander einfach kombinierbaren Teilen besteht. Es war Faux ein Anliegen, den Menschen damit einen Schritt zu einem selbstbestimmteren Leben zu helfen. Sie war der Meinung, dass Menschen zu viel Zeit und Geld für Mode verwenden, die sie nicht oder kaum tragen, weil die Qualität sowie der Schnitt nicht passen oder die Mode eine Saison später nicht mehr aktuell ist. Das Prinzip der Capsule Wardobe spart also nicht nur Zeit bei der täglichen Auswahl des Outfits, sondern minimiert auch Impulskäufe und setzt einen Rahmen, um sich seinem Stil treu zu bleiben.

    Unser Tipp: Wichtig dabei ist, dass die Capsule Wardrobe auf den eigenen Lebensstil abgestimmt ist.
  • Wie funktioniert die Capsule Wardrobe?

    Das Gute daran: Es gibt keine festen Regeln! Die Capsule Wardrobe kann sich jeder nach Belieben eigenständig aufbauen. Folgende Rahmenbedingungen verhelfen beim Aussortieren und zusammenstellen:
    • Eine Capsule Wardrobe umfasst in etwa 30 – 40 Kleidungsstücke – ohne Unterwäsche, Socken und Sportbekleidung.
    • Zu Beginn empfiehlt sich eine Inventur: Welche Kleidungsstücke habe ich im letzten Jahr nicht getragen? Fühle ich mich in allen Teilen wohl? Lassen sie sich kombinieren?
    • Verschenken, verkaufen oder spenden Sie alle Kleidungsstücke, die diesen Test nicht bestanden haben.
    • Die restliche Kleidung bildet die Basis. Vielleicht lässt sich ein Farbmuster erahnen, oder auch, in welchen Schnitten und Qualitäten Sie sich besonders wohlfühlen?
    • Eine Capsule Wardrobe hat ein ausgewogenes Verhältnis von Ober- und Unterteilen, Jacken, Schuhen und Accessoires.